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Warten auf den Stadtpokal

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Von: Rüdiger Dittrich

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Auch der Jugendstadtpokal fällt in diesem Jahr (wieder) flach. Wenn es nach Gerd Kerzmann und Björn Watzke geht, soll sich das 2024 ändern. im Idealfall wird dann sogar auf Kunstrasen gespielt. Foto: Friedrich © Friedrich

Gießener Traditionsveranstaltung fällt erneut aus / Planungen für reformierte Veranstaltung laufen

Gießen . Gerd Kerzmann und Björn Watzke spielen sich beim Treffen an diesem Abend Anfang Dezember gekonnt die Bälle zu. Und das, obwohl der Klein-Lindener und der ASV-Fußballmacher nie in einer Mannschaft gespielt haben. Was aber den Gießener Hallenstadtpokal angeht, haben sie viele Ideen, die sie im gekonnten verbalen Doppelpass auch mitzuteilen wissen.

Einschub: Dass an dieser Stelle heute keine Vorschau auf das traditionsreiche Hallenfußball-Event erscheint, gehört auch zu den Entwicklungen, die Corona nach sich zieht. Denn stets war in den vergangenen knapp 35 Jahren die Zeitung am Ball, schmückte ihre Heiligabend-Sportseite mit dem Ausblick auf die ebenso regelmäßig wie das frohe Fest wiederkehrende Veranstaltung. Bis 2019 hieß es 33 Mal ab dem 27. Dezember: Vorhang auf für die Hallenkicker, die zumindest in den ersten 20 bis 25 Jahren stets vor prächtig gefüllten Rängen die Osthalle über drei, vier Tage zum Treffpunkt all derer werden ließen, die in Gießen fußballerisch Rang, Namen, Durst, aber auch Freude am Klönen mit alten Kumpels hatten. Eine Institution nennt man sowas.

Auch zuletzt war das noch so. In Zeiten allerdings, da die großen Tage der Gießener Originale und Hallenkünstler - vom ASV, Sachsenhausen oder der Freien TSG - vorbei waren und das sportliche Niveau nach Ansicht vieler Altinternationaler »ei sowas von schlecht gewodde is, das kann man ja net mehr angucke, ulei«, nahm der Zuspruch ab. Trotzdem waren immer noch viele Ex-Kicker dabei nach den familiensatten Feiertagen, um mal wieder »unter Leute zu kommen.« Denn wenn es drin nicht schön anzusehen war, so wurde man draußen im Osthallen-Foyer von Bier zu Bier immer besser, als man eigentlich jemals gewesen war. Nahezu unschlagbar waren nach der dritten Runde Pils all jene, die in den 80/90ern gekickt hatten. »Wisst ihr noch«, lautete der immer gleiche Start in hitzige Gespräche am Tresen. Der Gießener Stadtpokal war drei Jahrzehnte stilbildend, ein wichtiges Ritual, durchaus stadtgesellschaftlich relevant. Ganze Vereine sanierten sich mit der Ausrichtung der Veranstaltung oder konnten zumindest einen Satz Trikots und die Malle-Fahrt bezahlen. Und wenn ein B-Ligist mit einem überragenden Hallenkicker, man denke an Micha Moser vom ACE, einen Gruppenligisten vom Parkett schoss, flog der Osthalle das Dach weg. Am Ende stand dann stets der Oberbürgermeister oder die Oberbürgermeisterin im Trubel, sprach wohlfeil sortierte Glückwünsche ins Mikro und überreichte den Henkelpott.

2019 nun gab es den Stadtpokal zum letzten Mal, dann machte ihm Corona zweimal den Garaus. Aber schon vor der ersten Pandemie-Absage gab es Überlegungen, das etwas angestaubte und nicht mehr ganz so zugkräftige Image aufzupolieren, den Stadtpokal auf neue Füße zu stellen. Maßgeblich der Sache angenommen haben sich die bereits erwähnten Gießener Fußball-Strategen Kerzmann (50) und Watzke (39), die das Event für zunächst drei Jahre mit ihren Vereinen als gemeinsames Projekt ausrichten wollen. Alles in enger Absprache mit Kreisfußballwart Henry Mohr und Sportamtsleiter Tobias Erben, der sich »richtig darüber freuen« würde, wenn »wir da wieder eine tolle Veranstaltung mit vielen Zuschauern hinbekommen könnten.«

