Endlich wieder Training

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WETTENBERG-LAUNSBACH - Rote Köpfe, aber strahlende Gesichter unter den Masken beim ausgelassenen Toben über den Kunstrasenplatz an der Gesamtschule in Launsbach. Aufmerksames Zuhören, wenn die Trainerinnen die nächste Übung erklären oder Korrekturen vornehmen. Und danach wieder voller Einsatz, aber jederzeit freundlicher Umgang untereinander beim Ballspiel.

Kurzum: Endlich wieder Training! In dem Fall Handballtraining für elf junge Mädels der Jahrgänge 2007 bis 2009 von der HSG Wettenberg, denen auf den ersten Blick anzumerken ist, dass sie glücklich sind, nach so langer Corona-bedingter Pause wieder ihrem Hobby nachgehen zu können.

Und zwar seit dem 8. März im Gegensatz zu den Handballern (und auch anderen Mannschaftssportlern), die älter als 14 Jahre sind, sogar annähernd in der Art und Weise, wie sie es gewohnt sind. Nicht wie üblich in der Halle, sondern draußen an der frischen Luft. Und auch auf vollen Körperkontakt, so hat es der Verein beschlossen, soll noch weitestgehend verzichtet werden. Aber immerhin wieder in großer Gruppe, bis zu 20 Kinder wären erlaubt, die HSG hat die Personenanzahl jedoch auf 15 plus zwei Übungsleiter beziehungsweise Betreuer begrenzt.

"Ein richtig strukturiertes Handballtraining ist noch nicht ganz möglich, aber wir versuchen, dem Schritt für Schritt näher zu kommen", erklärt Eva Schneider, eine der beiden D-Jugend-Trainerinnen, die das Training an diesem Tag leiten. Es ist die dritte Einheit, die seit den neuerlichen Lockerungen auf dem eigentlichen Fußballplatz an der Schule stattfindet. Gestartet hatten die Wettenberger ihr "Outdoor- und Streethandball"-Training rund vier Wochen vorher auf den Basketball-Hartcourts hinter der Eduard-David-Halle in Krofdorf. "Seitdem die Fußballer so nett waren, größtenteils auf den Krofdorfer Rasenplatz auszuweichen, können wir jetzt den Kunstrasen in Launsbach nutzen", freut sich Claudia Rink, zusammen mit Sina Hohl HSG-Jugendwartin für den weiblichen Bereich, über mehr Platz und damit auch mehr Möglichkeiten auf der Anlage in Launsbach.

Die entsprechenden Maße und Markierungen eines Handballfeldes fehlen zwar hier, die in der nahe gelegenen Sporthalle gelagerten (kleineren) Handball-Tore sind noch nicht aufgebaut und auf Abwehr/Angriff-Übungen wird, um allzu engen Kontakt zwischen den Spielerinnen zu vermeiden, noch verzichtet. "Aber wir versuchen schon, viel mit dem Ball zu machen und dabei auch athletisch voranzukommen", erklärt Eva Schneider. "In den ersten Trainings haben wir zunächst viel gespielt und dabei gemerkt, dass beim Passen und Fangen schon einiges verloren gegangen ist", kann an diesen Basics auch draußen wieder gearbeitet werden. Zumal vom Verein für die Übungseinheiten an der frischen Luft extra neue Streethandbälle angeschafft wurden. "Höchstes Ziel ist jetzt erst einmal, dass die Kinder dabei bleiben und wir sagen können: Wir und der Handball sind noch da", ergänzt Michelle Rolshausen, die andere Trainerin der Truppe. "Dementsprechend liegt der Fokus jetzt am Anfang mehr auf dem Spaß und spielerischen Elementen. Aber die Mädels sollen auch fit bleiben und sich wieder an den Ball gewöhnen. Auch wenn es draußen, wo das Feld ein anderes ist, noch nicht ganz so nah dran am richtigen Spiel ist", so Rolshausen.

