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20 Jahre Mathe zum Mitmachen

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Von 50 auf 200: Prof. Albrecht Beutelspacher spricht über Beginn und Perspektiven des Mathematikums. Foto: Czernek © Czernek

Am 19. November wird das Mathematikum in Gießen 20 Jahre alt. Ab 12 Uhr gibt es Geburtstagstorte und viele Überraschungen, verspricht Gründer Prof. Albrecht Beutelspacher im Interview.

Gießen. Das Mathematikum wird heute 20 Jahre alt. Das ist noch kein großes Jubiläum, aber Grund genug, über die Erfolgsgeschichte des ersten Mitmachmuseums Deutschland mit seinem Gründer und Leiter, Prof. Albrecht Beutelspacher, zu sprechen.

Rückblick: Vor 20 Jahren eröffneten Sie das Mathematikum. Welche Erinnerungen verbinden Sie mit dem Tag?

Zu Eröffnung kam der damalige Bundespräsident Johannes Rau. Von dem Bundespräsidialamt hatten wir den Termin genannt bekommen: 19. November, 11 Uhr. An diese Zeitvorgabe haben wir uns gehalten und habe den Eröffnungstermin nach dem Terminkalender des Bundespräsidenten geplant. Wir starteten mit 50 Exponaten im Erdgeschoss und im ersten Stock. Schnell war klar, dass wir auch die anderen Räume benötigten. 2003, ein Jahr später, weihten wir das zweite Obergeschoss einschließlich der Kugelbahn ein.

Mit 50 Exponaten haben Sie angefangen. Wie viele sind es heute?

In dem Museum finden Sie rund 200 Experimente, davon sind rund 170 interaktiv. Diese sind hier fester Bestandteil. Zurzeit haben wir einige Exponate aus hygienischen Gründen - wegen Corona - herausgenommen. Die Sonderausstellungen sind unser flexibles Gestaltungselement, das die Besucher immer wieder neu hierherlockt.

Gibt es noch Exponate aus der Eröffnungszeit?

Ja - alle - wenn man die Darstellung der jeweiligen Funktion meint. Aufgrund der Benutzung mussten manche ausgetauscht werden.

Haben Sie einen Favoriten unter den Exponaten?

Alle 200 Experimente sind durch meine Hände gegangen. Insofern sind das alle meine Kinder, die ich alle mag. Die kleinen, manchmal unscheinbaren Versuchsobjekte, deren Lösung oft kniffelig sind, die gefallen mir besonders.

Was macht den Spirit des Mathematikums aus?

Jeder - von klein bis groß -wird hier etwas Spannendes für sich finden. Wir achten darauf, dass Qualität, Funktionalität und Erläuterungen der Experimente stimmen. Die Besucher finden nichts Fertiges, sondern werden selbst kreativ. Und: Hier funktionieren die Experimente einfach und das über Jahre. Wir achten auf eine gute Verarbeitung und dass sie auch für den Besucher begreifbar sind. Das kann man nur erreichen, wenn man die Werkstatt im eigenen Haus hat. Daraus hat sich ein eigenes Mathematikum-Design entwickelt.

Die Schrecken der Pandemie treten langsam in den Hintergrund. Wie ist der aktuelle Stand bei den Besucherzahlen?

Während der Pandemie sind wir sehr verantwortungsvoll mit der jeweiligen Situation umgegangen, haben neue Online-Formate kreiert und ein Buchungssystem eingeführt. Das hat sich ausgezahlt. Unsere Besucherzahlen sind in diesem Jahr kontinuierlich wieder gestiegen. Wir erreichen etwa drei Viertel der Zahlen vor Corona. Wir sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden.

Nach Corona kommt die Energiekrise. Welche Anstrengungen haben Sie dafür im Blick?

Aktuell rüsten wir sämtliche Lampen auf LED um. Zudem werden wir im kommenden Jahr sämtliche Fenster ersetzen. Das wird ein großes Unterfangen, das finanziert werden muss, denn das Mathematikum muss sich selbst unterhalten und sämtliche Kosten selbst erwirtschaften.

In den vergangenen Jahren sprühte das Mathematikum nur so von besonderen Events. Es ist ruhiger geworden. Wie sehen die Planungen für die nähere Zukunft aus?

Durch Corona mussten wir viele unserer Aktivitäten zurückfahren und operieren jetzt immer noch sehr vorsichtig. Durch Corona haben wir auch einige Mitarbeiter verloren. Aktuell haben wir 60 Mitarbeiter, damit können wir unser Tagesgeschäft gut abdecken Lieber kleinere Formate auflegen, als etwas Großes planen, das dann möglicherweise nicht stattfinden kann. Wir werden im kommenden Jahr wieder zusätzliche Veranstaltungen und Events durchführen. Außerdem planen wir zwei Sonderausstellungen, zum Thema »geheim« und zu dem Bereich »Rechenmaschinen«. Das ist ein Grund zum Feiern.

Was planen Sie an Ihrem Jubiläumstag?

Wir starten am heutigen Samstag um 11 Uhr mit einer Neuauflage der Kindervorlesung, die dann wieder monatlich stattfinden soll. Dieser Klassiker gehört einfach zum Mathematikum. Um 12 Uhr wird es eine Geburtstagstorte geben und mal sehen, was uns sonst noch so einfällt. Ein Besuch lohnt sich jedenfalls.

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