Warum aber nicht jetzt, 2022? »Das war nicht zu machen. Als wir uns im Frühjahr zusammengesetzt haben, war noch unklar, wie es im Herbst oder Winter mit Corona weitergehen würde und auch im Sommer war es noch nicht abzusehen«, sagt Kerzmann, der davon spricht, dass »die Planungssicherheit nicht gegeben war.« Zudem seien auch die Vereine bei der Abfrage ihres Interesses am Fußball zwischen den Jahren sehr zurückhaltend gewesen. »Früher war es in Stein gemeißelt, dass du zum Stadtpokal gehst, aber auch da hat sich einiges geändert«, ergänzt Watzke, der wie sein TSV-Kollege »das finanzielle Risiko« bei aus ihrer Sicht unklaren Verhältnissen im Winter nicht eingehen wollte. Denn über das Stadium der Ideen-Entwicklung sind die künftigen Veranstalter schon hinaus. »Wir hatten während Corona ja genug Zeit, uns Gedanken zu machen.«

So soll die künftig zu etablierende Veranstaltung auf einem von Banden gesäumten Kunstrasen stattfinden. »Auf alle Fälle aber in der Osthalle, die als einzige das vom Fassungsvermögen hergibt«, wie Kerzmann und Watzke unisono betonen. Auch Sportamtsleiter Tobias Erben hat andere Planungen zwar gedanklich durchgespielt, aber »mit vielleicht 450 Tribünenplätzen in der Sporthalle Am Ried dürfte es zu eng werden.« Von der Logistik her war die gute, alte Osthalle für das Mehrtages-Event schon immer ideal. Das sehen auch Kerzmann/Watzke so, die den Ort beibehalten, den Zeitraum aber ändern möchten. »Zwischen den Jahren hat zwar einen gewissen Charme, aber es ist unserer Ansicht nach nicht mehr zeitgemäß. Früher war das für die Spieler und Mannschaften ein Fixpunkt, heute sind viele zu dieser Zeit nicht da, fahren weg, sie haben die Bindung nicht mehr so«, schätzt Kerzmann die Situation ein, wobei Watzke beipflichtet: »Früher musstest du auswählen, wer mitdarf, heute musst du suchen, dass du genug Spieler zusammenbekommst.« Und was für das kickende Personal gelte, »das gilt natürlich auch für die Helfer« spielen die Fußball-Verantwortlichen auf schwindendes Ehrenamt an. »Gerade wenn es darum geht, an Heiligabend oder den Feiertagen schon aufzubauen und dann noch drei Tage direkt nach Weihnachten in der Halle zu sein.«

So schwebt dem Duo, das sich der Sache deshalb federführend angenommen hat, weil nach dem letzten Ausrichtungs-Zyklus durch den MTV 1846, sich keiner aufgedrängt habe und »viele kleine Vereine, das gar nicht mehr stemmen können«, ein Termin im frühen Januar vor. »Wir könnten von Klein-Linden und dem ASV sicher jeweils etwa 40 Helfer rekrutieren. Und die braucht man auch«, betont Kerzmann, dass »das natürlich Ideen sind, die wir im Februar/März auch nochmal mit den Vereinen besprechen werden.«

Und der 50-Jährige erläutert: »Auch den Modus wollen wir anders gestalten. Wir haben 16 Vereine, davon würden wir gerne zehn an einem Tag eine Art Vorturnier spielen lassen. Und zwar die B- und A-Ligisten. Dafür gibt es dann auch schon einen Siegerpokal und eine Geldprämie und für die ersten Vier oder je nachdem wäre der Aufstieg möglich. Die würden am nächsten Tag mit den sechs höherklassigen Teams den eigentlichen Stadtpokal ausspielen.« Charmant an der Sache sei, dass »die kleinen Vereine auch ein Erfolgserlebnis haben können und nicht vom FC Gießen oder so aus der Halle geschossen werden.«

Beinhalten soll die Neuausrichtung auch, dass »wir den Jugendstadtpokal am Vormittag integrieren.« An einem Tag beispielsweise G- bis D-, am anderen C- bis A-Junioren. So die Ideen zur Ausgestaltung eines reformierten Stadtpokals, der »auch draußen noch aufgepeppt werden soll, zum Beispiel mit der Vorstellung anderer Sportarten und Vereine, oder einer Art Marktplatz im Foyer, wo sich die Sponsoren präsentieren können«, ergänzt Watzke. Ein erstes Treffen, um das Vorhaben voranzubringen, ist für Januar geplant. Wenn alles läuft wie geplant, wäre Januar 2024 der Starttermin.

Bis dahin muss der Freund des Hallenkicks nun erst einmal nach Dutenhofen fahren. Der Globus-Cup des SC Münchholzhausen/Dutenhofen findet vom 5. bis 8. Januar 2023 statt. »Ende November waren 18 Zusagen da«, weiß Organisator Hartmut Decher.

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