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Zebras gehen auf Meisterjagd

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Düsseldorf (dpa). Pokalsieger THW Kiel gegen Meister SC Magdeburg - der prestigeträchtige Supercup bildet die Ouvertüre zum erwarteten Titelduell der beiden Topclubs in der Handball-Bundesliga. Mit einem Sieg heute (19 Uhr/Sky) in Düsseldorf will der Rekordmeister aus Kiel die Jagd auf den aktuellen Champion einläuten. »In Düsseldorf beginnt der zehnmonatige Showdown, die Karten sind neu gemischt.

Man muss auf eine Welle kommen, um erfolgreich zu sein. Mit einer guten Leistung können wir damit beginnen«, sagte THW-Trainer Filip Jicha vor dem Duell um den ersten Saison-Titel.

Doch auch Magdeburg ist heiß auf einen Sieg. »Für uns hat es eine hohe Wertigkeit. Allgemein wird der Supercup in anderen Sportarten ja manchmal etwas stiefmütterlich behandelt. Das sehe ich aber anders: Für uns ist das ein Titel! Und deshalb wollen wir auch gleich erfolgreich sein«, sagte SCM-Trainer Bennet Wiegert über das Duell mit den »Zebras«.

Unmittelbar vor dem Bundesliga-Auftakt wird das Kräftemessen für beide Teams zur ersten Standortbestimmung und einen Vorgeschmack auf den Titelkampf geben. Als heißester Anwärter auf die Meisterschaft wird der THW gehandelt, obwohl die Kieler noch einige Monate auf die verletzten Stars Hendrik Pekeler und Sander Sagosen verzichten müssen.

Gleich acht Trainer oder Funktionäre legten sich in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter den 18 Erstligisten auf den deutschen Rekordmeister fest. »Alle Voraussetzungen sprechen natürlich immer für den THW. Die Kieler haben den besten Kader, das beste Budget, die meisten Zuschauer«, sagte Stefan Kretzschmar, Sportvorstand der Füchse Berlin. »Sie sind das Maß aller Dinge und können als einziger aus Überzeugung Ambitionen anmelden.« Selbst Wiegert sieht den Rivalen in der Favoritenrolle, »weil sie die meiste Erfahrung im Kader haben«. Was aber nicht heißt, dass die Magdeburger den Thron kampflos hergeben wollen. Der 40-Jährige sieht sein Team für die Dreifachbelastung aus Bundesliga, Pokal und Champions League gut gerüstet: »Wir haben bestimmt eine kleinere Rotation als andere Mannschaften. Ich hoffe, dass es ein Vorteil sein kann, auf einen eingespielten Kader zurückgreifen zu können.«

Die neue Rolle und Wahrnehmung sei kein Problem. »Ich wollte immer, dass der SC Magdeburg der Gejagte ist. Das ist doch auch eine Auszeichnung für die vergangenen Leistungen«, betonte Wiegert. An eine erfolgreiche Titelverteidigung seines Teams glauben drei Vereinsverantwortliche - und Ex-Bundestrainer Heiner Brand. »Ich sehe das nicht als Eintagsfliege, so schlau wie die Mannschaft zusammengestellt ist. Es wird zwar mehr Druck da sein, aber die Typen im Team passen gut zusammen. Ich würde mein Geld auf Magdeburg setzen«, sagte Brand.

Als weitere Meisterkandidaten wurden die SG Flensburg-Handewitt und die Füchse Berlin genannt. Mehrere Trainer wie Kiels Jicha erwarten einen spannenden Vierkampf zwischen dem Top-Quartett der Vorsaison. Dafür sieht er seine Mannschaft gut gerüstet. »Wenn uns jemand abschreibt, ist das ein Fehler«, sagte Jicha.

Begleitet wird der Titelkampf von neuen Sorgen. Wurden die Vereine zuletzt zwei Jahre lang durch die Corona-Pandemie stark belastet, kommt nun auch noch die Energiekrise dazu. »Man spürt schon die erhöhten Kosten. Wir haben in einigen Bereichen unser Budget korrigieren müssen, besonders das Reisebudget«, berichtete Kiels Geschäftsführer Viktor Szilagyi.

Der HSV Hamburg hat laut Geschäftsführer Sebastian Frecke »einen niedrigen sechsstelligen Betrag für höhere Energiekosten zurückgestellt«. Frecke fürchtet sogar die Schließung von Hallen, was den Spielbetrieb gefährden könnte. »Uns wurde von der Stadt bereits mitgeteilt, dass die großen Arenen im Falle einer Energiekrise zuerst vom Strom genommen werden. Das wäre das Worst-Case-Szenario«, sagte er der Fachzeitschrift »Handballwoche«.

Damit rechnet HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann zum jetzigen Zeitpunkt zwar nicht, doch auch er schwört die Vereine auf einen harten Winter ein: »Die Clubs aller Profisportarten müssen mit erheblich höheren Energiekosten kalkulieren.«

Handball-Profi Kentin Mahé kann sich eine Rückkehr in die deutsche Bundesliga nicht vorstellen. »Wenn ich das umgehen kann, werde ich das umgehen«, sagte der 31-jährige Franzose. Mahé, der aktuell für den ungarischen Topclub Telekom Veszprem spielt, war von 2000 bis 2018 für Bayer Dormagen, den VfL Gummersbach, den HSV Hamburg und die SG Flensburg-Handewitt aktiv. Seine Erklärung: »Ich muss ehrlich sagen, dass die Handball-Bundesliga sehr anstrengend ist.« (dpa)

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