(Cross-)Fit durch den Corona-Lockdown und die Adventszeit

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BIEBERTAL-RODHEIM-BIEBER - Fitness-Studio geschlossen, das gewohnte Tennistraining - mit Coach und fünf Mitstreitern - derzeit unmöglich, Joggen bei dieser Witterung nicht gerade erbaulich und auch ein bisschen langweilig. Dazu noch größtenteils Homeoffice, also wenig "Auslauf" und Anlass zur Bewegung raus aus den eigenen vier Wänden. Und das alles ausgerechnet jetzt, wo der Schoko-Adventskalender in Betrieb genommen sowie jede Menge Plätzchen gebacken sind und darüber hinaus demnächst so manches weihnachtliches Festmahl lauert.

Waage, mir schwant Fürchterliches! Doch dann ein Silberstreif am grauen Sport-Himmel, ein Facebook-Post der KSG Bieber mit dem Inhalt: Die Handball-Abteilung des Vereins hat einen kleinen Cross-Fit-Parcours eingerichtet. Eigentlich ist er gedacht für die sportlichen Kinder in der Gemeinde Biebertal. Aber was für die gut ist, kann doch auch für mich ältere Bürgerin dieser Kommune nicht schlecht sein. Denke ich mir und wage nach kurzer Rücksprache mit KSG-Handball-Jugendkoordinator Jens Hofmann, dessen Frau Carmen den Löwenanteil an Idee und Umsetzung des neuen Outdoor-Sportangebots hatte, einen Selbstversuch.

Passende Kleidung, ein Ball, und schon kann's losgehen

Dick eingepackt, schließlich zeigt an diesem nebligen Mittag das Thermometer gerade einmal vier Grad an, und "bewaffnet" mit einem Tennisball (meine Handbälle sind aufgrund des nun doch schon etwas länger zurückliegenden Endes der aktiven Laufbahn mittlerweile alle platt) begebe ich mich also auf den Weg zum Startpunkt an dem alten Eisenbahnwaggon, der vor nicht allzu langer Zeit als Andenken an die "Biebertalbahn" kurz vor "Hof Schmitte" am Rodheimer Ortsausgang installiert wurde. Mit dem Auto versteht sich. Denn wer weiß, ob ich bei meinem, dank rund vier Wochen Lockdown doch schon recht heruntergekommenen, Fitnesszustand nach der Absolvierung von "Cross-Fits-Kids" die rund vier Kilometer zurück zur Wohnung "per Pedes" überhaupt noch schaffen würde.

Start: Am Zielort angekommen entdecke ich schnell die ersten Hinweise, angebracht an einer Bank: eine Luftbildaufnahme mit eingezeichneter Route und Laufrichtung, dazu ein Willkommensschild, das mitteilt: "Wir haben für euch einen Cross-Fit-Parcours im Freien aufgebaut, mit dem ihr euch alleine oder mit einem Freund/einer Freundin fit halten könnt und zusammen Spaß habt. Auch eure Eltern dürfen gerne mitmachen!" Ich versuche es erst mal alleine, nicht dass ich mich noch vor jemandem blamiere, wenn mir die ein oder andere Übung nicht auf Anhieb gelingt. Los geht's ...

Station 1: Nach einem kurzen Marsch auf dem Feldweg in Richtung des Radwegs und noch ein bereits vorgetrampeltes Stück bergauf über die Wiese links neben dem Faustballplatz erreiche ich "Die Mühle" am Waldrand. Bevor hier im Stütz fünfmal mit den Armen über einen Baumstamm gekreist wird, darf noch zehn Mal über eben jenen balanciert werden. Oh je, gleich eine ziemlich anspruchsvolle Aufgabe. Denn mit dem Gleichgewichtssinn hatte ich es noch nie so richtig. Erst recht ein Grund, ihn mal wieder ein bisschen zu schulen. Gesagt getan, hochkonzentriert und mit ausgebreiteten Armen geht es in gewünschter Anzahl über den nicht gerade gleichmäßig geformten Stamm. Mehr schlecht als recht ehrlich gesagt, aber dennoch ein insgesamt zufriedenstellender Auftakt.

Station 2: Die nächste Übung an einer Raststätte für Spaziergänger ist für die Arme und gelingt der diese Extremitäten regelmäßig nutzenden Tennisspielerin deutlich besser. "Auf der Bank abstützen und zehn Mal in die Hände klatschen" klappt sogar doppelt so oft, als es die Anleitung, markiert mit einem kleinen Krönchen, für fortgeschrittene Cross-Fitter vorschlägt. Ich fühle mich beflügelt ...

Station 3: ... um dann mit wieder etwas gebremster Euphorie festzustellen, dass ich den folgenden Programmpunkt ("Fang") leider nicht abhandeln kann. Weil mir der hinter einem rund zwei Meter entfernten Baumstamm stehende Partner fehlt, dem ich den mitgebrachten Ball zuwerfen kann und umgekehrt. Also gleich weiter zum nächsten Stopp.

