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»Absägen nicht alternativlos«

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Von: Ingo Berghöfer

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Noch ist der Schwanenteich von Bäumen eingefasst. Je nachdem, für welche Sanierungsvariante sich die Stadtverordneten entscheiden, droht den Bäumen auf dem Wieseck-Damm rechts ein Kahlschlag. Foto: Scholz © Scholz

Gießen. In ihrem Engagement bestätigt sieht sich die Bürgerinitiative »Rettet die Bäume am Schwanenteich!« (BI). Bei ihrem jüngsten Treffen nach der Sitzung des Bau- und Umweltausschusses werteten es die Mitglieder als Teilerfolg, dass Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher sich für eine neue Sanierungsalternative zum Uferweg am Schwanenteich, die Variante 1b, aussprach und zur Prüfung empfahl.

Noch eine Woche zuvor hätten Gartenamt und Umweltdezernentin Gerda Weigel-Greilich in einer Bürgerinformationsveranstaltung ihre Sanierungsvariante eines völligen Ab- und Neubaus des Uferweges als alternativlos dargestellt.

Zu begrüßen sei auch, dass - von der CDU-Fraktion angeregt - auch die Sanierungsalternative von Diplom-Ingenieur Horst Dreier in die Prüfung aufgenommen würde. Bei dieser Variante müsse nicht einmal das Gehölz auf dem Uferweg an der Seite zum Schwanenteich gefällt werden.

Einen weiteren Erfolg ihres Kampfes gegen einen Kahlschlag am Schwanenteich sieht die BI darin, dass das Gartenamt an der Uferseite zur Eichgärtenallee nicht mehr das Gehölz roden wolle und OB und Dezernentin versichert hätten, auf Rodungen während eines anstehenden Bürgerbegehrens zu verzichten.

Die BI bedauert jedoch, dass die Kahlschlag-Variante aus dem Jahr 2012 nicht zu den Akten gelegt worden sei. Sie könne auch weiterhin vom Stadtparlament am 6. Oktober beschlossen werden.

Offen sei auch geblieben, wer und nach welchen Kriterien die Varianten prüfen wird und wann und wo die Stadtverordneten genauer über die neuen Varianten informiert werden. So leichtfertig dürfe man nicht mit einem Investitionspaket von immerhin vier Millionen Euro umgehen, mahnt die BI.

Scharf kritisiert wird von der BI weiterhin, dass in der Diskussion im Ausschuss der Leiter des Gartenamtes bestritten habe, dass das Landesamt für Denkmalschutz in seiner Stellungnahme andere Planungsvarianten vorgezogen hätte. So heißt es in einer Stellungnahme des Landesamtes vom 30. Oktober 2012:

»Auch wenn außerhalb des Kulturdenkmals Schwanenteich gelegen, wäre aus Gründen des Umgebungsschutzes des Kulturdenkmals eine Bauvariante für den Hochwasserschutzdamm zwischen Wieseck und Freibad zu bevorzugen, die mit dem Minimum an künstlichen Materialien und dem Minimum an Baumfällungen zur Bewahrung einer grünen Kulisse im Umfeld des Schwanenteiches auskommt (...) im Gegensatz zur recht markanten geplanten Schutzwand, die neben ihrer künstlichen Wirkung zahlreiche Baumfällungen mit sich brächte.«

Die BI fordert deshalb, dass alle Varianten zur Uferwegsanierung gleichberechtigt geprüft und den parlamentarischen Gremien vorgestellt werden. Vor dem Fällen einer parlamentarischen Entscheidung zum Uferweg oder zur Wieseck müsse es eine weitere Bürgerinformationsveranstaltung geben.

Diplom-Biologe Dietmar Jürgens von der BI befürchtet auf Nachfrage, dass das Gartenamt und die Umweltdezernentin Alternativen nicht ernsthaft prüfen würden. »Die treiben das mit einer Alternativlosigkeit voran und sind dabei auf dem technischen Stand von vor zehn Jahren. Man bekommt aber heute solch einen Damm auch ohne Rodungen wieder dicht.« Der Vogelkundler weist daraufhin, dass der Schwanenteich das größte Vogelbrutgebiet im Stadtgebiet ist mit einer großen Graureiherkolonie und acht Brutpaaren des Blässhuhns. Bei der vom Gartenamt favorisierten Sanierung würde der Teich für 14 bis 16 Monate trockengelegt werden müssen. »Ob die Vögel dann wieder kommen, steht in den Sternen.«

Auch deshalb ruft die Bürgerinitiative alle Gießener auf, am 6. Oktober ab 17.30 Uhr vor und im Rathaus für eine baumschonende Sanierungsvariante zu demonstrieren.

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