2G oder 3G? Auch in Gießen entscheiden Einzelhändler selbst

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GIESSEN - (olz). Wer die Wahl hat, hat die Qual? Zugegeben, das mit der Wahl stimmt schon. Denn seit dieser Woche können Einzelhändler selbst entscheiden, ob in ihren Räumen 2G oder 3G gilt. Mit der Qual scheint es allerdings nicht so weit her zu sein, wie im Gespräch mit Innenstadtakteuren deutlich wird. "Ich kann in Einzelfällen Gastronomen verstehen, die wegen ihrer kleinen Räume auf 2G setzen.

Wer aber die Abstände unter 3G gewährleisten kann, wird sich überlegen, ob er auf ein Drittel seiner Kundschaft verzichtet", sagt Thomas Kirchhof, Vorsitzender des BIDs Marktquartier. Auch Arno Jung, Mitinhaber der Papeterie "Punkt und Strich", sieht den Wechsel zu 2G eher kritisch.

"Wir stehen auf der Seite unserer Kunden und setzen auf die weitestgehende Möglichkeit, damit sie uns besuchen können", begründet Jung das Festhalten der Papeterie am bisher gültigen 3G. Ohnehin sei die Inzidenz derzeit denkbar niedrig und weit von Grenzfällen entfernt. Zudem fehle das Personal, um etwa Impfpässe zu kontrollieren. So geht es auch Alexandra Herrmann, Leiterin der "Thalia"-Filiale im Seltersweg. "Wir halten weiterhin an 3G fest, weil wir personell nicht in der Lage sind, Impfpässe zu überprüfen", erklärt Herrmann. "Auch wir halten die Wahlmöglichkeit nicht für sinnvoll und werden 2G nicht anwenden", erläutert Dimitrij Nordgeimer von "Edeka Nordgeimer" in der Frankfurter Straße. Man sei Versorger und werde jedem Kunden die Möglichkeit zum Einkauf geben.

"Ich sehe die Neuregelung als weiteren Versuch, die Gesellschaft zu spalten", moniert Kirchhof. Verständnis für die Einführung von 2G im Einzelhandel hätte er dann, wenn beispielsweise in den Krankenhäusern die Intensivbetten voll belegt seien. Das sei aktuell aber nicht der Fall. Markus Pfeffer, Geschäftsführer des BIDs Seltersweg, hält 2G in Geschäften derzeit ebenfalls nicht für sinnvoll. Eines seiner Argumente: Es gebe "im Einzelhandel mit Sicherheit Beschäftigte, die nicht geimpft sind. Damit geht dieses Szenario auf keinen Fall." Seitens des Handels habe er keine Meldung, dass man das 2G-Modell in Erwägung ziehe, berichtet Kai Hodenius, Vorsitzender des BIDs Theaterparks. Die Entscheidung treffe jeder Händler, Dienstleister oder Gastronom selbst und werde dabei vom BID unterstützt.

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