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»Wir sind überzeugt von diesem Kader«

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Es wird wieder Zeit, das Spiel zu dirigieren: Daniyel Cimen. © Ben

Gießen . Sechs Wochen hat der FC Gießen an den Voraussetzungen gearbeitet, um spätestens am 14. Mai im Auswärtsspiel beim KSV Hessen Kassel den Klassenerhalt in der Fußball-Regionalliga Südwest fix zu machen. Zu Buche stand zur Winterpause mit Rang 17 ein Abstiegsplatz, geschuldet vor allem der Torflaute (20 Treffer bedeuten den schwächsten Ligawert), die wiederum mit fortwährenden personellen Problemen im Offensivbereich zusammenhing.

Position 15 dürfte nach Lage der Dinge in der 3. Liga reichen, um am Ende über dem Strich platziert zu sein.

Dieses Unterfangen geht der FCG mit einem nahezu unveränderten Kader an: Nur Nikita Marusenko verließ den Verein (zum VfV Hildesheim), dafür wurde mit dem ehemaligen Pirmasenser Jabez Makanda ein Stürmer verpflichtet. Zudem stimmt die Ausfallliste optimistisch, denn darauf befinden sich neben dem für das Auftaktspiel gegen den Bahlinger SC (Samstag um 14 Uhr im Waldstadion, Einlass ab 12.30 Uhr) gesperrten Kapitän Nikola Trkulja mit Benedict dos Santos (Muskelfaserriss) nur zwei Spieler. Über die Vorbereitung, das Saisonziel, den Offensivbereich seiner Mannschaft und das Aufrüsten der Widersacher im Abstiegskampf spricht Trainer Daniyel Cimen im Interview.

Herr Cimen, wie fällt Ihr Fazit zur Vorbereitung aus?

Insgesamt bin ich zufrieden. Vor allem auch, weil wir - toi, toi, toi - verletzungstechnisch gut durchgekommen sind. Die Jungs haben richtig Gas gegeben und eine hohe Intensität und Bereitschaft an den Tag gelegt. Wir haben gut an den Schwerpunkten arbeiten können, die wir uns gesetzt haben, und werden das auch weiterhin tun.

In den drei vorherigen Transferperioden hatte sich beim FCG immer eine Menge getan. Warum diesmal nicht?

Der wichtigste Grund ist, dass wir überzeugt von diesem Kader sind. Wenn alle gesund und da sind, können wir die nötigen Punkte holen. Deshalb haben wir keinen unbedingten Bedarf gesehen. Für die vorderste Spitze haben wir uns umgeschaut, aber da konnte erst jemand kommen, wenn jemand anders geht. Das hat das Ganze erschwert, außerdem ist es im Winter ohnehin noch einmal schwieriger, eine Top-Lösung zu finden.

Kompletter Kader, zumindest aber ohne die doch teils riesengroßen Personalprobleme aus dem ersten Saisonteil gleich Klassenerhalt: Ist die Rechnung so einfach?

Nein, das ist zu einfach, wenn man zum Beispiel sieht, wie sich Clubs vor und hinter uns verstärkt haben, dann wird es sicher nicht leichter. Aber wir wollen den Fokus auf uns richten. Ich weiß, dass das platt klingt, aber letztlich ist es so: Wir möchten von Woche zu Woche schauen und punkten. Und wir können gegen jeden Gegner Punkte holen.

Das große Manko lag bis dato in der Offensive. Dass die Offensiv-Youngster Dennis Owusu und Donny Bogicevic in ein Leistungsloch fallen könnten oder dass die Ü30-Angreifer Aykut Öztürk, Giuseppe Burgio und Nejmeddin Daghfous es dauerhaft nicht schaffen, richtig in Tritt zu kommen beziehungsweise zu bleiben. Sind das Dinge, über die Sie sich Gedanken machen?

