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20-Euro-Schuld sorgt für Gerichtsprozess

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Gießen (ebp). Weil er einem anderen Mann Schläge angedroht haben soll, um verliehenes Geld zurückzuerhalten, musste sich ein 35-jähriger Iraner wegen versuchter räuberischer Erpressung vor dem Schöffengericht am Gießener Amtsgericht verantworten. Doch während der Angeklagte pünktlich erschien, blieb der als Zeuge geladene mutmaßlich Geschädigte der Verhandlung unentschuldigt fern.

Polizisten, die ihn von seiner Wohnung in Linden nach Gießen bringen sollten, trafen den Mann dort nicht an - und stellten bei der weiteren Überprüfung fest, dass der Zeuge unbekannt verzogen ist.

Wie es zu dem Vorfall kam, hatte der Angeklagte zuvor aus seiner Sicht geschildert: Mehrfach habe er dem anderen Mann Geld geliehen und auch stets zurückerhalten. 20 Euro, von dem der Zeuge sich Marihuana habe kaufen wollen, sei dieser ihm aber schuldig geblieben. Daraufhin habe er ihn im Oktober vergangenen Jahres im Bus der Linie 5 »sehr freundlich« um Rückzahlung gebeten.

Anstatt seine Schulden zu begleichen, habe sein Bekannter jedoch so getan, als wisse er nichts von dem Geld. Gewalt habe der Angeklagte ihm keine angedroht und sich »sehr gewundert«, als an der Haltestelle »Theodor-Litt-Schule« plötzlich die Polizei gerufen wurde.

Als »ruhig und sachlich« beschrieb im Anschluss der als Zeuge geladene Hauptkommissar den Angeklagten, der sich gegenüber der Polizei »sehr kooperativ« verhalten habe. Der mutmaßlich Geschädigte jedoch sei auch bei der Polizei unzuverlässig gewesen.

Nach einer Unterbrechung verkündete die Vorsitzende Richterin Sonja Robe, dass anstatt räuberischer Erpressung hier auch Nötigung in Betracht komme. Wegen geringer Schuld wurde das Verfahren eingestellt. Die Kosten für das Verfahren sowie die Auslagen des Angeklagten fallen der Staatskasse zur Last.

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