2020 in Gießen: Ein Jahr der Sorgen, aber auch der Hilfsbereitschaft

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GIESSEN - (fod). Bei der ersten Corona-Welle im Frühjahr waren die über 20 Schwerkranken auf den Intensivstationen des Uniklinikums (UKGM) schon schlimm, inzwischen sind es mehr als 40, und inklusive Normalstationen über 100 Patienten. Auch Evangelisches Krankenhaus und St. Josefs Krankenhaus-Balserische Stiftung kämpfen mit der Pandemie. Wie lange scheint es heute her, dass am 1.

April das für den gesamten Landkreis zuständige Testcenter in der Rivers-Sporthalle eröffnete, mitsamt "Drive-through". Zusätzlich richtete dort das Gesundheitsnetz Gießener Hausärzte (GNGH) eine Corona-Schwerpunktpraxis ein. Nach eher ruhigen Sommermonaten stieg die Zahl der täglich Getesteten mit der zweiten Welle auf bis zu 500 an. Für Entlastung sorgen mittlerweile privat betriebene Testcenter, ein "Drive-in" in Kleinlinden und eines an der Margaretenhütte; ein "Walk-in" an der Hessenhalle hat schon wieder geschlossen.

Auch beim weltweiten Kampf gegen das Virus wirken Gießener an vorderster Front, so etwa die Firmen Alcedis als Auftragsforschungsinstitut und Munditech mit einem pflanzenbasierten Lack, der Viren auf Oberflächen abtötet. Oder Prof. Susanne Herold: Die Leiterin der Infektiologie am UKGM ist als Expertin immer wieder in TV-Sendungen zu sehen.

Die Liste der abgesagten Veranstaltungen reicht von Stadtfest über Fassenacht bis hin zum Weihnachtsmarkt. Nach der Maskenpflicht beim Einkaufen gilt diese inzwischen auch für Fußgängerzonen. Trotz der strengen Auflagen gelang es Jörg Bergstedt, vor dem Bundesverfassungsgericht eine zuvor von der Stadt nicht genehmigte Demo einzuklagen, die mit 50 Teilnehmern vor dem Rathaus stattfand. Während das Möbelgeschäft Sommerlad vom Verwaltungsgericht erlaubt bekam, zu öffnen, ohne die Verkaufsfläche reduzieren zu müssen.

Unvergesslich bleibt das Jahr ebenso wegen der großen Hilfsbereitschaft: Bürger kaufen für Ältere ein, Profisportler liefern für die Tafel aus, Gastronomiebetriebe beschenken Klinikbeschäftigte mit Speisen, Kunden unterstützen ihre Lieblingslokale und -geschäfte im Lockdown. Kreative Lösungen, wie auch Online-Gottesdienste oder Gesangsauftritte vor Altenwohnheimen, helfen, die Auswirkungen der Krise ein wenig zu lindern.

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