Gießen 46ers im Regenerationsmodus

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GIESSEN - Der Abend endete für die Spieler der Gießen 46ers in der Eiswanne des Hotels. Nach kräftezehrenden 40 Minuten gegen die Löwen Braunschweig war für den Basketball-Bundesligist rasche Regeneration angesagt. Denn schon an diesem Donnerstag geht die Mammut-Tour des Teams von Chefcoach Ingo Freyer mit dem dritten von fünf Akten in zehn Tagen weiter.

Nächster Halt: Hamburg, 19 Uhr, Duell gegen die noch ungeschlagenen Towers.

Kaum Zeit, die knappe 85:93-Niederlage der Gießener bei den Löwen Braunschweig zu verdauen, geschweige denn aufzuarbeiten. Die Stimmung im Bus auf der knapp zweieinhalbstündigen Fahrt aus Niedersachsen nach Hamburg war von der dritten Saisonniederlage aber nicht beeinträchtigt. "Die Stimmung war ganz normal. Warum denn auch nicht? Ganz gleich ob negative oder positive Ereignisse, wir schütteln das schnell ab", so Ingo Freyer bei der Ankunft am Mittwochnachmittag in der Hansestadt. Was anderes bleibt auch fast gar nicht übrig, standen doch am Mittwochabend sowie an diesem Donnerstagmorgen nur zwei Einheiten zur Verfügung - mit klarer Ausrichtung. "Schlafen, dehnen, rollen", fasste es 46ers-Center Johannes Richter kurz nach dem Braunschweig-Spiel zusammen. Sein Coach ergänzt: "Es werden keine harten Einheiten. Neben Regeneration, unter anderem mit den sogenannten Blackrolls, die die Muskulatur entspannen, werden wir viel Video- und Taktikschulung machen, um uns auf die Stärken und Schwächen der Hamburger vorzubereiten." Darin haben die 46ers in kürzester Zeit aber bereits Routine, wie Freyer betont. "Das ist das gleiche Prozedere wie nach dem Bamberg-Spiel am Sonntag."

Dennoch lässt Freyer durchblicken, dass er mit der Partie gegen die Löwen zufrieden war. "Wir konnten das Spiel bis zum Ende eng gestalten", erkennt Freyer einen Fortschritt gegenüber den Niederlagen gegen Ulm und Bamberg, bei denen die 46ers teils großen Rückständen hinterherlaufen mussten. "Am Ende haben wir ein oder zwei schlechte Entscheidungen getroffen und wichtige Schüsse liegen lassen. Braunschweig hat dagegen mit einem Vier-Punkte-Spiel und einem Dreier von Byron Allen den Abstand in den Schlussminuten vergrößern können. Da war das Momentum einfach auf deren Seite. Das gleicht sich aber im Laufe einer Saison wieder aus", sieht Freyer keinen erhöhten Handlungsbedarf nach der Pleite, sondern sein Team weiter auf einem guten Weg.

"Klar zählen im Sport eigentlich nur Resultate und Punkte. Aber wir entwickeln unser Spiel immer weiter und fügen neue Elemente ein." Eines davon muss laut Freyer die Aggressivität unter dem gegnerischen Korb sein. "Wir haben zu wenige Freiwürfe bekommen, müssen häufiger den Weg zum Korb suchen. Das hat Braunschweig besser gelöst", so der 49-Jährige. Hart verteidigen und attackieren, aber dabei clever vorgehen. Das hat zumindest Alen Pjanic, der sich bei seinen zwei unsportlichen Fouls ungeschickt anstellte, in Braunschweig nur bedingt beherzigt. Einen Vorwurf macht Freyer seinem 23-jährigen Small Forward aber keineswegs. "Solche Fouls helfen uns natürlich nicht. Aber das haben wir im Einzelgespräch aufgearbeitet. Er wird daraus lernen."

Gelernt hat auch der kommende Gegner seit der Vorsaison eine Menge. Mit den Hamburg Towers wartet nun die Überraschungsmannschaft der bisherigen Saison auf die Lahnstädter. Vergangene Runde als Aufsteiger noch häufig nicht bundesligatauglich und bei Abbruch der regulären Saison als Schlusslicht eigentlich abgestiegen, zeigen sich die Nordlichter in dieser Saison bislang wie verwandelt. Vier Spiele, vier Siege, darunter der höchste Erfolg der eigenen Bundesligageschichte beim 93:63 gegen Bamberg. Unter dem neuen Headcoach Pedro Calles, der zuvor in zwei Jahren Rasta Vechta zu einem Topteam geformt hatte, wachsen die Towers über sich hinaus. Dazu haben die satten neun Neulinge nahezu allesamt eingeschlagen. Allen voran der aus Bamberg gekommene Shooting Guard Kameron Taylor, der es bis dato auf 16 Punkte im Schnitt bringt. "Sie sind defensiv wie offensiv sehr, sehr aggressiv, spielen damit so, wie wir auch auftreten wollen. Da gilt es dagegen zu halten", gibt Ingo Freyer die Richtung vor. Statt in der Eiswanne müssen sich die Spieler anschließend aber "on the road" regenerieren, denn nach dem Spiel geht es direkt in den Bus und zurück nach Gießen in Vorbereitung auf Akt vier der Reise durch die Republik - dem Duell bei den übermächtigen Münchner Bayern.

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