Da gibt's was zu erzählen

  • schließen

"Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen."Das schrieb Matthias Claudius vor mehr als 200 Jahren. Gilt heute noch. Zum Beispiel, wenn man an einen Ort reist, wo genau das nicht stattfindet, weshalb man eigentlich hinreist. So geschah es drei Teenagern, die aus dem Urlaubsort im Voralpenland sich auf den Weg machten, ihre Basketballer aus Gießen zu unterstützen.

War ja nur eine knapp zweistündige Anreise im Zug und per S-Bahn zu bewerkstelligen, um die 46ers beim FC Bayern München zu erleben. Tickets geordert im Audi Dome, Zugticket online besorgt - und abgefahren zum Spiel. Allerdings am Samstag. Die Bundesligabegegnung war aber am Sonntag. Etwas frustriert, aber um eine Erfahrung reicher, kamen die drei 15-Jährigen zurück. Immerhin waren sie mal mit dem Zug in München. Und das nächste Mal schauen sie genauer auf das Datum. Und die Erwachsenen, die sie freudig zum Bahnhof fuhren, sicher auch.nDabei hätten die Youngster gerne mal eine moderne Arena erlebt, anstelle der Ost-Schulsporthalle, die in Gießen für BBL-Verhältnisse zwar charmant daherkommt, aber eben auch nicht mehr zeitgemäß ist. Wenn Bayern München nach Gießen reist, haben sie vielleicht Furcht vor der Stimmung in der "Osthölle", aber modern ist da nichts. In Gießen scheint der Zug auch abgefahren, was infrastrukturelle Maßnahmen angeht. Aber vielleicht ist ja der nun auf dem Tisch liegende Vorschlag eine Chance, dass Sportstadt nicht nur ein Wort ist in Gießen. Die Reaktionen aus dem Rathaus zeugen allerdings nicht davon, dass verstanden wird, um was es geht. Denn Tatsache ist, dass die Debatten um Hallenneu- oder -ausbau bald so alt sind wie das Gedicht von Matthias Claudius. Und was tut sich? Nichts bis gar nichts.nAuch der VfB Gießen hatte im Waldstadion da schon seinen Kampf, den jetzt der FC Gießen weiterkämpft. Kein Flutlicht in der 4. Liga bedeutet ein 16 Uhr-Spiel am Dienstag gegen Offenbach. Da wird mancher Zuschauer nicht anreisen können. Das freilich als einzigen Grund zu nehmen, trägt nicht. Dem FCG fehlen momentan auf nahezu allen Ebenen die Strukturen. Da müssen überzogene Preise nach vielen Debatten gesenkt werden, da spielt die zweite Mannschaft in abgelegten Trikots, auf denen die Spielernamen der vorherigen Akteure abgeklebt sind, da werden Akteure eingesetzt, die nicht hätten spielen dürfen, was zu Punktabzug führt. Und im Grunde jeder Kreisligist wissen muss. Da tritt die Frauenmannschaft in der Verbandsliga zu zehnt an, um nach Verletzungen kaum noch spielfähig zu sein. Auch vom FC Gießen, werter Herr Claudius, gibt's viel zu erzählen.

Das könnte Sie auch interessieren