Gießener Jubelschrei lässt die Halle beben

  • schließen

OLDENBURG - Ein kollektiver Jubelschrei, der aus der Oldenburger EWE-Arena fast bis nach Gießen zu hören war, tonnenweise abbröckelnde Anspannung, garniert mit einem Freudentänzchen auf dem Parkett. Sie hatten es sich verdient, die Basketballer der Gießen 46ers nach dieser Energieleistung, die zum 97:93-Erfolg gegen den haushohen Favoriten aus Oldenburg führte.

Es ist der Mutmacher, der unerwartete Befreiungsschlag, den das Bundesliga-Schlusslicht von der Lahn so lange herbeigesehnt hat.

Baskets Oldenburg -
Gießen 46ers 93:97

Danach sah es vor allem nach Viertel Nummer drei, das die Gießener deutlich mit 13:23 verloren, nicht mehr aus. Möglich machten den Erfolg am Ende vor allem die drei "Oldies" Brandon Bowman, John Bryant und allen voran Kapitän Brandon Thomas, der im letzten Viertel nahezu alles traf und 16 seiner starken 25 Zähler erzielte. "Wow", bekam der 36-jährige Kapitän der 46ers nach Spielschluss große Augen, als er seinen Scoringwert im Schlussabschnitt mitgeteilt bekam. Die Erleichterung war Thomas dabei deutlich anzumerken. "Dieser Sieg fühlt sich einfach so gut an. Gerade gegen ein Topteam wie Oldenburg ist so ein Erfolg enorm wichtig für unser Selbstvertrauen. Wir haben bewiesen, dass wir kämpfen können, dass wir uns nicht abschütteln lassen, wenn wir mal einen Durchhänger haben. Darauf können wir für die nächsten Spiele aufbauen."

Dabei bewiesen die Gießener Stehauf-Qualitäten im Vergleich zur klaren Pleite gegen Crailsheim. Eine "beschämende" erste Halbzeit sollte den 46ers in Niedersachsen nicht widerfahren. Im Gegenteil gingen die Gäste von Beginn an konzentriert zu Werke. John Bryant stellte mit seinem ersten Dreier nach knapp fünf Minuten auf 12:5. Die Baskets ließen es vor allem in der Defensive an Intensität vermissen, stellten kurzzeitig auf Zonenverteidigung um, die die konsequenten Gießener Angriffe aber auch nicht stoppen konnten. Erst als Bryant das Feld verließ und, weil der zweite 46ers-Center Chad Brown wegen muskulärer Probleme fehlte, durch Scottie James Junior unter dem eigenen Korb ersetzt wurde, lief bei den Oldenburgern offensiv mehr zusammen. Denn der 24-Jährige war schlicht überfordert mit der Verteidigung der abgezockten Baskets Nathan Boothe und Rasid Mahalbasic. Da Gießen offensiv die Schlagzahl hochhielt, Oldenburgs Martin Breunig Brandon Bowman mit der Sirene unnötig foulte und der Routinier alle drei Freiwürfe versenkte, ging es mit einer überraschend deutlichen 26:18-Führung ins zweite Viertel.

Die Gastgeber schraubten nun zwar ihre Wurfquote nach oben, aber Gießen ließ sich nicht abschütteln. Bis auf eine kurze Durststrecke zu Beginn des zweiten Abschnitts spielten die 46ers in Durchgang eins ihre Angriffe schnell, aber nie überhastet aus und agierten dabei zielstrebig. Zudem verteilten sie die Punkte auf mehrere Schultern. Immer, wenn die Baskets sich hätten absetzten können, war ein Gäste-Akteur zur Stelle und unterbrach die Serie. Mal Isaac Hamilton mit zwei Zweiern in Folge, mal der agile Jonathan Stark, der mit seinem einzigen versenkten Wurf von jenseits der 6,75-Meter-Linie auf die 52:49-Pausenführung für die Universitätsstädter stellte. Die Oldenburger, noch am Mittwoch gegen Hamburg bis zur Pause mit einer 100-prozentigen Wurfquote aus dem Feld bärenstark, rieben sich verdutzt die Augen, über das, was das Schlusslicht hier abzog. Über 50 Zähler zur Pause hatten die Gießener in dieser Saison noch nicht geschafft.

Baskets-Coach Mladen Drijencic dürfte in der Halbzeit deutlich geworden sein. Denn es folgte das vermaledeite dritte Viertel, in dem Gießen alles zu verspielen drohte. Kein Kampf, keine Bewegung, keine Intensität und vor allem keine Ballkontrolle mehr. Sieben der zehn Turnovers produzierten die 46ers in diesem Viertel. Die nun deutlich aggressiver agierenden Oldenburger legten zunächst einen 8:0-Lauf und wenig später gar ein 11:0-Lauf hin, sammelten dabei fröhlich einen Offensiv-Rebound nach dem anderen. Allen voran Power Forward Boothe lief richtig heiß, die Partie drohte zu kippen. Mit einem 65:72 aus Sicht der 46ers ging es ins Schlussviertel.

Dann schlug die Stunde der Gießener Routiniers. Kapitän Thomas traf nun aus allen Lagen, machte neun Punkte am Stück und brachte Gießen mit 78:76 in Führung. Ein Dunking des 36-jährigen Brandon Bowman gut sechs Minuten vor Schluss war dann das nächste Statement, das den Gießener Anspruch untermauerte, nicht mit leeren Händen nach Hause fahren zu wollen. Bei den Oldenburgern stellte sich nun Müdigkeit nach dem kräftezehrenden Last-Second-Sieg gegen Hamburg am Mittwoch ein. Routinier Rickey Paulding, bis dahin kaum zu sehen, versuchte noch einmal, das Spiel an sich zu reißen, bewies bei seinen Würfen aber kein gutes Händchen. Ein Dreier von Bryant und die Punkte 15 und 16 in diesem Viertel für Thomas sowie Bowman für Drei ließen die Sensation 45 Sekunden vor Schluss beim Stand von 95:91 Realität werden. Den Schlusspunkt setzte Alen Pjanic, bevor der Gießener Jubelschrei die leere Halle zum Beben brachte.

Oldenburg: Boothe (21), Tadda (5), Breunig (8), Herrera (6), Mahalbasic (13), Hobbs (12), Paulding (13), Hollatz, Schwethelm (3), Pressey (12).

Gießen: Stark (14), Hamilton (8), Kraushaar, Pjanic (7), Garrett (10), Bowman (19), Zylka, Thomas (25), Bryant (12).

Das könnte Sie auch interessieren