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Oliver Dönges - noch macht er Notizen für Kinzenbach. Im Sommer trennen sich die Wege.

Zufrieden - oder nicht?

Kinzenbach. »Wenn wir verletzungsfrei bleiben, traue ich uns Platz acht bis elf zu.« Gemessen an der Prophezeiung von Trainer Oliver Dönges vor der Saison der Fußball-Verbandsliga Mitte liegt seine SG Kinzenbach nach Ende der Vorrunde voll im Soll. 22 Punkte und Rang acht nach 17 Spieltagen scheint eine grundsolide Ausbeute und eine beruhigende Zwischenbilanz zu sein.

Aber das relativiert sich, wenn der Abstand zu den fünf Abstiegsrängen gerade mal vier Zähler beträgt. Aber der aktuelle achte Rang bleibt zumindest bis zur Rückrunde bestehen, denn die Nachholpartie des RSV Weyer, der die Kinzenbacher mit einem Dreier hätte überholen können, fällt wegen der widrigen Wetter- und Platzbedingungen in Niedernhausen vorerst aus.

»Wir hatten gute und weniger gute Leistungen in der Vorrunde«, blickt Dönges, der vergangenen Freitag seinen 47. Geburtstag feierte, zum Beispiel gerne an das 5:1 gegen den FC Ederbergland am zweiten Spieltag und die Leistung gegen TuBa Pohlheim trotz der 0:1-Niederlage zurück - nachdem der Start mit der 1:4-Niederlage bei den SF/BG Marburg gründlich in die Hose gegangen war.

Überhaupt erlebten die SGK-Fans eine torreiche Anfangsphase, denn am 3. Spieltag folgte ein 3:5 in Bauerbach und danach ein 4:4 gegen den FV Breidenbach. Ungern erinnert sich der SG-Coach (»Das hätte nicht passieren dürfen«) an das 3:3 in Schwanheim, als eine 3:1-Führung verloren ging, an das 0:3 in Niedernhausen und das Tor zum 1:1 in der 98. Minute beim RSV Weyer. Grund für die wechselnden Hochs und Tiefs sieht Dönges auch in der Personalsituation: »Wir konnten nur wenige Partien mit den gleichen Spielern bestreiten.« So fiel Timo Schmidt (»Ein wichtiger Spieler«) früh und bis heute mit Jochbeinbruch aus, fehlte Torjäger Henrik Keller, der nach seiner Rückkehr beim 4:2 gegen den FC Gießen II gleich wieder mit den Treffern zehn und elf seine herausragenden Qualitäten bewies, mehrere Wochen ebenso wie Yannik Mohr.

Vorerst ist jetzt Spiel- und Trainingspause an der Krofdorfer Straße, bevor am 24. Januar im Heuchelheimer Ortsteil die Vorbereitung für den Rückrundenstart am 6. März beginnt. »Dann müssen wir mehr Punkte als in der Hinrunde machen«, gibt Dönges als Vorgabe aus. Dann starten die Kinzenbacher ohne die Spieler Daniel Horn, den es studienhalber nach Stuttgart zieht, und Ricardo Hoßbach, der ebenfalls wegen seines Studiums nicht mehr zur Verfügung steht. Aber in Personalnot kommt die SGK dadurch nicht, denn laut Dönges »ist der Kader auch so groß genug«. Daneben kommt mit Sascha Timmann ein Neuzugang aus Hamburg dazu. Der Offensivspieler trainiert seit Oktober in Kinzenbach mit und ist ab 1. Januar für die SG spielberechtigt.

Zum Rückrundenstart dabei ist auch noch Dönges, der dann zum Saisonende im Sommer seinen Hut in Kinzenbach nehmen muss. Das teilte der Verein in Person von Felix Henkelmann (Sportlicher Leiter) nach der letzten Vorrundenpartie gegen den FC Gießen II (4:2) mit. Der ehemalige Stürmer war dann seit Oktober 2017 fünf Jahre bei der SG als Coach und erreichte mit dem fünften Verbandsliga-Rang in der Saison 2018/19 die bisher beste Platzierung in der Vereinsgeschichte. Fehlender Erfolg ist auch nicht der Grund für die Trennung von Dönges. »Wir wollen nach fünf erfolgreichen Jahren neue Impulse für die Mannschaft setzen«, begründet Henkelmann die Entscheidung des Vereins.

Außerdem sollen Kosten im Trainerstab eingespart werden. »Deshalb suchen wir einen Spielertrainer, zumal wir mit Ingo Flechtner einen erfahrenen Coach an der Seite haben«, erläutert Henkelmann (»Ein einstelliger Tabellenplatz war unser Ziel«), der auch mit der bisherigen Zwischenbilanz der Mannschaft ebenso zufrieden ist, wie mit »der nur geringfügig zurückgegangenen Zuschauerzahl« in der Pandemie-Phase. Henkelmann will nun in der Pause »in aller Ruhe auf die Suche nach einem geeigneten Spielertrainer gehen, damit der neue Mann feststeht, wenn im Januar die Gespräche mit den Spielern für die kommende Saison anstehen.«

Und wie geht Dönges mit der Situation und der angekündigten Trennung um? »Ich war zunächst überrascht und enttäuscht, aber ich bin ehrgeizig genug, um mit der Mannschaft zum Abschied noch eine Top-Rückrunde zu spielen«, demonstriert Dönges eine professionelle Einstellung. Dennoch sei er über die Aussage von Henkelmann irritiert, dass die Hälfte der Spieler gegen ihn eingestellt sei. »Das ist Kokolores, nach meinen Gesprächen mit den Spielern stimmt das nicht. Aber es ist natürlich klar, dass Spieler mal unzufrieden sind, wenn sie nicht spielen«, beschreibt Dönges sein Verhältnis zu den Spielern.

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