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»Werden fighten bis zum Umfallen«

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Hüttenberg. Was sonst schlicht als nüchterne Sachinformation daherkommen würde, ist jedoch in der aktuellen Situation eine Einleitung zu einem Text wert, denn: Von den bislang sieben Heimspielen, die der TV Hüttenberg ausgetragen hat, endeten gleich sechs mit dem besseren Ende für den Gegner. Kein Team im Handball-Unterhaus hat eine schwächere Bilanz vorzuweisen.

»Alles Jammern hilft nichts. Wir müssen den Fokus bewahren, wir werden weiterhin als Mannschaft agieren und fighten bis zum Umfallen, bis dieser Bock endlich umgestoßen wird«, sagt TVH-Trainer Johannes Wohlrab vor dem Duell mit dem Tabellen-15 von Eintracht Hagen.

TV Hüttenberg - Eintr. Hagen (Sa., 19.30 Uhr)

Umso erstaunlicher ist, dass die Hüttenberger trotz ihrer Heimbilanz nicht in akuter Abstiegsnot stecken. Verantwortlich dafür ist das »Auswärtsgesicht«, das die Blau-Weiß-Roten immer wieder zeigen und das ihnen bereits neun von zwölf Auswärtspunkten beschert hat.

Vor dem Duell gegen Hagen lassen sich mit Blick auf die zurückliegenden Heimspiele drei Hauptgründe ausmachen, weshalb im Sportzentrum bislang noch der Wurm drin ist.

Die Chancenverwertung

Auf beinahe jeder Pressekonferenz waren sie Thema: Die vielen ungenutzten Möglichkeiten, die den Blau-Weiß-Roten schon so manchen Punkt vor heimischer Kulisse gekostet haben. Der Blick auf die Statistik legt jedoch nahe, dass die Wurfausbeute des TVH-Ensembles bei näherem Hinsehen zwar nicht gut, jedoch auch keineswegs katastrophal schwach daherkommt: So weisen die Hüttenberger eine Gesamtwurfquote von 59,61 Prozent auf (Platz 12 von 19 Mannschaften). Aus dem Rückraum trifft der Traditionsverein mit einer Wahrscheinlichkeit von 42,26 Prozent (Platz 10 von 19), von Außen sogar fast mit 63 Prozent (Platz 9 von 19). Auffallend niedrig ist indes der Wert der Tempogegenstoßtore: Hier trafen die Hüttenberger erst 20-Mal, nur der TV Großwallstadt traf noch sechsmal weniger. Allerdings gelten diese Werte sowohl für die Heim- als auch für die sehr erfolgreichen Auswärtsspiele. Separate Heim-Quoten liegen nicht vor.

Das Mappes-Vakuum

Dass der im Sommer zum VfL Gummersbach abgewanderte Dominik Mappes nicht eins zu eins zu ersetzen sein würde, war bereits vor der Saison jedem klar. Wohlrab hatte deshalb gefordert, dass sich die Verantwortung, die der Mittelmann in der abgelaufenen Spielzeit noch getragen hatte, nun auf mehrere Schultern verteilen müsse. Auswärts gelingt dem TVH dies glänzend, zuhause noch nicht. Beispielhaft sei die Schlussphase der jüngsten Heimniederlage gegen den HC Elbflorenz (25:26) erwähnt: Der TVH hatte sich toll zurückgekämpft, ganz am Ende jedoch die von Dresden verteilten Einladungen zum Ausgleich gleich mehrfach überhastet aus der Hand gegeben. In solchen Momenten vermisst manch ein Hüttenberger Fan die ruhige, ordnende und treffsichere Hand von Mappes, dessen Fähigkeiten in der letzten Saison so manche Crunchtime zugunsten der Hüttenberger haben ausfallen lassen.

Das »Kopfproblem«

Wohlrab brachte es nach der Niederlage gegen Elbflorenz auf den Punkt: »Wir haben zuhause einfach ein Kopfproblem.« Frei nach dem einstigen Fußball-Bundesligatrainer Christoph Daum, demzufolge der Kopf im Fußball das dritte Bein sei, müsste es beim TVH also aktuell heißen: Der Kopf ist der dritte Arm. In kämpferischer Hinsicht kann Wohlrab seinem Kader nie einen Vorwurf machen. Jedoch verwandelt sich jene Leichtigkeit, mit der die Hüttenberger auswärts bereits viermal gewonnen haben, in Heimspielen in spürbare Verunsicherung.

Fairerweise muss jedoch hinzugefügt werden: In den ersten vier Heimspielen hatte es das »Original aus Mittelhessen« - mit Ausnahme des abgeschlagenen Schlusslichts Wölfe Würzburg - mit der HSG Nordhorn-Lingen (Tabellenfünfter), dem HBW Balingen-Weilstätten (Erster) und dem TuS N-Lübbecke (Dritter) und damit nur mit absoluten Spitzenteams zu tun. Der in dieser Phase aufgebaute »Heimfluch« (Wohlrab) und die sich dadurch von Woche zu Woche verstärkende Unsicherheit machen es erklärbar, warum selbst zuvor als »Muss-Spiele« deklarierte Partien wie Konstanz (26:28) und gegen Elbflorenz verloren wurden.

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