Von Büchern und Viren

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Wenn Henry Mohr über Fußball spricht, dann geht ihm (und oft auch den Zuhörern) das Herz auf. Momentan geht ihm allerdings eher die Klappe runter - nicht die Herzklappe, aber immerhin. Denn Fußball findet entweder gar nicht statt oder unter irrwitzigen Bedingungen (Regionalliga Südwest). An dieser Stelle sei eine Entschuldigung gestattet: Für all die Artikel, Kommentare, Glossen und Meldungen, die mit "Corona bedingt" beginnen oder die irgendwann das Wort "Pandemie" ins Spiel bringen.

Wir wollen das nicht, wir vermeiden es, wo es nur geht, aber das funktioniert nicht komplett. Dabei dachte man immer, der Sport...nAlles was damit (Corona) zusammenhängt, ist der komplette Widerspruch zu dem, was Sport ausmacht und vermitteln soll. Freude, Bewegung, gruppendynamische Prozesse auf dem Platz (und in der Halle), auf der Tribüne und auf den billigen (und teueren) Plätzen. Sport ist gesund, Sport kann einen krank machen (als Fan von Dauerverlierern, nein, wir lassen das Schalke-Thema). Sport besteht aus direkten Duellen und nicht aus Vir-tuellen. Momentan aber besteht er in erster Linie aus Hygienekonzepten, Absperrungen mit Flatterband, dem Versuch, Nothilfen für die zuschauer- und bewegungslose Zeit zu erhalten. Er besteht aus Menschen, die sich normalerweise Bälle um die Ohren schießen und nun von einem Teambetreuer ein Test-Stäbchen in den Rachen gesteckt bekommen. Der Sport, wie wir ihn kennen, ist zum Erliegen gekommen. Und am Freitagabend schauen wir mit bangem Blick, ob das Spiel am Samstag stattfinden kann. Und wenn, gegen wen? Der FC Corona ist neuer Tabellenführer. nFolglich ist der nostalgische Blick zurück das einzig Wahre. Zwischen Buchdeckeln ist die Welt noch in Ordnung. Und da wären wir wieder bei Henry Mohr. Gut, er ist nicht Johannes Mario Simmel und sein Co-Autor Christian von Berg nicht Heinz G. Konsalik, aber einen Bestseller haben die beiden mit ihrem Jubiläumsband zu "75 Jahre Fußball im Kreis Gießen" schon gelandet. Um die 500 Stück werden bis Weihnachten an Mann und Frau gebracht sein, mittlerweile in 2. Auflage kursiert das Werk im Sportkreis (und weit darüber hinaus) mit Hardcover und feinem Druck sowie "ein paar Verbesserungen", wie Mohr sagt. Dessen Funktionärs-Leidensmiene (siehe Artikel auf dieser Seite) hellt sich deutlich auf, wenn es um den Fußball-Band geht. Der hat zwar auch ordentlich Arbeit gemacht, aber die hat eben auch zu einem top Ergebnis geführt. Und Mohr/von Berg würden die heimischen Bestsellerlisten stürmen, wären nicht all die Veranstaltungen ausgefallen, bei denen das Buch sicher reißenden Absatz gefunden hätte. Bis hin zum Neujahrsempfang 2021. Ein paar Exemplare gibt es noch. Wer vor Weihnachten noch zuschlagen will: Henry Mohr nimmt Bestellungen jederzeit gerne entgegen.

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