1. Startseite
  2. Sport
  3. Lokalsport

Wechselspiel mit Hase und Hinti

Erstellt: Aktualisiert:

FRANKFURT. (pep). Es ist noch gar nicht so lange her, da haben viele Beobachter in den Medien, auch von dieser Zeitung, laut darüber nachgedacht, ob Martin Hinteregger (29) nicht mal eine Pause gebrauchen könnte. Der Abwehrchef der Frankfurter Eintracht wirkte im Frühherbst überspielt, nicht wirklich fit, auch nicht fokussiert, abgelenkt von vielen anderen Dingen wie unter anderem einer Buchvorstellung.

Zudem war er an der Schulter verletzt.

Trainer Oliver Glasner machte sich diese Argumentation zu eigen, ließ Hinteregger zuletzt viermal in Folge nicht auf den Platz. Und die Eintracht war auch ohne den österreichischen Nationalspieler durchaus erfolgreich. Nun haben die Frankfurter zum ersten Mal wieder verloren, 2:3 in Hoffenheim, und neben anderen hatte auch die Dreier-Abwehrkette mit Tuta, Makoto Hasebe und Evan Ndicka nicht gut ausgesehen. Natürlich wurde Glasner nun nach Hinteregger gefragt. Er hatte dies offenbar erwartet. »Wir sollten über das Spiel sprechen und die Spieler, die gespielt haben«, lautete die zunächst knappe Antwort, »ich finde, dass es die Dreierkette sehr gut gemacht hat in den letzten Wochen«.

Glasner ist jedoch ein höflicher Mensch und so hat er in der Folge versucht, den Verzicht auf Publikumsliebling »Hinti« zu erklären. »Martin war erstmal raus, weil er nicht trainieren konnte (wegen einer Schulterverletzung, die Red.), sagte er, »und ich habe mich entschlossen, die Dreierkette weiter zusammen zu lassen.«

Mehr ins Detail gehen wollte der Frankfurter Trainer dann aber doch nicht. Und musste er auch nicht. Denn warum hätte er ein funktionierendes Gebilde ändern sollen? Die Sachlage hat sich nun freilich wieder geändert. Nicht, weil Hasebe (37) nach vielen guten und sehr guten Spielen einmal etwas schwächer aufgetreten war, sondern weil die Belastungen für alle hoch sind, gerade auch für den ältesten Spieler der Bundesliga.

»Wir brauchen beide, Hase und Hinti«, hatte Glasner vor ein paar Wochen mal gesagt. Danach wird er nun handeln. Bis Weihnachten hat die Eintracht noch vier ausgesprochen schwere Spiele. Beginnend am Donnerstag in der Europa-League, wenn es bei Fenerbahce Istanbul um den Gruppensieg geht.

Am Samstag kommt dann Bayer Leverkusen, es folgt die brisante Partie bei Ex-Trainer Adi Hütter in Mönchengladbach und zum Abschluss das Nachbarschaftsduell mit Mainz 05. Hinteregger wird nun schnell ins Team zurückkehren, das ist ziemlich sicher. Auch um Hasebe mal eine Verschnaufpause zu gönnen. Ob Glasner dann gefragt werden wird, warum er Hasebe rausgenommen hat?

Auch Sportvorstand Markus Krösche werden Fragen gestellt. In erster Linie nach einem neuen Mittelstürmer in der winterlichen Transferperiode.

Das Anforderungsprofil ist klar: Der Neue soll kopfballstark sein, um die Flanken von Filip Kostic besser zu verwerten. Er soll für eine Quote von mindestens zehn Treffern in der Rückrunde »garantieren«. Er soll sich schnell integrieren, müsste also schon ein bisschen Bundesliga-Erfahrung mitbringen. Und natürlich darf er nicht teuer sein, eine Millionen-Euro-Ablöse kann die Eintracht nicht bezahlen. Ein Leihgeschäft wäre möglich.

Bei diesem Profil könnte man leicht auf einen Namen kommen: Goncalo Paciencia. Der 27 Jahre alte Portugiese hat schon bewiesen, dass er Tore schießen kann (dreizehn in der Bundesliga, sechs in der Europa-League, eines im DFB-Pokal). Er braucht keine Eingewöhnungszeit. Er kostet keine Ablöse, noch nicht einmal Leihgebühr. Der allergrößte Vorteil aber: Paciencia steht schon bei der Eintracht unter Vertrag (bis 2023), ist nicht nur integriert im Team, sondern ausgesprochen beliebt. Der Trainer kennt ihn längst, die Formkurve steigt seit Wochen an.

Also warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? Paciencia hat noch in den nächsten beiden Wochen noch vier Spiele Zeit, sich weiter zu empfehlen und dem Klub viel Geld und Mühe zu ersparen.

Auch interessant