1. Startseite
  2. Sport
  3. Lokalsport

Zukunft muss mehr Professionalität bringen

Erstellt: Aktualisiert:

Grünberg . Als Heinz Zielinski bei der Begrüßung von einer »irrationalen Entscheidung« sprach, da hatte er den Krieg in der Ukraine im Blick. Aber bestimmt nicht die Veranstaltung in der Sportschule Grünberg. Denn dort trafen sich Vertreter der sechs mittelhessischen Sportkreise, um sich mit dem »Nachwuchsleistungssport in Mittelhessen - Olympisch und Paralympisch« auseinanderzusetzen.

Wie der Vorsitzende des Sportkreises Gießen erläuterte, war dies die Fortsetzung einer Auftaktveranstaltung vom Juni 2020, als eine Bestandsaufnahme der Situation der sechs Sportkreise erfolgt sei, denen neben Gießen noch Vogelsberg, Wetterau, Marburg-Biedenkopf, Lahn-Dill und Limburg-Weilburg angehören.

Diesmal waren Vertreter aus hessischen Sportfachverbänden geladen, um »uns als Sportkreise ein Stück weit schlauer zu machen«, wie es Ralf Koch vom Sportkreis Lahn-Dill formulierte.

Fünf Verbände aus dem olympischen Bereich nutzten die Gelegenheit. Der paralympische Sektor soll in einer weiteren Veranstaltung angegangen werden. Die Fachverbandsvertreter zeichneten ein heterogenes Bild der mittelhessischen Sportlandschaft im Blick auf den Nachwuchsleistungssport.

Fünf Fachverbände informieren

So geht es beispielsweise im Turnen schon ganz früh mit der Differenzierung los. Mit neun Jahren werde schon für die Nationalmannschaften gesichtet, führte Thorsten Minninger als Geschäftsführer des Hessischen Turnverbandes (HTV) aus. Sein Verband sei bereits im Vorschulalter aktiv. Dagegen fangen die Ruderer überhaupt erst im Alter von zehn bis zwölf Jahren an, Nachwuchskräfte für den Leistungssport zu rekrutieren, wie Sven Keßler, der Stellvertretende Vorsitzende Sport im Hessischen Ruderverband (HRV) berichtete. Während er bemängelte, dass es im Rudern derzeit an Vereinen mangele, die überhaupt »Leistungssport betreiben wollen« und seine Sportart als trainings-, zeit- und kostenintensiv beschrieb, stellt sich die Situation für Minninger ähnlich, aber doch auch anders dar. Ein hoher Kostenaufwand sei im Turnen ebenfalls vorhanden und ergänzte: »Leistungssport geht nur in dafür konzipierten Zentren.« Deshalb benötigten die aktiven Vereine eine starke finanzielle Unterstützung.

Martin Rumpf vom Hessischen Leichtathletikverband (HLV) richtete seinen Blick vor allem auf die Schulen mit Bundesjugendspielen und »Jugend trainiert für Olympia«-Veranstaltungen. »Das ist ein kostenloses Sichtungssystem für uns. Da müssen wir mehr hingehen«, forderte er für seine Disziplinen. Auf seine Anregungen hin wollen die Sportkreise die Organisation von Kreisfinal-Wettbewerben der Bundesjugendspiele angehen.

Bei den Mannschaftssportarten wies Michael Rüspeler vom Hessischen Basketball-Verband (HBV) darauf hin, dass es in Mittelhessen im weiblichen Bereich gute Strukturen gebe. Im männlichen Bereich müsse »mehr Zusammenarbeit unter den Vereinen« angestrebt werden. »Baustellen« sind für ihn fehlende Hallen und zurückgehendes Ehrenamt. »Das wird in mittlerer Zukunft in allen Sportarten Probleme bereiten«, prognostizierte der Butzbacher und forderte hier mehr Hauptamtlichkeit.

Zu wenige Talente kommen oben an

Günter Stiebig aus dem Sportkreis Vogelsberg wies beim Fußball darauf hin, dass seine Sportart einen »hohen Organisationsgrad« habe und ein System, das Talente gut nach oben bringe. »Aber nur ganz wenige kommen oben an. Das ist für mich bedenklich«, sagte der Alsfelder DFB-Stützpunkttrainer. Zudem werde die Basis in den Vereinen immer schmäler. Gießens Kreisfußballwart Henry Mohr ergänzte, dass es in Mittelhessen nur einige Vereine gebe, die Leistungsfußball betreiben.

Thomas Neu vom Landessportbund Hessen sah in den Referaten und der Diskussion drei Ansätze für mehr Professionalität: Zum einen müsse diese verstärkt auch in den Vereinen Einzug halten; zweitens gehe eine notwendige Trainingsintensität nur noch in Zentren, hier müssten die Vereine gestärkt werden. Und schließlich müsse auch in den Schulen mehr Professionalität einkehren. »Wir nutzen das System der Lehrer-Trainer nicht so, wie es möglich wäre«, sagte der Geschäftsbereichsleiter Leistungssports des hessischen Dachverbands. Wie schon eingangs erwähnt, irrationale Entscheidungen werden anderswo gefällt.

Auch interessant