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»Wind of Change« in Osthalle?

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Gießen. Am Donnerstagmorgen um kurz vor 9 Uhr schien rund um die Sporthalle Ost die Sonne. Direkt über Gießens »Gut Stubb« allerdings waren in diesen Minuten dunkle Wolken aufgezogen. Ein schlechtes Omen? Drinnen im Presseraum saßen Sebastian Schmidt und Pete Strobl ebenfalls mit angespannten Mienen, um sich den Fragen der Journalisten und der Fans vor dem Bundesliga-Rückrundenauftakt der 46ers am Samstag (20.

30 Uhr) gegen die Hamburg Towers zu stellen.

Gießen 46ers - Hamburg Towers (Samstag, 20.30 Uhr)

Und natürlich schwebte der Geist von John Bryant noch einmal durch die Reihen. Geschäftsführer Schmidt wollte den in ganz Basketball-Deutschland diskutierten Abgang des »Big Man« in Richtung Abstiegskampf-Konkurrent Mitteldeutscher BC nicht kommentieren, »weil ich im Nachgang nicht nachtreten möchte«.

Anders verhielt sich Coach Strobl wenige Augenblicke später. »Die Leute erwarten Drama, ein bisschen Konflikt, dass sie lesen, meckern, streiten können. Sie wollen Gesprächsstoff haben. Aber ich habe nichts Schlechtes über John Bryant zu sagen. Er ist ein guter Spieler, ein guter Kerl. Das möchte ich ganz klar feststellen.«

Thema abgehakt? Zumindest bis zum 6. Februar, wenn der MBC mit Bryant auf seinen Ex-Club treffen wird. Jetzt gilt das Augenmerk des Tabellenvorletzten von der Lahn zuallererst den Towers von der Elbe. »Natürlich werden wir versuchen, unsere Schnelligkeit zu nutzen. Wir müssen einen Weg finden gegen den defensiven Druck der Hamburger. Wir haben am Wochenende ohne Pflichtspiel an unserer Offense gearbeitet. Wir wollen und müssen mehr passen und weniger dribbeln«, erklärte Strobl.

170 zugelassene Zuschauer werden sich live vor Ort ein Bild davon machen können, ob sich die Gießener nach acht Niederlagen in Serie mit dieser Taktik wieder auf die Siegerstraße begeben. Etwas dagegen haben die Hansestädter, die angeführt von Trainer Pedro Calles als Favorit anreisen. Bestimmende Akteure auf dem Feld sind Shooting Guard Caleb Homesley und Center Maik Kotsar. Im Hinspiel vor nicht einmal einem Monat tat ausgerechnet der in Mittelhessen bekannte Robin Christen mit 20 Punkten den 46ers richtig weh und führte den aktuellen Rangsiebten zu einem deutlichen 104:82-Sieg. Weniger erfolgreich agierten die Hamburger am Dienstag im EuroCup bei Partizan Belgrad (77:102). »Genauso wie Partizan müssen wir anfangen. Hart verteidigen und vorne wie erwähnt den Ball mit Pässen bewegen«, sagt Pete Strobl. Personell könnten die 46ers nach dem Corona bedingten Ausfall der Auswärtspartie am vergangenen Sonntag bei Alba Berlin gegen die Towers endlich mal wieder aus dem Vollen schöpfen. »Leider haben wir im Verlauf der bisherigen Saison das Pech gehabt, dass wir immer Verletzte oder Kranke hatten. Ich hoffe diesmal sehr, dass alle einsatzfähig sind«, so der Gießener Coach.

Ob mit »alle« dann möglicherweise auch der letzte, verbliebene Neuzugang, den die Gießener in der laufenden Runde noch verpflichten können, gemeint ist, darauf antwortete Strobl so: »Wir haben die vergangenen Wochen den Markt sondiert und einen Spieler gesucht, der uns mit seinem Wurf von draußen hilft. Schwer zu sagen, ob der am Samstag dabei ist«, ließ der Trainer den Raum für weitere Spekulationen. »Wir brauchen einen Mann, der den nötigen Basketball-IQ und die Erfahrung hat. So einer fehlt uns«. Der Geschäftsführer ergänzte zu einer möglichen, bereits spekulierten Verpflichtung des in dieses Schema passenden Letten Martins Laksa: »Ich kenne den Namen, ich kenne den Spieler. Wenn es was zu vermelden gibt, dann werden wir das auch tun«, so Schmidt.

Zu vermelden hatte Strobl dann noch, »dass wir vergangene Woche Kendale McCullum zum zweiten Kapitän neben Dennis Nawrocki gewählt haben. Wir glauben, dass wir mit Kendale einen Anführer auf dem Spielfeld haben, den wir brauchen. Er kann nicht nur punkten und seine Mitspieler finden, sondern der uns genauso nach vorne pushen kann. Wir lieben unseren Job und werden alles geben. Wir wissen aber auch um unsere Lage und brauchen Siege«, ist sich der Austro-Amerikaner bewusst.

Es waren intensive Tage, und es bleiben intensive Tage. Die dunklen Wolken aber, die waren dank einer stürmischen Brise über der Osthalle verschwunden, als sich Pete Strobl am Donnerstag gegen 9.30 Uhr zum Training in Richtung Rivers-Sporthalle verabschiedete. Ein gutes Zeichen für das Duell mit Hamburg? Vielleicht weht nach dem Abgang von John Bryant ja tatsächlich ein »Wind of Change« durch Gießens »Gut Stubb« …

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