Ich bin grundsätzlich ein positiv denkender Mensch. Klar, es kann vorkommen, dass junge Spieler wie Donny oder Dennis mal eine Delle haben. Ich hoffe natürlich nicht, dass das passiert. Und ich habe auch nicht den Eindruck, dass das passieren wird. Es kann ja auch passieren, dass sie die nächsten Schritte machen. Dabei wollen wir ihnen helfen und sie unterstützen. Bei den angesprochenen älteren Spielern denke ich, dass sie ihrer Erfahrung gerecht werden. Außerdem haben wir nur eine Englische Woche und können die Belastung entsprechend steuern. Und wir können intensiver mit denjenigen arbeiten, die noch Nachholbedarf haben.

Am Samstag beim letzten Test in Waldgirmes war bei der »zweiten« Elf nach dem Seitenwechsel einiges an Leerlauf zu beobachten. Hat der FCG aktuell etwa 15 Feldspieler, die auf einem Niveau um die Startelfplätze kämpfen?

Einige haben gewiss Nachholbedarf. Wir sind auch wieder eine Woche weiter und der eine oder andere vielleicht ein Stück näher dran. In Vorbereitungen hast du eigentlich immer ein, zwei Einheiten, die zäh sind. Die hatten wir nicht. Auch wenn wir mal dachten, es ist viel Müdigkeit drin, war die Bereitschaft hoch. Das muss die Basis sein. Wir haben einen gesunden Konkurrenzkampf. Die, die derzeit die Nase vorn haben, müssen weiter Gas geben. Und die anderen müssen auf ihre Chance lauern und Druck machen. Wir werden jeden einzelnen brauchen.

Die Konkurrenz im Abstiegskampf hat teils viele Transfers in der Winterpause getätigt. Der FSV Frankfurt hat doch tiefgreifend an seinem Kader gearbeitet und mit Marcel Heller einen prominenten Ex-Bundesligaprofi geholt. Für Aufsehen hat auch die SGS Großaspach mit der Verpflichtung von Sascha Mölders gesorgt. Wie bewerten Sie das und was bedeutet es für die Lage des FCG im Tabellenkeller?

Jeder Verein will mit aller Macht den Abstieg verhindern. Und alle wissen, dass es nur noch 14 Spiele gibt. Da kann niemand sagen, er braucht noch drei, vier Spiele, um reinzukommen. Gerade bei den zwei genannten Clubs steht ja auch viel dahinter. Der FSV hätte ja als Oberligist keine Berechtigung mehr, ein Nachwuchsleistungszentrum zu führen. Und Großaspach hat vor wenigen Jahren noch eine beständige Rolle in der 3. Liga gespielt und steckt jetzt zum zweiten Mal hinten in der Regionalliga fest. Was Großaspach und Frankfurt personell gemacht haben, das haben wir natürlich vernommen und registriert. Aber wir sollten und wollen bei uns bleiben und nicht so viel nach rechts und links schauen.

Am Samstag geht es zum Auftakt gegen den Tabellensiebten Bahlingen. Bei drei Niederlagen in vier Spielen, auch wenn diese teils unglücklich zustande kamen, nicht gerade ein »Lieblingsgegner«, oder?

Von den Ergebnissen sicher nicht, wobei die Spiele vom Verlauf her auch anders hätten ausgehen können. Bahlingen ist wieder auf dem Weg dahin, ein Überraschungsteam zu sein. Der Stamm spielt schon länger zusammen, die Mannschaft wird punktuell verstärkt. In der vergangenen Saison war das teils sehr wild, was sie gespielt haben. Inzwischen machen sie zwar weniger Tore, kassieren aber auch nicht mehr so viele. Von daher geht da auch eine Entwicklung vonstatten. Sie holen aus ihren Mitteln das Maximum heraus. Aber wir haben ein Heimspiel und wollen natürlich gut aus der Winterpause starten.

Die letzte Frage muss leider der Pandemie gelten: Glauben Sie, dass Corona in puncto Spielerausfälle noch eine entscheidende Rolle einnehmen könnte?

Wir müssen das im Hinterkopf haben. Bei uns steht ein Spieler kurz vor dem zweiten Pieks. Dann sind alle doppelt geimpft, einige sind auch schon geboostert. Ich hoffe, wir werden wenig mit dem Thema zu tun haben.

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