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»Absperren kann keine Lösung sein«

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Vor allem im Sommer steht der Universitätsplatz seit Jahren immer wieder im Fokus. © Mosel

Der Universitätsplatz in Gießen ist ein beliebter Treffpunkt. Das birgt aber auch Konfliktpotenzial. Stadtverordnete verschiedener Fraktionen schlagen daher Veränderungen vor.

Gießen. Eine sanfte Brise streichelt die Bäume, die noch auf den Frühling warten. Einige Grüppchen plaudern auf den Bänken - die Sonnenstrahlen haben sie vermutlich herausgelockt. Auf dem Universitätsplatz in der Ludwigstraße ist es still - gerade in warmen Nächten war das bekanntlich nicht immer so. Trotzdem gibt es in der Stadtpolitik große Einigkeit darüber, dass der Platz - Hausherrin ist die Justus-Liebig-Universität (JLU) - offen bleiben sollte. »Es muss hier keine riesigen Partys, aber auch keine Zaunanlagen geben. Ich sehe natürlich auch die Position der Anwohner, insbesondere wegen der Lautstärke. Aber das ist eine rechtliche Frage: Wenn es eine Beschwerde gibt, muss das Ordnungsamt an jedem Platz etwas tun. Und nach 22 Uhr muss auf dem Universitätsplatz eben Schluss sein«, sagt Stadtverordneter Fabian Mirold-Stroh von den Grünen. Frederik Bouffier von der CDU hat eine ähnliche Position. »Der Platz ist einer der prägenden Orte Gießens und damit elementarer Bestandteil des Stadtbildes. Es ist deshalb Aufgabe der Stadt und der Uni, den Platz als Begegnungsort zu erhalten. Ergebnis kann nicht sein, dass die Uni am Ende den Platz einfach absperrt.« Die JLU sei interessiert an einem langfristigen Konzept für die Nutzung ihres Universitätsplatzes, erklärt Pressesprecherin Lisa Dittrich.

Scherben legen Zeugnis ab

Sommer 2021. Scherben übersäen den Universitätsplatz. Sie legen Zeugnis davon ab, dass die Feiern am vorangegangenen Wochenende aus dem Ruder gelaufen sind. JLU, Stadt und Polizei reagieren. Wie aber zukünftig umgehen mit dem Platz der JLU?

Mirold-Stroh wünscht sich Offenheit, auch wenn »Eskalationen dort natürlich nicht hingenommen werden können.« Eine Stadt lebe von öffentlichen Plätzen, an denen Menschen zusammenkommen, sich austauschen und miteinander feiern könnten, erklärt Katarzyna Bandurka. »Solche Plätze sind Möglichkeiten der gesellschaftlichen Teilhabe für alle, unabhängig vom Geldbeutel«, erläutert die sozialpolitische Sprecherin der SPD-Stadtfraktion. Auch der FDP-Fraktion sei sehr daran gelegen, dass der Universitätsplatz als freier Treffpunkt für junge Menschen in der Stadt erhalten bleibt. »Klar muss aber auch sein, dass Ausschreitungen, Vermüllung und Belästigungen von Anwohnern nicht akzeptabel sind«, macht Fraktionsvorsitzender Dominik Erb deutlich.

Welche Lösungen sehen die Parlamentarier? Eine Verbotspolitik und mehr Polizei verschöben das Problem bloß, meint Maximilian Würtz von Gigg+Volt. Eine Möglichkeit könne die Einsetzung eines Nachtbürgermeisters sein. Oder eine Veränderung des Vergnügungsstättenkonzeptes, durch die Alternativen entstehen könnten, so Würtz. Zudem gelte es, andere, unter Umständen besser geeignete Plätze, attraktiver zu machen. Fraktionsvorsitzender Ali Al-Dailami von der »Gießener Linken« erhofft sich ebenfalls eine Lösung vom Konzept eines Nachtbürgermeisters. Um den Platz offen zu halten, sei es aus seiner Sicht notwendig, dass sich »OB und Magistrat mit der Unileitung zusammensetzen und eine Lösung finden, damit sich die Probleme des letzten Jahres nicht wiederholen«, denkt Bouffier. Die Fläche befinde sich nicht im Eigentum der Stadt, jedoch ließe sich mit der Uni eine konkrete Nutzungsvereinbarung treffen. »In dieser wären unter anderem Fragen zur Übernahme von Verkehrssicherungspflichten, des Sicherheitsdienstes oder der Aufstellung von Toiletten, Glas- beziehungsweise Müllcontainern und die entsprechende Kostentragung, sprich Finanzierung, zu regeln«, so der Unionspolitiker.

»Ohne Alkohol keine Eskalation«

Ab 22 Uhr könne man auf dem Universitätsplatz ein Alkoholverbot verhängen. »Ohne Alkohol keine Eskalation«, meint dagegen Mirold-Stroh. Erb regt die Etablierung eines Pfandsystem mit echter Lenkwirkung am ansässigen Kiosk an. Außerdem sei, in Kooperation mit der umliegenden Gastronomie ein Hinweisschild für Toilettenmöglichkeiten ein geeigneter Versuch, den »Wildpinklern« zu begegnen. Darauf, dass die verschiedenen Interessen in Einklang zu bringen und eine dauerhafte Lösung für alle zu finden sei, weisen Bandurka und Kamyar Mansoori, baupolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, hin. Darwin Walter und Andrea Junge von der »Partei« schlagen ein Feier-/Schlaf-Schichtsystem vor: »Der Name ist fast selbsterklärend. Es wird monatliche Schichtpläne geben, wann Feier und wann Schlafenszeit ist.«

Als Lösung regt die AfD City Trees auf dem Platz an. Sie würden für eine bessere Luft sorgen und durch ihre besondere Bauweise zum Schallschutz beitragen. Zudem böten sie Sitzmöglichkeiten und teilten den großen Platz durch die bauliche Abgrenzung in viele kleine Bereiche auf. Möglich sei auch ein Aufenthaltsverbot zur Nachtzeit.

Das langfristige Konzept, das sich die Uni wünscht, solle »möglichst die Perspektiven aller beteiligten Gruppen einbeziehen«, führt Dittrich aus. Aufgrund von Personalengpässen in der Verwaltung der JLU habe man das Projekt in der kalten Jahreszeit zunächst zurückgestellt. »Wir werden es aber in den nächsten Wochen und Monaten verstärkt in den Blick nehmen. In diesem Zusammenhang freuen wir uns sehr über die Ankündigung der Stadt, das Thema ›Feiern unter freiem Himmel‹, das längst nicht nur unser Gelände betrifft, in diesem Jahr konzeptionell in den Blick zu nehmen«, resümiert die JLU-Sprecherin. Auch Magistratssprecherin Claudia Boje verweist in diesem Kontext auf die Absicht der Stadt, konzeptionell zum Nachtleben zu arbeiten.

»Wir werden dort angemessen und in enger Absprache mit der Uni reagieren, falls es zu relevanten Vorkommnissen kommt. Darüber hinaus haben wir auch die anderen Örtlichkeiten im Blick und werden, wie im letzten Jahr, zusammen mit der Stadt Gießen, entsprechende Maßnahmen veranlassen«, führt Polizeisprecher Jörg Reinemer aus. Derzeit sei es auf dem Universitätsplatz aber sehr ruhig.

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