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Von Taj Mahal bis Feel Good Club

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Gießen. Wenn Pete Strobl auf seinen ehemaligen Arbeitgeber ratiopharm Ulm zu sprechen kommt, dann klingt stets ein bisschen Wehmut in seiner Stimme mit: »Die sind ein Vorbild für uns, denn sie haben ein Taj-Mahal-Trainingszentrum«, hebt der Austro-Amerikaner den im September 2020 eröffneten »OrangeCampus« auf eine Stufe mit Indiens berühmtestem Wahrzeichen, dem Mausoleum von Agra im Bundesstaat Uttar Pradesh.

Zur Erklärung: Der »OrangeCampus« gilt mit seinen drei Hallen, Gym, Geschäftsstelle, Konferenzräumen und Restaurant als das derzeit modernstes Nachwuchs- und Leistungszentrum Europas. Als Assistent des früheren 46ers-Trainers Thorsten Leibenath, der heute Sportdirektor der Donaustädter ist, arbeitete Strobl zwischen 2016 und 2019 in Ulm. Der Campus war da noch in Planung, inzwischen ist er fertiggestellt. Und der vierfache Familienvater in Gießen gelandet. Bei einem Club, der nicht nur tabellarisch auf dem letzten Platz liegt ...

»Alle Erstligisten haben besser Trainingsbedingungen als wir«, wird der Mann aus Long Beach/Kalifornien nicht müde darauf hinzuweisen, dass »sich unsere Bedingungen deutlich verbessern müssen, wenn wir hier etwas aufbauen und langfristig im Oberhaus bleiben wollen.« Es sind Hausaufgaben, die andere längst abgeschlossen haben. Nicht nur ratiopharm Ulm. Und vor allem nicht nur die EuroLeague-Clubs. Natürlich: Die Münchner Bayern, die ihren Audi Dome (vormals Rudi-Sedlmayr-Halle) jederzeit nutzen können, und Alba Berlin, die abseits ihrer für 165 Millionen Euro erbauten Mercedes-Benz-Arena ihre Übungsstunden in einer eigenen, erst zwölf Jahre alten Halle im Bezirk Mitte absolvieren, sind in Städten beheimatet, in denen Sponsoren ganz andere Summen lockermachen als in Gießen. Dennoch: Selbst Clubs wie die BG Göttingen, die Niners Chemnitz, s.Oliver Würzburg, die Telekom Baskets Bonn oder die Frankfurt Skyliners haben die 46ers bezüglich ihrer Trainingsstätten längst auf der Standspur überholt.

Die BG Göttingen verfügt über ein neues Trainingszentrum direkt neben ihrer Sparkassen-Arena. In dieser schmucken Sporthalle gibt es zwei Trainingsfelder, Umkleideräume, Sauna, Entspannungsbecken und Physioraum. Daneben befindet sich ein Gebäude mit physiotherapeutischem Zentrum, also sieben Therapieräumen, Arztzimmer, Kraftraum und den dazugehörigen Büros. Im Obergeschoss haben die »Veilchen« ihre Verwaltung, Besprechungsräume, eine Lounge und ein Videozimmer. Die Niners Chemnitz, die erst das dritte Jahr im Oberhaus mitmischen, absolvieren ihre Übungseinheiten im Feel Good Club am Stadtpark. Der aus den 90ern stammende Komplex wurde vor zwei Jahren aufwendig saniert und erhielt unter anderem zwei große Basketballfelder sowie zwei kleinere 3x3-Plätze. »Zusammen mit der riesigen Crossfit-Area, dem Aqua- und Wellnessbereich, der Sauna, einem erstklassigem Restaurant, integriertem Hotel und vielem mehr bietet uns diese Anlage perfekte Bedingungen, die es so deutschlandweit nur selten gibt«, schwärmt der argentinische Cheftrainer Rodrigo Pastore vom neuen Trainingszentrum.

Hochmodern sind auch die Räumlichkeiten, die den Spielern von s.Oliver Würzburg zur Verfügung stehen. Das Trainingszentrum befindet sich im Stadtteil Zellerau auf dem Bürgerbräu-Gelände und ist das Herzstück des Clubs. Dort trainieren sowohl die Profis als auch die Jugendmannschaften. Auch die Büros der Basketballer und deren Ausbildungs-Akademie sind seit zwei Jahren auf diesem Gelände beheimatet.

Die Basketballer aus Bonn trainieren seit 2008 in ihrem »Telekom Dome«, der einzigen Spielstätte in der Bundesliga, die einem Club gehört. Das Gebäude im Stadtbezirk Hardtberg hat eine Gesamtfläche von fast 23 000 Quadratmetern, auf der sich eine Veranstaltungshalle für 6000 Zuschauer, eine dreiteilbare Trainingshalle, das sogenannte Ausbildungszentrum, mehrere Tagungsräume und ein Fitnessstudio, die Baskets-Sportfabrik, befinden. Es dient dem Verein als Spielstätte und universelles Trainingszentrum für die Bundesligamannschaft sowie die zahlreichen Nachwuchsmannschaften. Der Bau kostete inklusive Grundstück rund 17 Millionen Euro gekostet und wurde von den Telekom Baskets (Kredit), Sponsoren und der Stadt (Zuschuss) ermöglicht. Besitzer und Betreiber des »Telekom Domes« ist die BonBas GmbH, der wirtschaftliche Träger des Bundesliga-Spielbetriebs der Telekom Baskets Bonn.

Die Frankfurt Skyliners nutzen die »Basketball City Mainhattan«, direkt gelegen im Frankfurter Nord-West-Zentrum. Die Stadt hat ihren Basketballern diese moderne Multifunktionshalle für deren Trainingsbetrieb zur Verfügung gestellt. Für das Kraft- und Ausdauertraining nutzt das Team von Trainer Diego Ocampo darüberhinaus das Fitnesscenter im Erdgeschoss der Titus-Thermen, einem Sponsor des Vereins. Moderne Trainingsmaschinen, über 30 Cardiogeräte und ein Aerobicsaal stehen den Skyliners zur Verfügung. Und wenn sie sich von den Anstrengung des Trainings erholen möchten, können sie dies in der Saunawelt, auf den Sonnenterassen und im Erlebnisbad der Titus-Thermen tun.

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