Und doch sieht es schon sehr nach Handballtraining aus, was die Übungsleiterinnen und ihre elf Schützlinge da - anders als am gestrigen Dienstag - bei strahlendem Sonnenschein auf dem Kunstrasen praktizieren, auf dem zeitgleich in sicherer Entfernung auf der anderen Hälfte noch zwei Fußballer der FSG Wettenberg Pass- und Schussübungen machen. Ein bisschen lockeres Kicken mit dem Softball zum Reinkommen, gemeinsames Dehn- und Aufwärmprogramm im großen Kreis, Parteiball als Wettkampfspiel mit Stabilisationsübungen für die Mannschaft, die es nicht geschafft hat, rechtzeitig das Spielgerät zu erobern. Dazwischen immer wieder Trinkpausen und lehrreicher Austausch zwischen Trainerinnen und Spielerinnen, was möglicherweise schiefgelaufen ist und besser gemacht werden könnte. Es folgt eine Übung, um am Passspiel in den Lauf zu feilen, und Kräftigungsübungen als "Strafe", wenn das Bällchen nicht wie gewünscht läuft und allzu oft runterfällt. Danach startet der nächste Leistungsvergleich zwischen zwei Gruppen in Form einer Staffel, bei der neben dem schnellen Laufen auch Koordination durch die entsprechende Leiter und bei der Abwehrbewegungen zwischen Hütchen sowie Denkvermögen beim Aufdecken der richtigen Karte gefordert sind. Durchaus abwechslungsreich und sämtliche Bereiche abdeckend, was sich die Übungsleiterinnen da überlegt haben für diese Einheit der D- und E-Juniorinnen, die übrigens allesamt fast durchgängig den Mund- und Nasenschutz anbehalten. "Ich denke, das sind die Kinder mittlerweile einfach so aus der Schule gewohnt und stört sie auch beim Sport nicht", bemerkt Claudia Rink und ergänzt: "Das machen sie aber freiwillig, wir haben es ihnen von Vereinsseite nicht vorgeschrieben, sondern offengelassen, ob sie die Maske tragen wollen oder nicht."

Auch was die Trainingsinhalte angeht, verlässt sich der Vorstand der Wettenberger Handballer voll und ganz auf die unmittelbar Beteiligten. "Wir haben unseren Trainern da keine Vorschriften gemacht und komplett freie Hand gelassen", berichtet Sina Hohl, dass die HSG Wettenberg den 14 Übungsleitern, die die insgesamt sieben Kinderhandball-Mannschaften betreuen, die nun von Dienstag bis Donnerstag einmal pro Woche fest und bei Bedarf und freiem Platz auch auf Anfrage mehrmals wieder draußen trainieren dürfen, kein einheitliches Trainingskonzept vorgesetzt hat. "Die Trainer wissen selbst viel besser, was ihre jeweiligen Kinder am ehesten brauchen", glauben sie und ihre Mitstreiter aus dem Vorstand. Wissen aber gleichwohl, dass es momentan "mehr die spielerischen Inhalte" sind, die die Einheiten dominieren. Und haben sich deshalb auch darum bemüht, den Coaches - neben einer sogenannten "Hygiene-Tasche" mit Tüchern, Desinfektionsmitteln und Co. - sämtliche Hilfsmittel zur Verfügung zu stellen, um das Training unter den aktuellen, noch etwas ungewohnten Bedingungen möglichst ansprechend gestalten zu können. "Wir haben viele neue Materialien bekommen, die gerade jetzt sehr hilfreich sind", freut sich auch Michelle Rolshausen nicht nur über die Streethandbälle, sondern auch Dinge wie Koordinationsleitern, Utensilien zur Markierung von Spielfeldern und Würfel, mit denen um die nächste Übung "gegambelt" werden kann.

Auch die jungen Handballer selbst sind glücklich - über die neuen Hilfsmittel und die durch sie bereicherten Inhalte. Aber auch und vor allem darüber, wieder ihrem Hobby nachgehen zu können. Das ist ihnen auch an diesem Nachmittag in Launsbach deutlich anzusehen. "Man merkt ganz klar, dass ihnen das sehr gefehlt hat", bestätigt ihre Trainerin Michelle Rolshausen. Man habe während der langen Pause immer mal wieder untereinander Kontakt gehabt "und dabei immer wieder gehört: Wann geht es denn endlich wieder los?". Nun ist es wieder losgegangen bei der HSG Wettenberg, die sich laut der jungen Übungsleiterin über eine "sehr hohe Trainingsbeteiligung" freuen und ihrer nicht minder alten Kollegin Eva Schneider nach "eigentlich jedes Mal von den Mädels das Feedback bekommen, dass sie das ganz toll finden". Und Claudia Rink fügt schmunzelnd noch an, dass sie schon häufiger den Satz "Warum eigentlich nur einmal die Woche?" gehört habe. Ob nur ein- oder mehrmals - und angesichts der wieder steigenden Inzidenzahlen hoffentlich auch weiterhin: Hauptsache endlich wieder Handballtraining.

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