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»Wir sind unseren Weg gegangen«

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Von: Rolf Birkhölzer

Fernwald. Der FSV Fernwald geht nach zuletzt zwei Auswärtssiegen in Hadamar (4:0) und beim Rangdritten Türk Gücü Friedberg (2:1) als Tabellenvierter der Fußball-Hessenliga in die Winterpause.

Zu Buche stehen nach 23 Spieltagen mit zwölf Dreiern, fünf Unentschieden und nur sechs Niederlagen 41 Punkte. Zehn weniger als Tabellenführer Eintracht Frankfurt II und nur sieben Zähler hinter dem derzeit Zweiten und Regionalliga-Absteiger FC Gießen, der zudem drei Treffer weniger erzielt hat. Die letzte Niederlage der Fernwalder datiert vom 30. Oktober beim 0:2 in Eddersheim.

Wer hätte das vor der Saison in der heimischen Kickerszene gedacht? Etwa FSV-Trainer Daniyel Bulut?

Selbstverständlich nicht. Nach unserem schlechten Start haben uns schon einige im Abstiegskampf gesehen. Aber wir haben weiter gearbeitet und uns nicht beirren und aus der Ruhe bringen lassen. Jede Mannschaft in der Hessenliga hat gespürt, dass die Liga total ausgeglichen ist. Du kannst einige Spiele verlieren, obwohl du nicht schlecht spielst, aber auch eine Serie starten und mehrere Partien gewinnen. Wir haben jetzt 41 Punkte, das ist super. Zufrieden wären wir mit ca. 30 Zählern zum jetzigen Zeitpunkt gewesen, denn etwa 50, schätze ich, müssten zum Klassenerhalt reichen.

Der FSV stand nach vier Spielen mit drei Punkten auf Platz 16, nach neun Partien mit elf Zählern auf Rang zehn und nach 19 Spieltagen war das Team Achter und hattet 31 Punkte auf dem Konto. Jetzt nach vier Spieltagen der Rückrunde steht der FSV auf Rang vier - wie kam diese erfolgreiche Entwicklung?

Zu Beginn haben unsere Säulen im Team noch nicht gestanden. Dann spielst du zum Auftakt gegen den TSV Steinbach, jeder denkt, die musst du schlagen, und dann verlierst du 0:3. Im nächsten Spiel standen wir arg unter Druck und verlieren beim FC Gießen in der 96. Minute durch einen unglücklich entstandenen Elfmeter 2:3 - das war ein brutaler Nackenschlag. Dann läufst du der Musik hinterher. Wir waren letztendlich erfolgreich, weil das Trainerteam an die Mannschaft geglaubt hat. Die guten jungen Spieler und die erfahrenen mussten sich erst zusammenfinden. Das ist mit der Zeit gelungen, aber wir hatten auch Glück, das wir uns allerdings erarbeitet haben. Wir sind unseren Weg gegangen, die erfahrenen Spieler wie Solak, Goncalves und Hofmann haben die jüngeren gut geführt. Wichtig war, weiter zu arbeiten und die Jungs zu überzeugen, dass sie gut sind. Aber entscheidend ist die Arbeit auf dem Platz, dass alle Gas geben. Aber Platz vier ist nur eine schöne Momentaufnahme.

Könnt ihr nach oben Richtung der Plätze eins bis drei noch angreifen?

Theoretisch geht das natürlich. Wir haben intern ein Ziel, das allerdings nicht verraten wird, da fehlen noch ein paar Punkte. Aber einige Teams wie z.B. Walldorf oder Baunatal, die noch hinter uns stehen, wollen auch weiter nach oben. Das wird noch eine spannende Runde.

Was war ein Highlight für Sie in der bisherigen Runde?

Als wir als Tabellenneunter gegen den damaligen Spitzenreiter Türk Gücü Friedberg 4:0 gewonnen haben.

Und was war das größte Negativ-Erlebnis bisher?

