Schlechter kann Crunchtime für Gießen 46ers nicht starten

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WÜRZBURG - Würzburg. "Mal wieder, ja leider", so die kurze und knappe Antwort eines irgendwo zwischen genervt und ratlos pendelnden Gießener Chefcoachs Rolf Scholz. Denn "mal wieder" war das dritte Viertel ausschlaggebend für die am Ende deutliche 82:101-Pleite des Basketball-Bundesligisten von der Lahn bei den s. Oliver Würzburg mit Ex-46ers-Coach Denis Wucherer.

Dieser dritte Akt, in dem einfach nichts gelingen will, ist das täglich grüßende Murmeltier für die Gießen 46ers. Wie herauskommen aus diesem Kreislauf? Es wird für Scholz stetig schwerer, darauf eine passende Antwort zu finden. "Wir müssen das analysieren, wie in den letzten Wochen auch. Das ist ein Prozess, dem wir uns stellen müssen. Es ist für uns alle schwer im Moment. Aber es hilft nichts, wir müssen zusammenhalten, weiterkämpfen, werden nicht die Flinte ins Korn werfen." Die Crunchtime in die für den Klassenerhalt entscheidenden Wochen hätte nicht schlechter beginnen können.

s.Oliver Würzburg -
Gießen 46ers 82:101

Allerdings war es in Würzburg nicht so, dass die Gießener wie gegen Hamburg und Oldenburg nach der Pause eine Führung weggeworfen hätten, sondern von Beginn an einem Rückstand hinterherliefen. Beide Teams starteten vogelwild, auf Verteidigung wurde zunächst wenig Wert gelegt. Nur, dass die Wucherer-Truppe sich deutlich treffsicherer zeigte, insbesondere Alex King von jenseits der 6,75 Meter Linie. Schnell führten die Gastgeber mit 13:4 und bauten nach fünf Minuten auf 21:9 aus. Auf Gießener Seite, die zunächst defensiv wie offensiv viel zu behäbig agierten, bewiesen Jonathan Stark, Brandon Thomas, Diante Garrett und Alen Pjanic allesamt kein gutes Händchen für Distanzwürfe und setzten ihre ersten Würfe neben die Reuse. Erst Routinier Brandon Bowman rüttelte mit seinem Dreier seine Teamkollegen wach. Angeführt von Spielmacher Garrett, der zunächst sehr früh von den Würzburgern, allen voran Neuzugang Robert Lowery, unter Druck gesetzt wurde, verringerten die 46ers bis zur Viertelpause den Rückstand auf 19:25.

Statt auf das Abknabbern des Rückstandes aufzubauen, folgte für die 46ers schnell der nächste Nackenschlag. Denn auch den Auftakt in das zweite Viertel verschliefen die Gießener komplett. Wieder wurde Garrett aggressiv gedeckt und so zu Turnovers gezwungen, wieder traf Alex King einen Dreier und zu allem Überfluss setzte Cameron Hunt für die Würzburger nahtlos seine Serie von nun zehn Partien in Folge mit mehr als zehn Punkte fort. Den Point Guard der Hausherren bekam die Gießener Defensive zu keiner Zeit in den Griff. Nach einem Würzburger 8:0-Lauf zog Scholz die Notbremse und versammelte seine Truppe nach nicht einmal drei Minuten zur Auszeit, nur, um in Anschluss mit ansehen zu müssen, wie die Würzburger weiterhin problemlos ihre Würfe versenken konnten - zu lasch agierten seine Spieler unter dem eigenen Korb. Am Ende stand eine Würzburger 11:0-Serie, und die Angst, dass dieses Kellerduell bereits sehr früh entschieden sein könnte.

Doch noch war es für die 46ers zu früh, um die weiße Fahne zu hissen. Und einmal mehr oblag es Bowman mit einem Dreipunktspiel sowie dem langsam ins Spiel findenden Jonathan Stark, für neuen Schwung zu sorgen. Mühsam, aber stetig wurde der Rückstand verkürzt und mit Starks erfolgreichem Dreier fünf Sekunden vor der Pausensirene waren die 46ers wieder dran - 40:47.

Sieben Zähler Rückstand, alles noch drin. Jetzt diesen Schwung in die zweite Halbzeit mitnehmen, vielleicht Kapitän Brandon Thomas, der in den vergangenen zwei Spielen neun seiner elf Dreier getroffen hatte, aber in Würzburg bis dato noch überhaupt kein Faktor war, ins Spiel bringen, um die schlechte Dreierquote von 23 Prozent aufzupolieren. Doch der unerklärliche Leistungseinbruch im dritten Viertel machte auch vor der Würzburger Halle nicht halt. Wieder gehörten die ersten Punkte durch Lowery den Gastgebern, doch zunächst hatte der agile Scottie James Junior die passende Antwort parat. Nachdem Thomas mit etwas Pech den Distanzwurf zum Ausgleich beim Stand von 50:47 vergab, ging es in den verbleibenden 13 Minuten jedoch bergab.

Schrittfehler, hektische und unpräzise Würfe, Fastbreaks, mehrere unnötige Fouls, die Würzburg mit drei Dreipunktspielen in Serie eiskalt ausnutzte - das Gießener Spiel kollabierte nun regelrecht. Der aus Minsk gekommene Robert Lowery dirigierte sein Team, als wäre er nicht fast fünf Jahre aus der Bundesliga weg gewesen, Cameron Hunt stellte am Ende mit 28 Punkten gar einen persönlichen Bestwert auf. Und auf Gießener Seite gab es keinen Akteur, der Anstalten machte, das Ruder noch einmal herumzureißen. Vielmehr ergaben sich die 46ers kollektiv in ihr Schicksal, und kassierten in letzter Sekunde, nachdem sich Pjanic beim Dunking-Versuch verstopfte, mit zwei Freiwürfen von Tyson Ward auch noch die Punkte 100 und 101 - mal wieder.

Würzburg: Jones (4), Ward (11), Obiesie, Haßfurther, Lowery, (18), Koch (8), Hunt (28), Weitzel (11), Holloway (8), Hoffmann (2), King (11).

Gießen: Stark (12), Kraushaar (3), Pjanic (1), Garrett (12), Bowman (19), James Junior (12), Thomas (14), Bryant (9).

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