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Abschied an Ostern

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Das Gemeindehaus und der baulich integrierte Turm der Wichernkirche im Gießener Osten werden verkauft und das frei werdende Grundstück für das Neubaugebiet Philosophenhöhe genutzt.

Gießen (mh). Das Gemeindehaus und der baulich darin integrierte Turm der evangelischen Wichernkirche im Gießener Osten werden verkauft und das frei werdende Grundstück für das angrenzende Neubaugebiet Philosophenhöhe genutzt. Die seit August 2021 wegen Einsturzgefahr des Daches gesperrte Wichernkirche wird dagegen vorerst weder aufgegeben noch saniert.

Über die Zukunft der 1963 eingeweihten Kirche sollen nach dem Wunsch des Kirchenvorstands der Wicherngemeinde alle drei evangelischen Gemeinden - Andreas, Luther und Wichern - gemeinsam entscheiden. Sie bilden im Gießener Osten einen sogenannten Kooperationsraum. Darüber wurden jetzt die Gemeindemitglieder im gemeinsamen Gemeindebrief der Andreas- und der Wicherngemeinde informiert.

Mit dem Verkauf des Gebäudes reagiert die Gemeinde auf den allgemeinen Rückgang der Kirchenmitgliedszahlen. Allein kann die Gemeinde die Kosten für ein eigenes Gemeindehaus nicht mehr aufbringen, erklärt Pfarrer Johannes Lohscheidt von der Wicherngemeinde. Außerdem trägt sie damit der erforderlichen Reduzierung kirchlicher Gebäude Rechnung.

Alle Gemeinden in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) sind aufgefordert, über die Reduzierung der Gebäude bzw. deren Nutzung mit Nachbargemeinden nachzudenken und sich zusammenzuschließen. Damit sollen Kosten eingespart und Ressourcen besser für die Gemeindearbeit genutzt werden. Außerdem, so Johannes Lohscheidt, »können wir so mit dazu beitragen, dass unser Grundstück am Trieb sinnvoll in das neue Stadtviertel eingegliedert werden kann«. Die Gemeindemitglieder werden am Ostermontag Gelegenheit haben, symbolisch von ihrem Gemeindehaus Abschied zu nehmen. »Wir wollen eine große Menschenkette um das Gemeindehaus bilden und unter dem Motto ›Mit schwerem Herzen‹ in Andacht und Gebet uns vom Gemeindehaus verabschieden«, teilt Pfarrer Lohscheidt mit. Das Gemeindebüro ist bereits in das Gemeindehaus der Luthergemeinde am Lutherberg gezogen. Auch Gemeindegruppen werden sich künftig in den Räumen der Andreas- und Luthergemeinde treffen.

Zukunft der Kirche ungewiss

Gottesdienste feiert die Gemeinde wegen der Kirchensperrung seit dem 1. Advent in der nahen katholischen Kirche St. Thomas Morus an der Grünberger Straße. Der Pfarrer erwartet einen langwierigen Entscheidungsprozess über die Zukunft der Wichernkirche. Nach landeskirchlichen Vorgaben habe im Gießener Osten ein gemeinsamer Gebäudeplan aufgestellt werden müssen. Deswegen habe man, so Lohscheidt, die Andreas- und die Luthergemeinde gebeten, eine »engere gemeindeverwaltende Verbindung« mit der Wicherngemeinde einzugehen und gemeinsam die Entscheidung über die Kirche zu treffen. Vorbild bei der Zusammenarbeit sei die neue Gesamtkirchengemeinde Gießen Mitte aus den Gemeinden Lukas und Pankratius.

Die Dachkonstruktion der 1963 eingeweihten Kirche ist nach einem von der Gemeinde in Auftrag gegebenen Gutachten nicht mehr sicher. Seit vielen Jahren dringt durch das Dach Wasser in die Kirche ein und hat im Innern, vor allem aber im Dach bereits erhebliche Schäden hervorgerufen.

Das Baugutachten hatte darüber hinaus aber ergeben, dass tragende Teile der hölzernen Dachkonstruktion durch jahrelangen Kontakt mit Feuchtigkeit porös geworden sind. Die Sicherheit des Daches bei Sturm oder Schneefall konnte nicht mehr gewährleistet werden.

Sorgen bereiten auch andere kirchliche Gebäude im Gießener Raum. Das schreibt der Vorsitzende des gemeinsamen Kooperationsausschusses der drei Gemeinden, Marko Fuhr, der auch im Kirchenvorstand der Luthergemeinde ist, in deren Gemeindebrief. Das Gemeindezentrum der Andreasgemeinde im Eichendorffring bedürfe ebenfalls der baulichen Sanierung. Gleichzeitig benötigt die Kita der Gemeinde, eine der größten Kindertageseinrichtungen in Gießen, deutlich mehr Platz. Ziel aller Überlegungen sei es, Gebäude zu konzentrieren, um finanzielle und personelle Mittel für die inhaltliche Arbeit bereitzustellen. »Unsere Aufgabe als Kirche ist es, sich um die Menschen und deren Bedarfe zu kümmern. Je weniger Zeit und Geld wir in Zukunft für die Gebäude aufwenden müssen, umso mehr Ressourcen haben wir in Zukunft für diakonische und missionarische Aufgaben«, so Fuhr.

Langfristig, so der Wunsch, soll am Lutherberg ein neues Gemeindezentrum für die evangelische Kirche im Gießener Osten entstehen, welches energetisch nachhaltig ist und sich in der vielfältigen Nutzung variabel anpassen lässt.

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