Station 4: Um Geschicklichkeit geht es hier, auch nicht unbedingt meine Stärke. Aber es wird natürlich trotzdem versucht, den Ball hochzuwerfen, während er in der Luft ist, je einmal die linke und rechte Schulter zu berühren und noch zu klatschen, um dann das Spielgerät wieder sicher zu aufzufangen. Für die ehemalige Handballerin nicht ganz unbekannt, aber es ist andererseits auch schon eine ganze Weile her, dass sie das zuletzt gemacht hat. Und so dauert es zwei, drei Versuche, bis der Ball rechtzeitig wieder in den Händen landet. Dann aber läuft's.

Station 5: Apropos laufen: Das kommt zum Abschluss der ersten Parcourshälfte dran. Und wie! Die zehn kleine Runden Hindernislauf - bestehend aus der Überwindung zweier niedriger Hürden, dem Umkreisen eines Schilds und Sprüngen auf beziehungsweise über zwei Bänke - bei ordentlichem Tempo bringen mich voll aus der Puste und zwingen mich dazu, erstmals zur Trinkflasche zu greifen sowie gehörig durchzuschnaufen. Puh, ganz schön anstrengend, jedenfalls für jemanden, dessen Kondition zuletzt etwas gelitten hat.

Station 6: Dementsprechend lasse ich es bei der nächsten Station, die der Weg runter aus dem Wald auf den Feldweg unterhalb des Faustballplatzes ist, etwas ruhiger angehen. Bestritten werden soll dieser Weg im "Hopsergang" (Gott sei Dank steht da nicht Hopserlauf!). Während ich das ganz entspannt mache, komme ich tatsächlich wieder etwas zu Kräften. Das kann ich auch gut gebrauchen ...

Station 7: ... denn ich muss jetzt ganz stark sein. Es treibt mir (wieder) die Schweißperlen auf die Stirn, als ich schon aus der Ferne Frösche auf dem nächsten im Busch baumelnden Hinweisplakat entdecken kann. Ich soll doch wohl nicht ...? Doch, soll ich: Froschsprünge machen, auch noch zehn Stück hintereinander. Auweia, das wird jetzt richtig peinlich, warte ich deshalb ganz geduldig ab, bis der glücklicherweise einzige mir in dieser tollen Natur begegnende Wanderer an mir vorbei ist. Nein, hierbei brauche ich nun wirklich keine Zuschauer! Aber was soll ich sagen: Die amphibischen Sätze glücken mir besser als erwartet, weit weg vom Gefühl "eine meiner leichtesten Übung", aber durchaus akzeptabel. Der Muskelkater wird sich wohl noch melden, dennoch starte ich zufrieden in den Endspurt.

Station 8: "Nochmal Arm-Muckis" heißt die folgende Übung an einer weiteren Ruhebank am Radweg. Während bei der Übung zu Beginn der Blick in Richtung Lehne gerichtet war, heißt es jetzt rückwärts "Abstützen und zehn Mal die Beine abwechselnd verschränken, ohne mit dem Po die Bank zu berühren". Also so eine Art "Dips", die ich aus dem "Fitti" an entsprechendem Gerät kenne. Das sollte ich hinbekommen, bekomme ich auch. Nach dem Bizeps vorhin gerät jetzt also auch der Trizeps mal wieder in Wallung. Gut so.

Station 9: Die vorletzte Trainingseinheit muss ich etwas abwandeln. Denn auch beim "Bodenpassen" wäre ein Mitsportelnder sehr hilfreich. Also krame ich mal ein wenig im Kreativstübchen des Gehirns und überlege mir, den Ball einfach ein bisschen fester aufzudotzen und in seine Richtung zu sprinten, um ihn selbst wieder fangen zu können. Klappt ganz gut, 20 Mal, also ab zum Finale.

Station 10: Auf dem letzten Stückchen des Radwegs, bevor es wieder zurück zum Ausgangspunkt geht, begegnet mir noch einmal etwas aus der Kategorie "Altbewährtes aus früheren Handballzeiten". Nämlich das "Achterkreisen", bei dem das Leder bei der Fortbewegung in großen Ausfallschritten durch die Beine von der einen in die andere Hand übergeben wird. Auch schon ewig nicht mehr durchgeführt, diese Koordinations- und Stabilisationsübung, klappt aber trotzdem noch prima. Ein schöner Abschluss.

Sämtliche Muskeln und Fähigkeiten sind gefordert

Fazit: Nach rund einer halben Stunde mit zehn abwechslungsreichen Übungen fühlt es sich so an, als hätte ich ziemlich viele Körperteile bewegt und allerlei Muskelgruppen bedient. Und dabei auch Balance, Koordination und Kondition gefördert. Nicht schlecht für 30 Minuten, die dazu richtig Spaß gemacht haben, aber auch überraschend anspruchsvoll und anstrengend waren. Denn ich bin tatsächlich ganz froh, dass ich den Rückweg im Auto zurücklegen kann. Dieses Mal jedenfalls noch, denn es war sicher nicht das letzte Mal, dass ich den Cross-Fit-Parcours der KSG Bieber quasi vor der Haustür absolviert habe. Waage, vielleicht schwant mir doch nicht ganz so Fürchterliches.

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