Volleyball-Trainer Autzen über die Krise bei den Drittliga-Männern des TV Waldgirmes, die um den Klassenerhalt kämpfen.
Von Tim Straßheim
Sportredakteur Wetzlar
In Abstiegsgefahr: Thomas Autzen, Trainer des TV Waldgirmes. Foto: Michael Schepp
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Lahnau-WaldgirmesDer letzte Sieg der Drittliga-Volleyballer des TV Waldgirmes liegt schon eine Weile zurück. Es war der 14. Dezember, als die Lahnauer den TV Feldkirchen in eigener Halle mit 3:1 besiegten. Seitdem warten sie auf die nächsten Punkte. Die Folge: Mittlerweile ist der TVW auf den vorletzten Rang abgerutscht und müsste nach aktuellem Stand in die Regionalliga. Zwei Duelle hat der TV Waldgirmes noch vor der Brust.
"Sollten wir absteigen, dann liegt das nicht an den letzten beiden Partien die noch warten, sondern an der gesamten Saison", sagt Trainer Thomas Autzen, der zusammen mit Daniel Bock für die Truppe verantwortlich ist. Im Interview mit dieser Zeitung spricht der 55-Jährige über die sportliche Talfahrt, warum er an den Klassenerhalt glaubt und weshalb er sich um den Club trotzdem Sorgen macht.
Thomas, machen Sie sich um den TV Waldgirmes Sorgen?
Die mache ich mir schon, seit ich beim TV Waldgirmes bin. Wir haben bei den Männern mittlerweile Spieler, die kürzertreten und uns nicht mehr so zur Verfügung stehen wie vielleicht noch vor ein paar Jahren. Hinzu kommt, dass aus dem Nachwuchs nicht so viel nachkommt, um langfristig planen zu können. Dabei müssen wir aber unsere Talente entwickeln. Das ist unsere Philosophie. Doch dann tauchen eben Fragen auf: Brauchen wir vielleicht nicht einen hauptamtlichen Jugendtrainer? Ist es richtig, auf eine Frauen- und Männermannschaft im oberen Leistungsbereich zu setzen, was vielleicht einmalig in Deutschland ist? Verstehen Sie mich bitte nicht falsch: Das sind Feststellungen, keine Schuldzuweisungen. Ich habe großen Respekt vor dem Organisationsteam des TV Waldgirmes und trage dieses Modell mit. Aber Fakt ist eben: Andere Vereine wie der VC Wiesbaden oder der TuS Kriftel konzentrieren sich auf ein Geschlecht, andere geben Geld aus, um sich mittelfristig in der 2. Liga zu etablieren. Beides machen wir nicht, und dafür gibt es auch gute Gründe. Dann steht das ganze Konstrukt natürlich auf wackeligen Beinen.
Die Männer stehen auf einem Abstiegsplatz: Was sind die Ursachen für die Krise?
Gründe dafür gibt es seit der Hinrunde und auch schon vor dem Saisonstart. Peter Schlecht hat sich entschlossen, die Frauen zu übernehmen. Peter Preisendörfer entschied sich dafür, in die zweite Mannschaft zu gehen, da er beruflich stark eingespannt ist. Davin Peters stand nur in der Hinrunde zur Verfügung, Pirmin Kükelhahn musste seine Karriere aus gesundheitlichen Gründen beenden. Henri Oetken fiel lange Zeit aus, Marco Henschel ist bis jetzt noch verletzt. Mit Marvin Afflerbach rückte zwar ein großes Talent aus der "Zweiten" auf, doch er braucht Zeit, um sich an die Liga zu gewöhnen. Somit haben von sechs Stammkräften drei, vier Jungs gefehlt. Hinzu kommt, dass Spieler wegen Klausuren oder familiären Verpflichtungen uns nicht durchgängig zur Verfügung stehen. Und dann fahren wir eben nur mit einer Rumpftruppe zum USC Konstanz, der ebenfalls um den Klassenerhalt kämpft. Ich wusste vor der Saison bereits, dass der dünne Kader zum Problem werden könnte. Da lasse ich mich auch von der Vizemeisterschaft aus dem vergangenen Jahr nicht blenden. Damals haben wir das unter anderen Voraussetzungen geschafft.
Was macht Sie für die letzten beiden Spiele der Saison optimistisch?
Klar ist: Sollten wir absteigen, dann liegt das nicht an den letzten beiden Partien, sondern an der gesamten Saison. Das Beispiel Konstanz hatte ich eben schon angesprochen. Auch beim Letzten TV Feldkirchen gewinnen wir das Hinspiel mit personellen Sorgen lediglich mit 3:2 und sammeln damit nur einen Punkt.
Aber ich glaube, die Truppe kann mit der Situation umgehen. Wir werden alles versuchen, um den Klassenerhalt zu schaffen. Damit fangen wir gegen Stuttgart in zwei Wochen an. Das Sportliche steht bei uns nun im Vordergrund. Gespräche mit Spielern, aber auch mit mir, wie es in der neuen Saison weitergeht, stehen erst danach an.