Kommentar zur Saison der HSG Wetzlar: Nah am Optimum

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Als Kai Wandschneider am Sonntagabend zum letzten Mal aus der Rittal-Arena ging, hat er eine Tür geschlossen. Die Tür einer fast zehn Jahre lang währenden Handball-Ära. Eine Tür, aus der der Schlüssel gezogen und weggelegt wurde. Denn eine Rückkehr des erfolgreichsten Trainers in der Geschichte der HSG Wetzlar wird es nicht geben. Zumindest nach menschlichem Ermessen.

Warum sich der heimische Bundesligist von seinem Garanten des sportlichen Erfolgs getrennt hat, darüber ist viel spekuliert, gerätselt und getratscht worden. Wandschneider, der gewiss gerne noch ein oder gar zwei Jahre weiter die Mannschaft der Grün-Weißen dirigiert hätte, ist von seinem Arbeitsethos, den Trainingsmethoden und vor allem dem überragenden taktischen Geschick her unangreifbar. Doch die Kommunikation zwischen Vereinsführung und Coach war anscheinend schon länger so gestört, dass ein Miteinander kaum noch möglich war. Das ist schade. Das ließ sich aber anscheinend auch nicht mehr reparieren. In seiner letzten Saison brillierte der Handballlehrer mit Abwehr- und Angriffssystemen, dass seinen zumeist weitaus jüngeren Kollegen teils nur die Münder vor Staunen offenstanden. Kai Wandschneider ist noch einmal über sich hinausgewachsen. Und in den vergangenen Monaten hat sich der studierte Psychologe nach anfänglicher Enttäuschung mit seinem Abschied arrangiert. Beim letzten Heimspiel umarmte er noch einmal Geschäftsführer Björn Seipp. Eine schöne, eine versöhnliche Geste. "Manchmal", so sagte Wandschneider schließlich, "wird man zu seinem Glück gezwungen." Und sein persönliches Glück besteht darin, endlich einmal Abstand von einem Geschäft zu finden, dass eigentlich keine Ruhepausen verzeiht. Das sportliche Glück der HSG wiederum besteht darin, dass Co-Trainer und Chefscout Jasmin Camdzic bleibt. "Jasko" errichtet seit Jahren das Gerüst für eine Mannschaft, die im gnadenlosen Bundesliga-Geschäft bestehen kann. Und mit diesem Gerüst wird künftig Benjamin Matschke arbeiten. Dass die HSG zugriff, als das vielleicht größte deutsche Trainertalent verfügbar war, lässt sich nachvollziehen. Dadurch, dass die spielerische Erfolgsachse Till Klimpke, Magnus Fredriksen, Lenny Rubin und Stefan Cavor langfristig an die Domstadt gebunden ist, findet der neue Coach ein gut bestelltes Feld vor. Eines, auf dem er erfolgreich arbeiten kann. Eine Tür hat sich geschlossen. Eine andere wurde geöffnet. Man darf gespannt sein, was durch diese künftig zu sehen sein wird.

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