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10 000 Euro im Pappkarton

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Ein 44-jähriger Geschäftsmann aus Gießen und ein 45-Jähriger aus Marburg müssen sich wegen Drogenhandels in großem Stil vor dem Landgericht Gießen verantworten. Foto: Czernek © Czernek

Drogenhandel und Clankriminalität: Der Prozess am Landgericht Gießen gegen einen Gießener Geschäftsmann und einen 45-Jährigen aus Marburg wird fortgesetzt.

Gießen. Drogenhandel im großen Stil, kriminelle Clans, Hausdurchsuchungen: In dem Prozess um einen Gießener Geschäftsmann ist alles enthalten, was man auch aus TV-Krimis kennt. Der 44-Jährige und ein 45-Jähriger aus Marburg müssen sich zurzeit wegen des schwunghaften Drogenhandels vor der Siebten Großen Strafkammer des Landgerichts Gießen verantworten. Ihnen wird vorgeworfen, in der Zeit zwischen Januar 2020 und Januar 2022 die Einfuhr von mindestens zehn Kilogramm Heroin und 45 Kilogramm Kokain bandenmäßig organisiert und Transporte aus den Niederlanden, Spanien oder Kroatien nach Montenegro und nach Italien bewerkstelligt zu haben.

In untergeordneten Rollen sollen sie dabei von zwei weiteren Männern im Alter von 47 und 63 Jahren unterstützt worden sein. Aufgrund der Auswertung von Daten aus gehackten Kryptohandys kam das Verfahren ins Rollen. Der Prozess gehört bundesweit zu den ersten dieser Art.

In den vergangenen Verhandlungstagen erläuterten die Ermittler des Bundeskriminalamtes ihre Ergebnisse. Demnach soll der Hauptangeklagte enge Kontakte zu einem Clan aus Montenegro gepflegt haben. Nach Aussage des BKA-Ermittlers betreibt dieser Kokain-Großimporte aus Südamerika nach Europa. Dieser Clan sei für etliche Morde verantwortlich, da er sich mit einer weiteren Familie, die aus Montenegro stamme, einen regelrechten Krieg liefere. Bei einem Kapitalverbrechen soll der Hauptangeklagte Beihilfe geleistet haben. Diese Ermittlungen würden noch andauern, deshalb konnte der Beamte keine konkreteren Angaben machen.

Hausdurchsuchung mit Spezialeinheit

Aus diesen Gründen stand am 19. Januar, 6 Uhr, auch eine Spezialeinheit der Terrorismusbekämpfung vor der Tür des Angeklagten, um ihn festzunehmen. Bei der anschließenden Hausdurchsuchung fanden sie zwar einige Handys, jedoch keine Drogen. Auch eine Lagerhalle des Angeklagten wurde durchsucht. Der Beamte schilderte sie als unaufgeräumt und verdreckt, es gab keinen Strom. Sie habe auf ihn gewirkt, als ob dort schon lange Zeit nichts mehr passiert sei. Auch die weiteren Räume, unter anderem Büroräume, hätten einen verlassenen Eindruck gemacht. »Da war ein Bildschirm, der mindestens schon zehn Jahre alt war«. Allerdings wurden weder dort noch im Haus Drogen oder Kryptohandys sichergestellt.

Sehr dramatisch war wohl auch die Hausdurchsuchung bei dem zweiten Angeklagten, einem in Marburg lebenden Kasachstaner, gewesen: Ebenfalls am 19. Januar stürmte eine Spezialeinheit dessen Haus, brach dabei die Haustüre auf und eine Fensterscheibe.

Dort wurden mehr als 10 000 Euro gefunden, für die der Angeklagte mehrere Erklärungen bereit hatte: Ein Betrag in Höhe von 1400 Euro sei für eine Holzlieferung gewesen, die er an diesem Tag erwartet hatte. Der Holzlieferant würde auf Barzahlung bestehen. Die anderen 8400 Euro seien für seinen Sohn. Warum diese Summe in einem Pappkarton aufbewahrt wurde, diese Frage blieb ungeklärt. Drogen oder Kryptohandys wurden auch hier nicht gefunden.

Eigentlich sollten noch drei weitere Zeugen zu den Vorgängen aussagen. Diese verweigerten jedoch die Aussagen, um sich nicht selbst zu belasten, da sie alle mit Drogengeschäften in Verbindung stehen.

Ein Teil des Verfahrens wurde nun abgetrennt. Im Rahmen einer Hausdurchsuchung wurden bei einem 46-jährigen Mann etliche Päckchen Heroin auf einem Gartengrundstück in Mücke gefunden. Diesen Besitz hatte er auch zugegeben, nicht aber dessen Handel. Aus Gründen der Verfahrensökonomie wird dieses Verbrechen nun gesondert behandelt.

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