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4000 Euro für die Diakonie

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Von: Rüdiger Schäfer

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Das Ehepaar Steil mit Sigrid Unglaub, Holger Claes und Gertrud Monninger-Wolf. Foto: Schäfer © Schäfer

Historiker Dieter Steil spendet Stiftungspreis an Tafel und Wohnungslosenhilfe Gießen.

Gießen. 4000 Euro eines Preisgeldes spendete der Historiker Dieter Steil dem Diakonischen Werk. Davon gingen 3000 an die Wohnungslosenhilfe und 1000 Euro an die Tafel. Steil ist gemeinsam mit seiner Ehefrau Hedwig seit vielen Jahren ein Unterstützer der örtlichen diakonischen Arbeit. Der am Monatsende in den Ruhestand tretende Diakonie-Leiter Holger Claes und seine Nachfolgerin Sigrid Unglaub gratulierten zu diesem Preis und dankten für die finanzielle Unterstützung. Gertrud Monninger-Wolf von der Wohnungslosenhilfe schloss sich dem an.

Für die Edition des Briefwechsels Cosima Wagner - Hermann Levi hatte die Schweizer Stiftung Kreatives Alter dem bekannten Gießener Historiker Dieter Steil beim 16. Wettbewerb in 2022 einen Preis der Anerkennung verliehen.

Aussöhnung

Viel getan hat Steil für die Aussöhnung zwischen Christen und Juden. Auf diese Lebensleistung kann der 84-jährige ehemalige Studiendirektor voller Stolz zurückblicken. Durch seine Vorträge, eigene Forschungen und Veröffentlichungen hat er dazu beigetragen, dass die Geschichte, das Leben und Wirken der jüdischen Bevölkerung in Gießen wieder in Erinnerung gerufen wurde. Außerdem hat er im Einsatz für Menschlichkeit und Mitmenschlichkeit viele ehemalige Gießener Juden ausfindig gemacht und Kontakte zu Überlebenden geknüpft. Der Geschichte von zahlreichen jüdischen Familien, Universitätsangehörigen und Rabbinern aus Gießen hat er so ein Gesicht gegeben.

Mit der Edition des Briefwechsels zwischen Cosima Wagner und Hermann Levi hat Historiker Steil erstmals den musik- wie kulturgeschichtlich bedeutenden Gedankenaustausch der beiden vollständig vorgelegt.

Levi, Sohn eines Gießener Rabbiners und erster Dirigent der Münchner Hofoper, war Richard Wagner anlässlich der Uraufführung des »Parsifal« vorgestellt worden. In dieser Zeit hatte sich der 1839 in Gießen geborene Wagner-Dirigent Levi schon ganz in den Dienst des antisemitischen Dichter-Komponisten gestellt. Der von Dieter Steil herausgegebene Briefwechsel macht erstmals alle erhaltenen 684 Briefe zwischen Cosima Wagner und Hermann Levi aus den Jahren 1874 bis 1900 der Öffentlichkeit zugänglich.

Der Briefwechsel zeigt unter Vielem, auch Trivialem, wie im immer ruppiger werdenden Antisemitismus Bayreuths der Dirigent zunehmend als Problemgestalt empfunden wurde oder wie sehr Cosima Wagner mit missionarischem Eifer Levi zu einem Religionswechsel drängte. Man erhält, gewissermaßen aus dem Innersten, einen Blick in die Verhältnisse von Bayreuth, das Cosima als Zentrum der deutschen Kunst sah. Zu jedem Brief ist ein sorgfältig erarbeiteter Kommentar beigefügt, durch den Zusammenhänge erschlossen werden. So wird diese Edition im Einklang mit renommierten Musikwissenschaftern als ein Meilenstein für die Wagner-Forschung und als Quellenwerk mit Referenzcharakter bezeichnet.

Steil: »Ich bin stolz, gerade am Geburtstag von Hermann Levi einen Teil meines Preisgeldes spenden zu können.« Seine Frau fügte hinzu: »Ich freue mich jedes Mal, wenn eine Veranstaltung im Hermann-Levi-Saal stattfindet.« Der große Veranstaltungsraum im Rathaus trägt diesen Namen. Steil bedauerte, dass die aufsuchende Straßenarbeit ein Bereich sei, der beim Spendensammeln oft zu kurz komme.

Claes berichtete zur Tafel, dass in diesem Jahr die wöchentliche Nahrungsmittelversorgung in der Einrichtung von 3000 auf 4000 Bedürftige gestiegen sei. Zur Notfallwohnungshilfe sagte er: »Wir müssen raus aus unserem bisherigen Domizil Dammstraße und brauchen dringend Gelder für Umbaumaßnahmen in der neuen Bleibe.« Tag für Tag kämen 60 bis 80 Menschen zu ihnen.

Monninger-Wolf ergänzte, dass darunter inzwischen auch viele Geflüchtete wären, die »kaum eine Möglichkeit haben, eine eigene Wohnung zu finden.« Voraussichtlich würden demnächst auch noch Ukrainer bei ihnen ankommen. »Wir sind am Ende der Möglichkeiten.«

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