Baustellen im Problemviertel

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Manche Formulierung entwickelt einen eigentümlichen Reiz. So war zuletzt bei den Spielen des Basketball-Bundesligisten Gießen 46ers immer wieder von einem "Problemviertel" die Rede. Denn man konnte fast die Uhr danach stellen, dass im dritten Viertel das Spiel zugunsten des Gegners kippte. Der meist gar nicht viel dafür tun musste, als nur auf den mannschaftlichen Lockdown des Teams von Rolf Scholz zu warten.

Ob das jetzt statistisch belegbar ist oder irgendwann zur selbsterfüllenden Prophezeiung wurde, ob also nach den ersten beiden Vierteln der Allerwerteste der Spieler schon deshalb auf Grundeis ging, weil sie wussten, da lauert jetzt das Problemviertel, all das ist schwer nachzuvollziehen. Und schwer zu beweisen. Aber vielleicht nach den beiden Siegen zuletzt auch nicht mehr das Problem.nDenn das könnte eher darin liegen, dass es zwar sehr schön ist, dass die 46ers gegen Bayern München und in Göttingen überraschten. Zuhause damit, dass sie überhaupt gewannen, auswärts damit, dass sie den Gegner fast deklassierten. Aber das Problem im Kampf um den Klassenerhalt bleibt natürlich massiv vorhanden. Ein Sieg in Ulm ist fast ein Muss, wenn man sich die (Tabellen-)Konstellation vor Augen führt. Auf die Fußball-Bundesliga übertragen: Gießen ist nicht Schalke, aber mindestens noch Bielefeld. nWenn früher von Gießener Problemvierteln die Rede war, hatte das mit Basketball nur wenig zu tun, da ging es dann eher um Ecken der Stadt, wo es oft nicht so anheimelnd war wie in Gießens "Gudd Stubb", wie die Osthalle genannt wird. Die Stadt an der Lahn war immer vorne dabei, wenn es um Problematisierung und Stigmatisierung von Vierteln ging, Menschen am Eulenkopf, der Gummiinsel oder der Margaretenhütte können da ein Lied von singen. So gesehen ist es fast gut, dass man in Gießen "Problemviertel" jetzt mit Basketball assoziiert. Zumal der Bundesligist im Problemviertel auch noch eine Baustelle hat: Mike Koch muss gehen. Angesichts der Entwicklung darf man an dieser Stelle schon mal darauf verweisen, dass nicht immer alles zusammenpasst, was angeblich zusammengehört. Das gilt auch für Spieler, die zumeist "perfekt ins Konzept passen". Wenn das Konzept Abstieg lautete, mag das ja noch stimmen. Alles nicht so einfach mit den Formulierungen. Sozusagen problematisch.

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