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Zwei Große und ein Fujimoto

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Von: Albert Mehl

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Da kann sich Karlis Podnieks noch so strecken, Reo Fujimoto ist ihm auch diesmal überlegen. Foto: Röczey © Röczey

Wetzlar. Wenn selbst ein »Alter Schwede« in Hochform den RSV Lahn-Dill nicht bremsen kann, dann muss das Team des Rollstuhlbasketball-Bundesligisten von der Lahn schon über besondere Qualitäten verfügen. Und so setzten die mittelhessischen Rollis eine besondere Duftmarke der laufenden Saison 2022/23, als sie am Samstagabend das Spitzenspiel beim Erzrivalen Thuringia Bulls mit 70:

66 für sich entschieden. Damit verteidigten die Schützlinge von Trainerin Janet Zeltinger ihre blütenweiße Weste an der Tabellenspitze der Eliteliga. Doch da der Spielbetrieb in eine Playoff-Runde mündet, ist die Bedeutung des Kraftakts der Böhme, Fujimoto und Co. doch etwas relativiert. Jedenfalls stehen die Chancen gut, dass die Mittelhessen von der Poleposition aus in die Endrunde starten.

»In diesem Spiel sieht man, wo man steht und woran man noch arbeiten muss«, hatte RSV-Kapitän Thomas Böhme vorab die Bedeutung der Begegnung herausgestellt. Nicht nur Cheftrainerin Zeltinger hat da viel Positives gesehen beim amtierenden Deutschen Meister. Denn durchweg erfreuten sich die Gäste in Elxleben einer Führung. Ab dem 9:4-Vorsprung durch Matthias Güntner in der siebten Minute auch lange mit einem deutlichen Vorsprung. »Ich habe mich auf das Spiel riesig gefreut«, sagte Neuzugang Güntner im Rückblick, denn für ihn war es das erste große Duell dieser Güte in seiner Karriere. »Das Spiel hat auch viel Spaß gemacht.«

Vor allem in der Defensive überzeugten die Lahn-Diller und ließen die sonst so offensivstarken und treffsicheren Thüringer kaum zur Entfaltung kommen. »Es hat uns viel geholfen, wenn wir zwei Große auf dem Spielfeld hatten«, sah sich Janet Zeltinger in ihrer Abwehrtaktik gegen die bekannt starken Center Valid Gholomazad und Aliaksandr Halouski (zusammen 36 Punkte in diesem Spiel) bestätigt. »Das sind zwei Weltklassespieler. Da muss man alles geben«, stimmte mit Matthias Güntner einer dieser »Großen« zu. »Wir haben sehr gut verteidigt.«

Und so war es der erwähnte »Alte Schwede«, der Mitte des Spiels die Thuringia-Farben im Spiel hielt. Joakim Linden, inzwischen 34 Jahre alt und schon zweimal zu den Bulls zurückgekehrt, zuletzt im April 2021, schien das Spiel alleine drehen zu wollen. Der routinierte Schwede aus Norrköping hielt die Gastgeber mit seinen 16 Punkten weiter im Spiel. Ansonsten wäre der RSV hier bereits entscheidend davongezogen. »Wir haben dann im dritten Viertel unsere Defense etwas umgestellt«, nahm Zeltinger auch dem Spieler mit der Trikotnummer 15 den Wind aus den Segeln.

Durch Lindens starke Leistung war die Mannschaft um Trainer Michael Engel aber in ihren Rhythmus gekommen. Ab dem 53:50 (32.) schienen die Bulls Oberwasser zu haben. Es spricht allerdings für den RSV Lahn-Dill, dass er in den letzten zwei Minuten nach dem 63:63 durch Ghazain Chouzdhry den Sieg noch einfuhr. Woran Reo Fujimoto großen Anteil hatte. Der 39-jährige japanische Routinier traf ausnahmslos von jenseits der 6,75 Meter-Linie und steuerte fünf Dreier (!) zum Auswärtserfolg bei. »Das war ein tolles Spiel von Reo«, zollte ihm auch seine Cheftrainerin ein großes Lob. Zumal nach einem intensiven Kontakt mit Jens Eike Albrecht und einem schmerzhaften Fall in der 35. Minute sein weiteres Mitwirken unsicher schien. Fujimoto spielte aber weiter und freute sich mit dem restlichen Team über den 70:66-Auswärtssieg.

Was auch gleichzeitig ein gelungener Jahresabschluss für den Titelverteidiger war. Bevor es am 8. Januar (um 16 Uhr) mit einem Heimspiel gegen die Frankfurter Skywheelers weiter geht, genießt die Mannschaft erst einmal ein paar freie Tage, wird über Weihnachten und Neujahr mit individuellen Aufgaben eingedeckt (wenn nicht Nationalmannschaftsaufgaben warten) und trifft sich ab Anfang Januar wieder zum Teamtraining. Das in dem beruhigenden Wissen, dass auch ein »Alter Schwede« sie nicht aus dem Rhythmus bringen kann.

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