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450 Betreuungsplätze fehlen

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Von: Rüdiger Schäfer

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Im Familienzentrum Schlangenzahl der Evangelischen Petrusgemeinde gibt es einen Eltern-Kind-Spielkreis. Foto: Schäfer © Schäfer

»Alltagsunterstützenden Zusatzkräfte«: Der Jugendhilfeausschuss der Stadt Gießen beschließt Änderung bei Mindeststandards der Personalausstattung in Kinderbetreuungseinrichtungen.

Gießen. Seit August 2019 sind »Allgemeinunterstützende Zusatzkräfte« mit einer 0,25 Vollzeitäquivalenz in den Kinderbetreuungseinrichtungen in der Stadt tätig. Doch bisher galt dies ausschließlich für Kindergruppen, die lediglich Kinder bis zum vollendeten dritten Lebensjahr aufnehmen. Auch für Kindergruppen, die regelmäßig diese und ab Vollendung des dritten Lebensjahres in altersgemischten Gruppen aufnehmen. Und für Kindertageseinrichtungen mit nur einer Gruppe. Nun sollen rückwirkend ab dem 1. August 2022 die »Alltagsunterstützenden Zusatzkräfte« mit 0,25 Vollzeitäquivalenz in allen Kindergruppen vorgehalten werden. Diese Änderung der Mindeststandards hat der Jugendhilfeausschuss in seiner jüngsten Sitzung beschlossen.

Begründet wurde der Antrag damit, dass sich der Einsatz der »Alltagsunterstützenden Zusatzkräfte« bewährt habe und von den pädagogischen Fachkräften in den Kinderbetreuungseinrichtungen als Unterstützung und Bereicherung wahrgenommen werde. »Insbesondere im Kontext des sich immer deutlich und drastisch abzeichneten Fachkräftemangels.« Hierdurch könnten die Betreuungszeiten in den jeweiligen Betreuungseinrichtungen aufrechterhalten werden. Auch die Möglichkeit der Weiterentwicklung und Aufrechterhaltung der pädagogisch qualitativen Arbeit in den Kinderbetreuungseinrichtungen entstehe damit.

Im Vertrag über die städtische Förderung der Kindertageseinrichtungen hatte der Jugendhilfeausschuss am 6. November 2014 zur Umsetzung des Hessischen Kinderförderungsgesetzes (KiFöG) Vorgaben als Grundlage für planerische Berechnungen, Anträge auf Betriebserlaubnis sowie die Finanzierung durch die Stadt empfohlen. Es ging dabei um die Festlegung der Fachkraftschlüssel, die maximalen Gruppengrößen, die Zusammensetzung alterserweiterter Gruppen und erweiterte Öffnungszeiten: Gruppe U3: 10 Kinder, Kindergartengruppe: 25, Hortgruppe: 25, Altersmischung ab vollendetem erstem Lebensjahr: 18 im Verhältnis 4 zu 14, Altersmischung ab zweitem Lebensjahr: 20 im Verhältnis 4 zu 16.

Bei längeren Öffnungszeiten und einer differenzierten Ausgestaltung beträgt die personelle Besetzung bei ausschließlich bis zum vollendeten dritten Lebensjahr mindestens 2,0 Fachkräfte, bei ausschließlich älteren 1,75, ausschließlich im Schulalter 1,5, bei gemischten Gruppen 1,75 und bei nur einer Gruppe in der Einrichtung 2,0. Am 2. Juli 2015 wurde als Ergänzung unter anderem beschlossen, dass bei Kindern mit Integrationsmaßnahmen es maximal drei Kinder mit Behinderung in einer Gruppe geben soll. Am 13. August 2018 wurde aufgenommen, Zusatzkräfte für alltagsunterstützende Maßnahmen für bestimmte Gruppen vorzuhalten. Am 10. November wurde diese Regelung auf alle Gruppen erweitert.

Betreuung geflüchteter Kinder

Des Weiteren wurde einstimmig beschlossen, die Finanzierung und Weiterführung der aktuell bestehenden Angebote für die Betreuung und Förderung geflüchteter Kinder und Familien zunächst für ein Jahr - 2023 - sicherzustellen. Begründet wurde der Antrag mit dem Fehlen von aktuell etwa 450 Betreuungsplätzen für Kinder ab einem Jahr in Kindertagesstätten und der Kindertagespflege. Für Kinder, die nach der Flucht in Gießen einen Kita-Platz suchen, könnten häufig keine Betreuungsplätze gefunden werden. »Damit die Kinder dennoch niedrigschwellig an die institutionelle Kinderbetreuung herangeführt werden und vor allem Sprachförderung in einer Kindergruppe erhalten sowie die Familien in der Kindererziehung unterstützt werden, wurden Angebote in Form von Spielkreisen und Mini-Kitas initiiert.«

Die Finanzierung dieser Angebote ist vorerst bis Ende des Jahres vorgesehen. »Es ist absehbar, dass auch in 2023 noch nicht ausreichend Kita-Plätze vorhanden sein werden.« Deshalb der Antrag auf Förderung für zunächst ein weiteres Jahr.

Pro Stadtteil findet sich eine Spielgruppe oder eine Mini-Kita, die die Vernetzung der Familien untereinander fördert und den Kindern die Gelegenheit gibt, mit Gleichaltrigen in Kontakt zu treten. Zur Mini-Kita können Kinder kommen, die keinen Kita-Platz haben, so in der Nordstadt die Kita Paulusgemeinde und in Wieseck im Familienzentrum Gießener Straße. Eltern und ihre Kinder zwischen zwei und fünf Jahre ohne Kita-Platz können in eine der Eltern-Kind-Gruppen kommen. So bei »Eltern helfen Eltern« in der Rooseveltstraße 3, im Familienzentrum Schlangenzahl der Evangelischen Petrusgemeinde, im Familienzentrum Westwind in der Anne-Frank-Straße und im Stadtteil Lützellinden im »Haus der Gemeinschaft« An der Schule.

Ansprechpartner beim Jugendamt sind Annette Jakob Tel.: 0641/ 306-2462 und Christina Steudemann Tel.: 0641/ 306-2373.

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