Alte Traditionen und neue Gewinner

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LINDEN - (lew). Mit zwei würdigen Siegern, die sich schadlos hielten und alle ihrer jeweils drei Partien gewannen, ist der Linden-Cup zu Ende gegangen. Es war zwar schon die 30. Auflage des traditionsreichen Handball-Vorbereitungsturniers in der Lindener Stadthalle, aber dennoch eine ganz besondere. Denn obwohl die Wochenveranstaltung auch in diesem Jahr unter Corona-Bedingungen stattfinden musste, schaffte es das emsige Organisationsteam der HSG Linden um "Mr.

Linden-Cup" Ulrich Lepper - anders als noch 2020 - den mittlerweile bewährten Modus mit einer Bundesliga- und einer regionalen Gruppe zur Austragung kommen zu lassen. Und so büßte man zwar etwas von dem gewohnten atmosphärischen Charme und der außergewöhnlichen Nähe zwischen Publikum und den spielenden "Stars" auf dem Parkett ein, durfte sich aber wieder über viele Begegnungen auf hohem sportlichen Niveau freuen.

Unter anderem auch auf das Prestige-Duell zwischen den beiden heimischen Branchenführern HSG Wetzlar und TV Hüttenberg und das Erstlliga-Hessenderby zwischen den Grün-Weißen und der MT Melsungen. Beide Spiele entschieden die Domstädter - genauso wie auch das andere reine Bundesliga-Aufeinandertreffen gegen den Bergischen HC - für sich und bescherten damit ihrem neuen Trainer Ben Matschke ein tolles Linden-Cup-Debüt. In der anderen, aus den drei mittelhessischen Oberligisten sowie dem in der Landesliga aktiven Gastgeberverein bestehenden Gruppe setzte sich erwartungsgemäß die HSG Pohlheim um die Lex-Brüder und den ehemaligen Hüttenberger Kreisläufer Moritz Lambrecht durch. Denn die Holzheimer gewannen auch das Entscheidungspiel zwischen den beiden bis dahin noch ungeschlagenen Oberliga-Rivalen gegen die HSG Kleenheim-Langgöns.

Der siegreiche Novize

Während "Uli" Lepper nach dem feststehenden Turniersieg zu Protokoll gab, dass "es vom Sportlichen her zu erwarten war, dass die HSG das gewinnt", zeigte sich deren Coach regelrecht baff über diesen Erfolg. "Das war alles andere als selbstverständlich, was die Mannschaft hier für einen Auftritt abgeliefert hat. Vor allem wenn man bedenkt, dass wir immer noch auf der Suche nach der besten Lösung für unser Deckungszentrum sind", erklärte Ben Matsche, der aber bis Saisonstart nicht nur diese Baustelle zu beackern hat.

"Wir haben ja quasi ein komplett erneuertes Spielsystem. Dass wir das nach rund vier Wochen Vorbereitung und eigentlich erst zwei Wochen Handball schon so auf top Niveau verinnerlicht haben, freut mich wirklich sehr", sagte der Linden-Cup-Debütant, der sich auch vom Turnier an sich sehr angetan zeigte. "Ich habe zwar vorher schon davon gehört, war aber noch nie hier. Ich habe hier eine wahnsinnige Herzlichkeit erfahren, und trotz der geltenden Abstandsregeln war das Turnier sehr gut organisiert", hätten die Organisatoren jederzeit ihre Hilfe angeboten. "Hoffentlich bleibt das Turnier auch weiterhin bestehen", sei es für die Grün-Weißen eine tolle Sache und "wichtig" gewesen, direkt vor der Haustür und noch dazu gegen attraktive Gegner mit je einem Spiel an drei Tagen hintereinander die Form testen zu können. Und weil sich dem Übungsleiter im Anschluss an die eigenen Einsätze an der Seitenlinie am Abschlusstag auch noch die Gelegenheit bot, das Duell der Liga-Konkurrenten aus Melsungen und dem Bergischen zu beobachten, blieb Matschke dann auch - im Gegensatz zu seinen Spielern - bis zum Schluss in der Stadthalle Linden. Was dann zur Folge hatte, dass er bei der Siegerehrung am späten Abend höchstpersönlich den Siegerpokal, das Preisgeld und auch die Auszeichnung für seinen Torhüter Till Klimpke, der zum besten Bundesliga-Keeper gewählt wurde, entgegennehmen durfte. Voll umfängliche Feuertaufe also für den neuen Trainer der HSG Wetzlar, der sein Programm aber auch mit sichtlich großer Freude absolvierte.

Das Mittelhessen-Duell

Vor allem der TVH demonstrierte beim traditionellen Höhepunkt des Linden-Cups, dass das Mittelhessen-Derby auch ohne Zuschauermassen und lautstarke Emotionen auf den Rängen nach wie vor seinen ganz besonderen Reiz hat. Jede gelungene Abwehraktion gegen den klassenhöheren Lokalrivalen feierten die Hüttenberger, als hätten sie das Spiel gewonnen, ähnlich begeistert jubelten sie - und vor allem Ian Weber, der gegen seinen Ex-Verein siebenmal traf - über die eigenen Tore. Und sie hielten vor allem lange prima mit mit dem Favoriten, der zwar zunächst den Ton angab (7:4, 10.), aber den kämpferischen Zweitligisten, obwohl dieser kurz vor der Halbzeit Hendrik Schreiber, der sich an der Schulter verletzte, nicht mehr einsetzen konnte, nicht richtig abschütteln konnte.

Im zweiten Durchgang gleich die Truppe von Trainer Johannes Wohlrab sogar noch dreimal aus (13:13 bis 15:15) und ging sogar in der 38. Minute durch Rückkehrer Dominik Mappes in Führung. Doch die zuvor etwas fahrige HSG ließ sich dadurch nicht beirren, nahm das Heft des Handeln wieder in die Hand und sorgte spätestens mit dem 24:18 (53.) wieder für die erwartbaren Kräfteverhältnisse. "Hüttenberg hat sehr emotional gespielt", lobte auch HSG-Coach Ben Matschke und freute sich, dass seine Wetzlarer Jungs auch in der letzten Partie Konzentration und Ernsthaftigkeit bis zum Schluss hochielten und dementsprechend doch noch deutlich gewannen.

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