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400 Impfungen werden bei der Allendorfer Feuerwehr verabreicht: Die Warteschlangen bleiben die meiste Zeit überschaubar, die Halle schützt vor Nässe und Kälte.

Corona

400 Impfungen in Allendorf

Im Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr Gießen-Allendorf ist schnelle und unkomplizierte Hilfe geleistet worden. 400 Impfungen konnten verabreicht werden.

Gießen . »Das ist ein guter Tag, wir feiern das heute.« Die Freude ist dem Paar, das nach dem Pieks genüsslich die gut aussehenden Bratwürste genießt, anzumerken. Die Beiden - sie wohnt im benachbarten Lützellinden, er in Heidelberg - freuen sich wie die Schneekönige über die Möglichkeit, sich dank der Allendorfer Feuerwehr schnell und unkompliziert impfen zu lassen. In Heidelberg bekam er so schnell keinen Termin und so machte sich Erleichterung breit, am Samstagmorgen rasch beim Besuch in Lützellinden die Gelegenheit zu nutzen und rüber in das Kleebachdorf zu fahren.

Nicht lange überlegt

Zustande kam die Impfaktion der Freiwilligen Feurwehr im Kleebachdorf nachdem das Arztehepaar Ute und Lutz Schinke die Vereinsführung angeschrieben und sie von der Möglichkeit einer Impfung vor Ort informiert hatte, berichten Wehrführer und Vorsitzender Elmar Klee und sein Stellvertreter Tobias Deuster. Nach interner Beratung stand für den Verein fest: »Das machen wir«.

Organisatorisches und Regeln stimmten die Freiwilligen mit der Stadt ab und erhielten das Einverständnis zum Durchführen. Die Fahrzeughalle räumten sie um und so wurde daraus ein vorübergehendes Impfzentrum. Draußen bauten Mitglieder einen Verpflegungsstand auf, wo es kostenlos Bratwurst, Kaffee, Muffins, Spekulatius und Erfrischungen gab, Spenden wurden gerne gesehen.

Eingeladen über Facebook, durch Mund-zu-Mund-Propaganda und Veröffentlichungen waren Menschen, die noch nicht geimpft waren und deren Impfung rund sechs Monate zurücklag. Um 8.30 Uhr kamen die ersten Impflinge, 20 reihten sich gleich ein. Nina Bartl, Tochter des Arztehepaares Schinke, empfing die Impfwilligen, erklärte den Ablauf. Geschützt vor der Kälte und Regen standen die Wartenden unter dem Dach und mussten meist nicht lange anstehen. »Die Leute sind geduldig«, resümierte die Assistentin. Nachmittags gab es heiße Zitrone für die Menschen, die auf die Spritze warteten, die Kinder von Nina Bartl verteilten das Getränk.

Spontaner Beitritt zum Förderverein

Eine Dame mit Rollator fühlte sich bei den Blauröcken so gut aufgehoben, dass sie gleich einen Aufnahmeantrag für den Förderverein ausfüllte. Und ein weiterer Impfling zeigte sich beeindruckt von dem Geschehen im Feuerwehrhaus und ist jetzt neues Mitglied bei den Allendorfer Blauröcken. Andere nahmen als Gedächtnisstütze Anträge mit.

Frederik Lepere und Katharina Dietrich hatten den kürzesten Weg zur vorübergehenden Impfstation: Sie wohnen direkt gegenüber der Feuerwehr und mussten nur 50 Schritte zurücklegen, um ihre Unterlagen, die Einwilligungserklärung und das Aufklärungsmerkblatt auszufüllen. Fredrik wurde gleich geimpft, Katharina musste den »weiten« Weg noch einmal zurücklegen, weil sie noch keine 30 ist und bekam am Sonntag deshalb einen anderen Impfstoff.

Aus Lich reiste Lea Gerber an, Freunde aus Allendorf informierten sie vom Termin und weil sie in Lich höhere Wartezeiten vermutete, nahm sie den Weg gerne in Kauf. »Sehr gut«, so ihre Bewertung. »Schnell, unkompliziert, ohne großen Aufwand«, das gefiel der Kleinlindenerin Silke Voigt, die über Freunde und Bekannte vom Angebot der Allendorfer Feuerwehr erfahren hatte. Nach Angaben der Allendorfer Blauröcke sei sogar ein Mann aus Siegen bei der Feuerwehr vorgefahren und habe sich seine Spritze abgeholt.

Auf seiner Heimreise schaute Walter Kafurke, ein gebürtiger Lützellindener, im Feuerwehrgerätehaus vorbei. Bevor er seinen Wohnort Esens - eine Kleinstadt im ostfriesischen Kreis Wittmund an der Nordsee - ansteuerte, nutzte er die Gelegenheit, sich den Impfstoff Moderna im Nachbarort seiner alten Heimat, in den er im kommenden Jahr wieder zurückkehren will, verabreichen zu lassen. Er zeigte sich dankbar für die unkomplizierte Möglichkeit.

Zügig verlief das Impfen während der beiden Tage, das Probeimpfen am Freitag für die Mitglieder der Feuerwehr und Angehörige, rund 50 Personen, gab allen Beteiligten das Rüstzeug für das Impfen am Wochenende. Samstagmorgen lag die Wartezeit bei rund 60 Minuten, es herrschte großer Andrang in der Zeit von 9 Uhr bis 11 Uhr. Um 14.26 Uhr kam die Meldung: »Die Impfdosen sind aus.« Vier, fünf Wartende mussten also umkehren, nahmen es aber gelassen hin.

Nur wenige Erstimpfungen

Am Ende wurden 400 Menschen geimpft, verschwindend gering der Anteil an Erstimpflingen mit sieben, acht Teilnehmenden. »Wir sind alle«, sagte ein sichtlich zufriedener Dr. Lutz Schinke und sprach auch für sein Begleitteam. Er verwies auf die organisatorische Herausforderung, die ein solcher Termin mit sich bringe. Doch das nette Team und die Mannschaft der Feuerwehr, die ständig präsent war, sowie die Geduld und das Verständnis der Menschen entschädigte alle Beteiligten für den zweitägigen Einsatz. Schinke am Ende des Tages: »Ich impfe gerne, das ist die beste Möglichkeit, Krankheiten zu verhindern.«

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