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146 Mal um Rat und Hilfe gefragt

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Mehr häusliche Gewalt ist nach Beobachtungen des Vereins Weißer Ring eine Folge der Pandemie. © Gollnow/dpa

2021 wandten sich 146 Betroffene von Gewalttaten an die Gießener Opferberatungsstelle des Weissen Rings. Eine deutliche Zunahme von häuslicher Gewalt und sexuellem Missbrauch ist verzeichnet.

Gießen (red). Neben dem Jahresthema «Zeig Zivilcourage« des Weissen Rings stellt die Leiterin der Außenstelle Gießen, Karin Skib, auch die Statistik der Außenstelle des letztes Jahres vor. Anlass ist der bundesweite Tag der Kriminalitätsopfer am 22. März.

2021 wandten sich 146 Betroffene von Gewalttaten an die Gießener Opferberatungsstelle, wovon etlichen aufgrund der Pandemie über Video-Gespräche, auf dem Postweg sowie telefonisch oder per E-Mail geholfen werden konnte. Unter Corona-Bedingungen fanden aber auch viele persönliche Gespräche statt.

Erneut stiegen die in der Außenstelle gemeldeten Delikte »sexueller Missbrauch« und »häusliche Gewalt« gegenüber 2020 an, gefolgt von Körper-verletzung, Stalking, Diebstahl/Einbruch-Diebstahl und Mord/versuchte Tötung. Unter Corona-Bedingungen konnten weiter Vorträge gehalten, an öffentlichen Veranstaltungen und Austauschen teilgenommen werden.

Durch Spenden, Mitgliedsbeiträge, Nachlässe und Gerichtszuweisungen ist der 1976 in Mainz gegründete Weisse Ring in der Lage, neben der menschlichen Betreuung finanziell zu unterstützen. So stieg auch die finanzielle Hilfe durch die Außenstelle im letzten Jahr auf fast 22 000 Euro. Zusätzlich wurde 39 Mal ein Scheck für eine Erstberatung bei einem Strafrechtsanwalt herausgegeben. Der Gesamtwert liegt hier bei 7410 Euro. Hinzukommen Übernahmen von Prozesskosten im Verfahren.

Wie wichtig Zivilcourage ist, wissen die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in den Außenstellen des Weissen Rings nur zu genau. Einschreiten bei Körperverletzungen, Meldungen von sexuellem Missbrauch oder häusliche Gewalt sowie Hass und Beleidigungen im Netz werden immer wichtiger.

Zivilcourage hat viele Gesichter. Das Wichtigste ist jedoch, sich nicht selbst in Gefahr zu bringen und nur das zu tun, was man sich wirklich zutraut, wird von Skib betont.

Die Situation zu beobachten und aus der Distanz zu handeln, in dem man die Polizei ruft, ist eine Möglichkeit, die jeder beherzigen kann. Aber auch andere Personen aufmerksam machen und um Mithilfe zu bitten, ist richtig.

So kann lautes Schreien wirken, wenn man selbst betroffen ist.

In den letzten Jahren nimmt erfahrungsgemäß der Hass im Netz und das Cyber-Mobbing erheblich zu. Auch hier wird die Zivilcourage immer wichtiger. Einmischen durch Gegenrede ist ein Mittel sowie das Melden an Behörden.

Die Außenstellenleiterin Karin Skib weist darauf hin, dass der Weisse Ring für Schulen mit den Sekundarstufen I und II kostenfrei Unterlagen zur Verfügung stellt. Diese sind über die Außenstelle unter der Rufnummer 0641/ 5592990 oder per Mail an skib.karin@mail.weisser-ring.de zu beziehen

Weitere Informationen können eingeholt werden unter www.weisser-ring.de.

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