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1,50 Meter Abstand muss es sein

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Von: Klaus-Dieter Jung

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In der Ludwigstraße wurde kontrolliert, ob Autofahrer die gestrichelte Linie zum Radweg beachteten. Fotos: Jung © Jung

Aktionstag: In der Ludwigstraße kontrollierte das Ordnungsamt Autofahrer beim Überholen von Fahrrädern. Teuer wurde es bei Überschreitungen ausnahmsweise aber nicht.

Gießen. Um das korrekte Miteinander von Auto- und Fahrradverkehr ging es am Freitag bei einem Kontrolltermin des Gießener Ordnungsamts. Die Ludwigstraße bis hinunter zur Bahnbrücke hatte eine Mitarbeiterin dabei stadtauswärts im Blick. Wenn die Autofahrer die erlaubten Überholabstände nicht beachteten, reckte sie ihre Kelle in die Luft. »Wir haben Sie angehalten, weil sie den Schutzstreifen befahren haben«, lautete ihre Begründung für das Herauswinken auf einen Parkplatz.

Ausnahmsweise keine 30 Euro

Im Rahmen eines bewusst in die Stadtradel-Wochen gelegten Aktionstages kontrollierte die Ordnungspolizei dabei auch, ob weitere Verkehrsregeln auf den Radwegen eingehalten wurden. Zudem hatte die Initiative »Schulen aufs Rad« ihre Radtouren zu Zielen in Stadt und Landkreis an diesem Tag geplant, wie Verkehrsdezernent und Bürgermeister Alexander Wright den als Beobachter eingeladenen Pressevertretern erläuterte.

Wer herausgefischt wurde, reagierte häufig erschrocken, fühlte sich ertappt, griff direkt zum Portemonnaie. Doch das Geld konnte in der Börse bleiben. Locker erläuterten die Ordnungspolizisten, dass es sich hier um eine Aufklärungsaktion handele und kein Bußgeld fällig wird. Sonst hätte es laut Vorgabe 30 Euro gekostet. Die Autofahrer wurden bei dieser Gelegenheit gleichzeitig aufgeklärt, dass ein Schutzstreifen lediglich bei Bedarf befahren werden kann und dies keine Normalität darstellen darf. In der Straßenverkehrsordnung ist festgelegt, dass beim Überholen innerorts mindestens 1,5 Meter Abstand zu Radfahrern einzuhalten sind, außerorts sind es sogar zwei Meter. Mit einer großen Tafel auf dem Heck des Einsatzfahrzeuges, die 1,50 Meter maß, verdeutlichten die Ordnungshüter, wie das in Realität ausschaut. »Wie breit 1,50 Meter, und zwar zwischen Spiegel und Lenker, tatsächlich sind, ist vielen gar nicht bewusst«, machte der Verkehrsdezernent deutlich. Grundsätzlich gilt: Autos müssen beim Überholen in der Stadt schon mit der Hälfte ihres Fahrzeugs die zweite Fahrspur oder die Fahrspur des Gegenverkehrs mitnutzen. Was bedeutet: Sie müssen Geduld mitbringen, bis sie auf vielbefahrenen Straßen Radler überholen können,

Der Bürgermeister wies zudem darauf hin, dass die überholten Radfahrer an der nächsten roten Ampel ohnehin wieder nach vorne rollen, um sich sicher im Blickfeld vor der Autoschlange aufstellen zu können. Warum also überhaupt dort ein Überholmanöver riskieren? Kritische Orte wie die Ludwigstraße, die sich aus Rückmeldungen der aktuellen, bis zum 5. Juni laufenden Online-Befragung zur Radverkehrssicherheit ergeben, sollen künftig öfter von der Ordnungspolizei kontrolliert werden, kündigte der Verkehrsdezernent an.

»Danke für die Info. Auf die Radfahrer achte ich schon immer«, reagierte ein verständnisvoller SUV-Fahrer. »Ich habe was gelernt und 30 Euro gespart«, lachte ein Golffahrer. Ein junges Pärchen in eleganter Kleidung, zu einer Hochzeit unterwegs, hörte hingegen nur mit halbem Ohr hin. Dennoch zufrieden mit den Menschen, die aufgeklärt wurden und sich dabei gelassen und verständnisvoll zeigten, waren der Abteilungsleiter der Ordnungspolizei, Carsten Trittin, und die Radverkehrsbeauftragte Katja Bürckstümmer. »Wenn es nichts kostet, sind die Leute unaufgeregt«, berichtete ein Ordnungspolizist von seinen Erfahrungen. Wenige hundert Meter weiter unter der Brücke der Bahn allerdings gab es kein Pardon - da war zur gleichen Zeit der Blitzer in Aktion.

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NIcht jeder Autofahrer kennt die Regel: 1,50 Meter Abstand ist beim Überholen eines Fahrrads Pflicht. © Klaus-Dieter Jung

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