1. Startseite
  2. Sport
  3. Lokalsport

»Würde eine gewisse Würze geben«

Erstellt: Aktualisiert:

gispor_2502_bayern_25022_4c
Och, nicht schon wieder: Bayern München jubelt über die Meisterschale. Geht das auch mal anders? Helfen da Playoffs? Die Verantwortlichen diskutieren alternative Modelle. Und wir diskutieren einfach mal mit. © dpa

Gießen (rd/cnf). Oliver Kahn, ehedem brodelnder Titan im Tor des FC Bayern München wie der deutschen Nationalmannschaft, kann der Idee etwas abgewinnen. Der mittlerweile zum Vorstandsvorsitzenden des Rekordmeisters mutierte 52-Jährige äußerte sich im »Kicker« dezidiert aufgeschlossen für neue Spielformen, die das Fußball-Kerngeschäft in Deutschlands Oberhaus wieder attraktiver, weil spannender machen könnten.

Das mag angesichts der Tatsache, dass es in diesem Fall auch darum geht, die bayerische Titel-Selbstverständlichkeit vielleicht ein wenig einzuschränken, überraschen. Aber Kahn zeigt sich für Gedankenspiele offen, möglicherweise einen Playoff-Modus einzuführen. Im Basketball oder auch Eishockey sind Playoffs schon lange Normalität und Realität. Und dann kann es schon einmal passieren, dass der Dominator der Liga im direkten Vergleich mit dem beispielsweise Viertplatzierten bei Best-of-seven oder Best-of-five sich nicht durchzusetzen vermag.

Der Fanvertreter Thomas Kessen, Sprecher von »Unsere Kurve«, sagte im Gegensatz dazu im »Doppelpass« bei Sport1: »Es braucht keinen veränderten Modus, die Bundesliga ist, so wie sie ist, gut und funktioniert seit 60 Jahren.« Aus Sicht des Fan-Vertreters wäre es besser, »die TV-Gelder gerechter zu verteilen, denn Geld schießt am Ende doch Tore.«

Was aber halten heimische Trainer von dem Modell der Play-offs? Auch und gerade jene, die in ihrer Sportart zum Teil seit Jahren damit ihre eigenen (sportlichen) Erfahrungen machen? So sagt zum Beispiel Daniel Dörr , Cheftrainer des Basketball-Regionalligisten Gießen Pointers: »In der Fußball-Champions League gibt es ja streng genommen schon Playoffs. Bei der Bundesliga bin ich einerseits dafür, andererseits dagegen. Dagegen bin ich, weil der Modus schon immer so war, wie er jetzt ist. Hingegen könnte man sagen, dass es dann nicht mehr so einseitig wäre. Bayern München wird momentan immer Meister, aber wenn du in den Playoffs ein, zwei gute Tage hast, dann kannst du die auch mal schlagen. Ich könnte mir das im Fußball vorstellen.« Dörr ergänzt: »Im Basketball haben wir schon immer Playoffs. Das gehört auch dazu - und das soll auch so bleiben.«

Ivica Piljanovic (Co-Trainer der Gießen 46ers Rackelos) sieht das ganz ähnlich: »Vorstellen könnte ich mir das schon in der Fußball-Bundesliga, das würde dem Ganzen eine gewisse Würze geben. Aber man muss halt sehen: Man spielt am Ende 34 Spiele in der Saison, hat es dann auch verdient, wenn man oben steht - auf der anderen Seite müsstest du das in den Playoffs aber bestätigen. Da bin ich etwas gespalten. Aber es könnte für die Zuschauer spannend sein, in den Playoffs Best-of-three- oder Best-of-five-Serien zu sehen. Da kann sich dann auch immer mal der Underdog durchsetzen.« Piljanovic weist aber darauf hin, dass man für eine genaue Bewertung eines möglichen Playoff-Modus schauen müsste, wie sich die Rahmenbedingungen gestalten, zum Beispiel, was die Länge der Hauptrunde betrifft. Zudem sieht der Basketball-Coach für den Fußball auch Gefahren, wenn sich beispielsweise acht Teams für die Playoffs qualifizieren und ein Team an der Tabellenspitze die Qualifikation schon sicher hat: »Dann kann es natürlich sein, dass ein Team plötzlich nicht mehr alles gibt, wenn es nicht mehr nötig ist.« Mit Blick auf seine Sportart erklärt der Gießener Übungsleiter: »Beim Basketball kann ich es mir eigentlich nicht vorstellen, dass man die Playoffs abschafft. Seitdem ich denken kann, gibt es sie.«

Stefan Eder , Trainer der Volleyball-Oberliga-Herren des USC Gießen hat eine klare Meinung zu den Gedankenspielen: »Ich persönlich bin ein Fan des klassischen Ligasystems. Hier wird über einen längeren Zeitraum die Leistung nachgewiesen und daraus ermittelt sich die Endplatzierung. Leistungsmäßige Ausreißer verändern nicht unabdingbar die Gesamtleistung. Dieses System spiegelt sehr gut den Vergleich der Teams wider.« Und ergänzt, dass auch die Playoffs kein Garant für mehr Spannung sind: »Man kann sich darüber streiten, ob nach Hin- und Rückrunde ein Achtplatzierter nochmal gegen den Spitzenreiter spielen muss. In der Regel wird das Spiel erwartungsgemäß ausgehen und man hätte es sich sparen können. Gewinnt überraschend der Underdog, stellt das die Leistung einer ganzen Saison auf den Kopf. Playoffs haben für mich eher dann einen Stellenwert, wo es um Vermarktung von Sport geht. Hier werden dann künstlich weitere Entscheidungsspiele kreiert. Sportlich meist unnötig, aber oft unterhaltsam. Außer in den Topligen der jeweiligen Sportarten steht der Mehraufwand für die zusätzlichen Spieltage in keinem Verhältnis zu der dadurch eventuell gewonnenen sportlichen Erkenntnis. Da im Amateurbereich Vermarktung keine oder nur eine untergeordnete Rolle spielt, halte ich dort Playoffs für verzichtbar.«

Daniyel Cimen ist sozusagen vom Fach. Der Trainer des Fußball-Regionalligisten FC Gießen hat selbst Bundesliga gespielt, kennt die Dominanz der Bayern, ist andererseits als Fußballer mit alternativen Modellen vorsichtig. Trotzdem sagt der 37-Jährige: »Ich finde es prinzipiell interessant, wenn mehr Spannung reinkommt, allerdings bin ich da auch konservativ eingestellt. Und da muss ich klar sagen, dass derjenige, der nach 34 Spieltagen die meisten Punkte hat, eben auch den Titel verdient. Da noch ein Entscheidungsspiel drauf zu satteln, das dann möglicherweise durch Verletzungspech oder besondere Umstände geprägt ist, ist auch nicht die beste Lösung für den Sport. Vielleicht wäre eine Form des Salary Cap, also finanzieller Deckelung, eine Lösung, aber grundsätzlich halte ich die aktuelle Form, in der die Bundesliga gespielt wird, schon für die beste.«

Auch interessant