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Von Löwen und Schweinen

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gispor_0909_hsg_ov_090922 © Red

Wetzlar. Große Siege und klare Niederlagen. Jubel und Ernüchterung. Trainer, die gingen und Profis, die blieben. In 25 Spielzeiten in der Handball-Bundesliga hat die HSG Wetzlar sportlich viel erlebt. Zwischen Flensburg im Norden und Balingen im Süden. Zwischen Schwerin im Osten und Dormagen im Westen.

Worüber Zeitungen, Online-Medien, Rundfunksender und Fernsehanstalten ausführlich berichteten. Doch es gab auch immer wieder Ereignisse hinter den Kulissen. Abseitiges, Kurioses, Lustiges. Wir haben uns für Sie aus jeder Saison an ein solches Ereignis erinnert und es wieder aufleben lassen.

Saison 1998/99: Olga und das Glück in Dutenhofen: Wie das Leben so spielt: Nicht nur für die HSG Dutenhofen/Münchholzhausen, die sich am 28. März 1998 durch einen 32:28-Erfolg bei Polyot Tscheljabinsk den Einzug ins Finale des Europapokals der Pokalsieger sicherte, wird die Reise an den östlichen Rand des Urals unvergessen bleiben. Auch für eine der beiden Frauen, die sich während des fünftägigen Trips als Reiseleiterinnen rührend um die Truppe von Trainer Horst Spengler kümmerten, hatte der Aufenthalt der Mittelhessen in der mit fast zwei Millionen Einwohnern siebtgrößten Stadt Russlands nachhaltige Folgen.

Denn die beiden damaligen HSG-Edelfans Klaus Büchler und Rudolf Panz, die neben zwei Journalisten die einzigen waren, die die Grün-Weißen zum Match in die Geburtsstadt von Eishockey-Legende Sergei Makarow begleitet hatten, luden die jungen Frauen spontan zu einem Gegenbesuch ein. Der das Leben einer der beiden Russinnen nachhaltig verändern sollte. Während Anna inzwischen längst wieder ihr Glück in ihrer Heimat sucht, lernte Olga, heute 46, Thorsten Loh, den Sohn von Ortsvorsteher Uli Loh, kennen. 2003 heirateten die beiden, bauten ein Haus und bekamen zwei Töchter. Seit rund zwei Jahrzehnten lebt Olga glücklich in Dutenhofen.

Saison 1999/00: Kyung-Shin Yoon und das Sparschwein: Beim VfL Gummersbach lebten sie gar manches Mal über ihre Verhältnisse. Wovon im Jahre 2000 Schulden von bis zu 2,2 Millionen Mark, die Lizenzverweigerung des DHB und das allerdings erfolglose Versprechen von NRW-Ministerpräsident Wolfgang Clement, zwei Großsponsoren auftreiben zu wollen, zeugten.

Als die HSG D/M Wetzlar einst im Oberbergischen gewonnen hatte, drückten sie beim bis dato fünffachen Europapokalsieger der Landesmeister gar mächtig auf die Tränendrüse. Und riefen zu Spenden auf, obwohl sie beim VfL genau wussten, dass die Mannschaft um Großverdiener Kyung Shin Yoon, der in Gummersbach rund 32 000 Mark netto im Monat kassierte, nicht mehr zu finanzieren war. Werbe- und vor allem medienwirksam hatte ein kleines Mädchen nach Spielende ihr Sparschwein »geopfert«. Knapp 14 Mark an Münzgeld prasselte auf den Hallenboden, der südkoreanische Ausnahmekönner applaudierte, den Männern aus dem Wetzlarer Osten, die das bizarre Szenario ein wenig fassungslos verfolgten, war indes nur aus einem Grund zum Lachen zumute: Denn sie hatten beim 21:19-Sieg erstmals in der Heimatstadt von Legende Heiner Brand die Oberhand behalten.

Saison 2000/01: Rainer Dotzauer und der Kampf eines Löwen: Zum zweiten Mal nach 1998 zieht die HSG D/M Wetzlar im Mai 2001 in die Pokal-Endrunde in der Alsterdorfer Sporthalle in Hamburg ein - dies allerdings über einen Umweg. Denn eigentlich war die Truppe von Trainer Velimir Petkovic nach einem 32:33 im Viertelfinale gegen TuSEM Essen schon ausgeschieden. Doch die Grün-Weißen legten wegen einer nicht geahndeten Zeitstrafe gegen einen Gästeakteur Protest ein, dem nach Studium der Videoaufzeichnungen vom DHB auch stattgegeben wurde.

Das Wiederholungsspiel gewann die HSG schließlich 28:22, weil, so Petkovic, »unser Manager Rainer Dotzauer gekämpft hat wie ein Löwe und die Gerechtigkeit schließlich die Oberhand behielt.«

Dass Regisseur Markus Baur die Grün-Weißen schließlich mit 13 Treffern beim Halbfinal-28:27 über GWD Minden (mit Talant Dujshebajew) ins Finale warf, war das I-Tüpfelchen der zweiten Wetzlarer Pokal-Sensation, der dann nur im Endspiel der VfL Bad Schwartau (22:26) im Weg stand.

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