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Abrissparty fällt ins Wasser

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Die beiden Pavillons samt weiteren Gebäuden am Aulweg werden dem Neubau weichen. Die ersten Umbaumaßnahmen sind bereits im Gange. © Czernek

Bäume und Pavillons müssen weichen: Die Ludwig-Uhland-Schule verändert ihr Gesicht. Der Neubau soll im Juli 2023 beendet sein. Die Kosten sind auf rund 4,35 Millionen Euro beziffert.

Gießen. Das Gesicht der Ludwig-Uhland-Schule (LUS) wird sich in der nächsten Zeit deutlich verändern. Die Anwohner rund um die Schule haben die ersten Maßnahmen schon sehen können: Bäume und Sträucher rund um die Schule im Bereich des Aulwegs und des Wartwegs wurden gefällt, Fußgängerüberwege und Ampeln verlegt. Das sind nur die ersten Auswirkungen der größten Baumaßnahme, die die Grundschule seit ihrer Entstehung erleben wird.

Die Schule erhält eine neue Mensa sowie einen komplett umgestalteten neuen Haupteingang. Dafür müssen die beiden Pavillons an den Straßen, das Hausmeisterhaus sowie die Pausenhalle weichen. Auch wenn jetzt häufiger die Kettensäge zu hören sind: Die vier Säulenbuchen in der Mitte des Schulhofs bleiben stehen, das versichert Schulleiter Dr. Jan-Hendrik Schneider bei einem Rundgang. »Dafür habe ich persönlich gekämpft. Sie gehören und prägen diese Schule.«

Gebaut wurde die Schule in den 1950er Jahren als Volksschule, die ursprünglich bis zum Hauptschulabschluss führte. Als in den 1960er Jahren die Schülerzahl auf mehr als 900 wuchs, wurde zusätzlicher Raum in Form der beiden Pavillons geschaffen, die jeweils zwei Klassen beherbergten. Schneider hatte zu einem letzten Rundgang durch die Räume eingeladen, bevor der Bagger sie niederlegte. »Eigentlich hatten wir eine Abrissparty mit Ehemaligen und den jetzigen Kindern geplant, doch die mussten wir leider aufgrund der Corona-Lage streichen.« So konnten die Dezernentin Astrid Eibelshäuser, Mechthild von Niebelschütz (Leiterin des Integrativen Kinderhauses St. Martin) der städtische Projektleiter Peter Krause, Bäcker Bernd Bender und die Autorin dieses Artikels noch einmal einen Blick in die liebgewonnenen Räume werfen. Bender wurde 1965 eingeschult und hatte in den Pavillons ein Schuljahr verbracht. Er war neun Jahre auf der Ludwig-Uhland-Schule, die anfangs noch »Südschule« hieß, schloss seine Schullaufbahn mit dem Hauptschulabschluss an der Uhlandschule ab und auch sein Sohn ist hier durch das Gelände gelaufen, wie unzählige Kinder mit ihm.

Mit Wehmut

Da schwingt bei allen ein wenig Wehmut mit - auch bei der Autorin dieser Zeilen: Sie wurde 1967 dort eingeschult. »Ihre« 1b war die erste Klasse, die einen der vier neuen Schulräume bezog. Nach der Nutzung als Klassenräume dienten die Gebäude der Schülerbetreuung, die von zwei unterschiedlichen Trägern ausgerichtet wird: Die »Coole Gruppe« des Kinderhauses St. Martin und die städtische Kundenbetreuung, die es seit 1993 an der Schule gibt. Hier war die LUS ein Vorreiter für ganz Gießen, denn sie war die erste Grundschule mit einem solchen Angebot, erläutert Schneider. Mittlerweile sind mehr als zwei Drittel der rund 300 Schüler in der Ganztagesbetreuung. »Wir verstehen uns als Ganztagesschule«, so der Schulleiter.

Nach 55 statt den vorgesehenen fünf Jahren Betriebszeit weichen die beiden Gebäude einem großzügigen Mensaneubau, der die aktuellen Bedürfnisse berücksichtigt und sich harmonisch in das Gesamtensemble einfügt. Das neue Gebäude wird über einen großen Speisesaal verfügen, der auch als Aula genutzt werden kann. Die Versorgung wird durch eine Ausgabeküche erfolgen. Ergänzt wird der Bau durch Betreuungsräume, Ruhezone, Büros sowie sanitäre Anlagen. Die Belieferung wird direkt vom Aulweg her erfolgen, ohne, dass ein Fahrzeug auf den Schulhof muss. Damit jedoch diese Planung überhaupt umgesetzt werden konnte, mussten die städtische Kinderbetreuung und die Hortgruppe des Kinderhauses umziehen. Hierfür musste der Nordtrakt, das Haus B, aufwendig saniert werden, denn einige Decken waren nicht mehr tragfähig. Im Zuge dessen wurden die Räume saniert und auch die Schülerbibliothek zog im Januar in einen neu gestalteten Raum. Im Erdgeschoss ist vorübergehend die städtische Schülerbetreuung untergebracht. Sie wird nach der Fertigstellung in die neuen Räume umziehen. Den endgültigen Umzug hat die Hortgruppe des Kinderhauses bereits hinter sich: Sie erhielt zwei Räume im Untergeschoss. Die Pavillons sind leergeräumt - auch wenn an den Fenstern noch Bilder hängen. Zwischen März und April sind die Abbrucharbeiten geplant. Anschließend beginnt der Neubau, der bis Juli 2023 beendet sein soll. Die Kosten sind mit 4,35 Millionen Euro beziffert.

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