1. Startseite
  2. Sport
  3. Lokalsport

Was Daniyel Cimen alles nicht weiß...

Erstellt: Aktualisiert:

Gießens Trainer hat keinen Kontakt zu Eintracht Frankfurt und schaut in dieser Woche »nur von Tag zu Tag«.

Gießen . Daniyel Cimen, das konnte man am Montagabend im »Heimspiel« auf dem hessischen Dritten sehen, hat eine blütenweiße Küche. Der Trainer des FC Gießen hatte in den letzten Tagen ja auch genügend Zeit, um zuhause zu wienern und zu wischen, schließlich saß er, positiv auf das Coronavirus getestet, eine Woche in Quarantäne. Nun ist er frei getestet, aber nicht frei von Sorgen, denn nach der Spielabsage des FC Gießen im Vorfeld des Regionalliga-Auftritts beim VfB Stuttgart U23, sind naturgemäß weiterhin eine Reihe von Spielern in Corona-Quarantäne.

Vier, fünf Tage vor dem ebenso wichtigen Spiel gegen den hessischen Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt, Grund genug, einmal nachzufragen, wie es denn aussieht am kommenden Samstag gegen den FSV Frankfurt? »Es ist schwierig eine Prognose abzugeben«, sagt der FC-Übungsleiter am Dienstagmorgen, »ich weiß ja nicht einmal, wer mir heute im Training zur Verfügung steht.« So durften sich immerhin »ein paar Spieler schon am Mittwoch freitesten, aber einer ist auch jetzt schon wieder mit einem positiven Test dazugekommen«, beschreibt Cimen den ritt auf der Rasierklinge mit der scharfen Corona-Schneide.

Vier Trainer und zehn Spieler waren am vergangenen Wochenende out of order, was zur Spielabsage führte. Selbst wenn im Laufe der Woche sich das Gros der Betroffenen freitesten kann, so ist doch Vorsicht geboten, »denn neben welchen mit ganz wenigen oder gar keinen Symptomen, hatten wir auch zwei, drei Spieler, die es heftiger erwischt hatte.« Die werden, wie sich das im Leistungssportbereich gehört, auch erst einmal zum Check bei Internisten geschickt. Ob sie dann spielen können, ist fraglich, aber die Regionalliga GbR interessiert das nur wenig.

Nichts Genaues weiß man nicht, lautet also auch in dieser Woche das von der Pandemie unterfütterte Motto beim FC Gießen, der »von Tag zu Tag schauen muss«, wie Cimen es beschreibt, dabei aber nicht darauf setzen kann, dass es einen weiteren Automatismus in Sachen Spielabsage oder--verlegung gibt. »Wenn wir genug Spieler haben, so wie es in den Statuten festgelegt ist, wird uns die Regionalliga sicher nicht entgegenkommen«, ist die Mentalität der Südwest-GbR in den letzten beiden Jahren weithin bekannt. »Es ist eine Riesenherausforderung, das alles vor einem so eminent wichtigen Spiel in den Griff zu bekommen«, weiß Cimen. Und vielmehr weiß er angesichts der unklaren Lage (»es gibt auch noch zwei Spieler, die sich erkältet abgemeldet haben, aber nicht positiv sind«) bis Dienstagnachmittag nicht.

Was er auch nicht weiß: Dass Daniyel Cimen ab Sommer bei der Eintracht ist, um die neu zu etablierende U23 zu übernehmen. Das vermeldete in der vergangenen Woche die Zeitung mit den dicken Buchstaben. Und prompt hängten sich Zeitunge und Onlindeportale dran. Die Sache schien geritzt, was den 37-jährigen ehemaligen Eintrachtspieler doch sehr überrascht: »An einem Morgen bekam ich den Bericht zugeschickt und hatte ganz viele Nachrichten auf dem Handy. Fakt ist aber, dass ich keinen Kontakt hatte, mit niemandem gesprochen habe und auch nicht angerufen wurde. ich musste schon schmunzeln, als ich gelesen habe, dass Patrick Ochs mit mir verhandelt hat. Das ist an den Haaren herbeigezogen«, sagt Cimen, der auch im »Heimspiel« am Montagabend betonte, dass »aktuell meine Aufgabe beim FC Gießen ist. Und zwar den Klassenerhalt zu schaffen.« Gestützt wird diese Aussage auf Umwegen von seinem Kumpel Michael Fink, der im Vorfeld des Stuttgart-Spiels den Stuttgarter Nachrichten sagte: »Mein Vertrag läuft bis 2023. Wenn wir in der Regionalliga drin bleiben, mache ich auch als Spieler weiter. (...) Ich hoffe jedenfalls, dass ich in der kommenden Saison erneut mit Gießen auf den VfB treffen werde.« Dass Cimen (und Fink?) als Ex-Eintrachtler, die nicht weit entfernt von Dreieich leben, eine Aufgabe in Frankfurt naturgemäß reizvoll finden könnten, bestreitet Gießens Trainer nicht: »Ja, klar ist das eine interessante Aufgabe, das lässt sich ja nicht leugnen, trotzdem ist an den Meldungen nichts dran.« So ist das mit Gerüchten, die auch jetzt wieder das Umfeld des FC Gießen betreffen. So seien die Gehälter der Spieler für den vergangenen Monat noch nicht gezahlt worden, heißt es. Notvorstand Turgay Schmidt bestätigt das auch auf Nachfrage, sagt aber zudem, dass »die Verzögerung noch mit Altlasten zu tun hat«, aber »alles auf einem guten Weg« sei, »nicht nur was dieses Geld angeht, auch in der Gesamtstruktur geht es jetzt voran.« Man wird sehen. Positive Nachrichten? In Zeiten, da positiv so negativ besetzt ist, möchte man es gerne glauben. Aber jetzt schauen wir, wie Daniyel Cimen, erst einmal von Tag zu Tag.

Auch interessant