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»Zu großer Hype um Knorr«

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Aufmerksame WM-Beobachterin: Die Leihgesterner Trainerin Jonna Jensen. Foto: Bär © Bär

Gießen (mol). Vorbei ist die Männerhandball-Weltmeisterschaft in Schweden und Polen auch für die deutsche Nationalmannschaft erst am Wochenende, nach der Viertelfinal-Niederlage gegen Olympiasieger Frankreich ist der Traum von Edelmetall allerdings ausgeträumt. Somit stehen nun nur noch die Platzierungsspiele an, in denen sich das Team von Trainer Alfred Gislason zumindest eine günstigere Ausgangsposition für die Olympia-Qualifikation verschaffen könnte.

Wie sie das Turnier des deutschen Teams gesehen hat, was positiv und negativ aufgefallen ist oder was zur Weltspitze noch fehlt, das haben wir bei Jonna Jensen, Trainerin des Frauenhandball-Oberligisten TSG Leihgestern, mal in Erfahrung gebracht.

Ins Viertelfinale hat es die deutsche Mannschaft geschafft, in der Runde der letzten Acht platzte dann der Traum von Halbfinale. Wie fällt Ihr Fazit aus?

Insgesamt bin ich in meiner Bewertung da zwiegespalten. Die Vorrunde war gut. Mit Serbien stand aber unserer Mannschaft letztlich nur ein richtiger Gegner gegenüber, zur Weltklasse zählen die Serben aber natürlich auch nicht. Durch die gute Zahl an Punkten, die Deutschland mitnehmen konnte, war die Ausgangsposition richtig gut, sodass das Viertelfinale dann aus meiner Sicht schon erreicht werden musste. In den ersten beiden Spielen hat die deutsche Mannschaft auch einen guten Eindruck hinterlassen und Spaß gemacht. Man hat aber bereits gegen Norwegen, auch wenn wir ja acht Minuten vor Schluss noch geführt haben, gesehen, dass gegen solche Mannschaften doch noch ein Stückchen fehlt.

Was oder wer hat Ihnen im deutschen Team gut gefallen? Oder was nicht?

Insgesamt hat mir vor allen Dingen der Teamspirit gefallen, der war richtig gut. Wenn wir es geschafft haben, den Ball laufen zu lassen und in die Bewegung, ins Tempo zu kommen, haben wir uns immer klare Chancen erspielen können. Leider haben wir das dann in entscheidenden Phasen vermissen lassen, haben zu statisch gespielt und wollten mit dem Kopf durch die Wand. Was mir nicht so gefallen hat, war der große Hype um Juri Knorr. Ich weiß nicht, ob es förderlich war, ihn da so sehr in die Verantwortung zu nehmen und im Angriff praktisch alle Entscheidungen treffen zu lassen. Denn aus meiner Sicht sind viele andere Rückraumspieler dadurch doch hinter ihn zurückgetreten, haben weniger Verantwortung übernommen und vor allem dann, als es darauf ankam, nicht die Leistung bringen können, die es gebraucht hätte. Da denke ich beispielsweise an Philipp Weber oder auch an Kai Häfner. Zudem bin ich auch der Meinung, dass Gislason Knorr auch mal ganz klar vor Augen führen sollte, dass auch die Rückwärtsbewegung, vor allen Dingen bei der Schnelligkeit des heutigen Handballs, dazugehört.

Was fehlt der deutschen Mannschaft aus Ihrer Sicht zur absoluten Weltspitze?

Der Teamgeist und die richtige Einstellung sind derzeit elementar für die deutsche Mannschaft. Wären wir im Viertelfinale vielleicht auf Ungarn oder Ägypten getroffen, dann wäre ein Halbfinale sicherlich möglich gewesen. Gegen Teams wie Frankreich kann es aber nur reichen, wenn praktisch alle Spieler - mal in Schulnoten gesprochen - im Einser oder Zweier-Bereich unterwegs sind. Aber das haben zu wenige geschafft in diesem Spiel.

Die Leistung Johannes Gollas hat mir gefallen, auch Andi Wolff hat gut gehalten, aber das reicht letztlich nicht. Man hat bei den Franzosen gesehen, dass sie unheimlich viel gewechselt haben, es aber praktisch keinen Qualitätsverlust gab. Da war dann auch viel individuelle Klasse zu sehen. Wenn es gegen solche Weltklasse-Mannschaften reichen soll, muss einfach alles passen. Ich glaube schon, dass wir da eine gute Mischung beisammenhaben aus erfahreneren und jungen, hungrigen Spielern, aber denen muss man auch ein wenig Zeit geben.

mit Jonna Jensen

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