Mir richtig wehgetan hat die schwere Verletzung von Kevin Göbel, die er sich im Vorbereitungsspiel gegen die SF/BG Marburg zugezogen hat. Da habe ich einige Tage gebraucht, um das zu verarbeiten. Kevin hat sich sämtliche Bänder und den Meniskus am Knie gerissen und ist jüngst noch mal operiert worden. Er fehlt uns als Typ. Bitter war, als wir in Gießen in der 96. Minute noch dieses Elfmetertor hinnehmen mussten. Aber von den Leistungen meiner Spieler war ich auch bei den Niederlagen nie enttäuscht, weil ich weiß, dass sie gegeben haben, was sie in diesem Moment geben konnten. Deshalb sind wir auch nie abgeschossen worden.

Gab es eine personelle Überraschung?

Nein, alle haben sich gut entwickelt und gegeben, was möglich war. Alle haben verstanden, dass Fußball gelebt werden muss. Dass es keine Einzel- sondern eine Teamproduktion sein muss. Ich kann keinen herausnehmen, alle haben als Team gut gearbeitet.

Wie sind Sie mit den neu verpflichteten Spielern zufrieden?

Tom Woiwod ist noch ein junger Spieler und hat uns geholfen, und er hat noch Luft nach oben. Er hatte es nicht einfach, er hat als Profi in Erfurt nicht gearbeitet, wurde hier mit 21 Jahren Vater und musste sich um Beruf und Familie kümmern. Er hat die Umstellung gemerkt und hat noch Potenzial. Elmir Muhic ist Stabilisator in der Abwehr, unheimlich kopfballstark und hat ein gutes Aufbauspiel aus der Tiefe.

David Siebert war leider ca. zehn Wochen mit einer Schambeinentzündung außer Gefecht. Er hat eine gute Technik und ein enormes Tempo im Offensivspiel. Sascha Fünfsinn ist unser zweiter Torwart, hält aber das Niveau und die Spannung im Training hoch. Er ist wichtig für die Mannschaft auf und neben dem Platz. Niklas Mohr war leider drei Monate wegen eines Muskelfaserrisses verletzt. Man hat in Ansätzen gesehen, dass er eine unheimlich große Qualität besitzt, und ich hoffe, dass er sie in der Rückrunde bringen kann. Jonas Schwabe kam nach längerer Ausfallzeit aus der Jugend von Mainz 05 zu uns und musste sich akklimatisieren. Er wird nach der Vorbereitung auf die Restrunde zur Mannschaft stoßen.

Und wie sieht es mit dem Zuschauer-Zuspruch aus? Der ist ja nicht nur in der Hessenliga zuletzt auch wegen Corona stark verbesserungsfähig. Dazu nimmt der Sportliche Leiter des FSV, Marko Semlitsch, Stellung: Wir sind nicht unzufrieden, es sind etwas mehr Zuschauer zuletzt geworden. Wir hatten im Schnitt etwa so um die 180, aber davon kann man nicht einmal die Kosten des Schiedsrichtergespanns bezahlen.

Dass der gesamte Etat der Hessenligisten nicht von den Zuschauer-Einnahmen sondern von Sponsorengeldern abgedeckt wird, ist nicht nur in Hessens oberster Amateurliga üblich. Der vierte Tabellenplatz ist für Semlitsch »nicht überraschend, denn wir haben ja mit Pierre Kleinheider, Elmir Muhic, David Siebert, Erdinc Solak, Louis Goncalves, Brian Mukasa, Johannes Hofmann und Niclas Mohr etliche Spieler mit Regionalliga-Erfahrung verpflichtet.

Nach der Winterpause geht es Mitte Januar mit der Vorbereitung für die Restrunde wieder los. Vom 6. bis 8. Januar ist der FSV Fernwald beim gutbesetzten Hallenturnier in Dutenhofen im Einsatz.

mit Daniyel Bulut

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