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»Abstraktes ist sehr gefragt«

Lich. Zum Advent lädt der Licher Künstler Peter Seharsch stets Besucher in sein Haus. Bei Kaffee und Kuchen ergeben sich Gespräche über Gott und die Welt, und natürlich gibt es jede Menge Bilder zu betrachten. Die haben in seinem neuen »Kunsthaus« in der Lessingstraße jetzt mehr Platz als früher, der Besucher kann sich schnell einen Überblick über den neuesten Stand von Seharschs Arbeiten machen.

Seit zwei Jahren wohnt der Maler nicht mehr in seinen gemütlichen, etwas verwinkelten Anwesen in Muschenheim, sondern in der Stadt. »Das Gemütliche haben wir jetzt nicht mehr, aber dafür haben wir alles verfeinert«, berichtet er. Das ganze Haus wirkt wie eine einzige Galerie über drei Etagen, ein Zimmer nach dem anderen ist gefüllt mit Kunst. Unter dem Dach befindet sich zudem das Atelier, großzügig und selbst im Winter lichtdurchflutet.

Auf riesigen Tischen sind diverse Arbeiten in allen möglichen Stadien der Entstehung zu sehen, natürlich auch das eine oder andere fertige. Der 77-Jährige steht nach wie vor täglich an der Staffelei und malt.

»Zu dieser Weihnachtsausstellung habe ich sehr viele regionale Motive umgesetzt. Also etwa Bilder aus dem Vogelsberg, als da noch richtig Winter war.« Zu sehen sind einige prachtvolle Schnee- und Berglandschaften, auch aus dem Hochgebirge, wo Seharsch häufig als Bergsteiger unterwegs war.

»Unten habe ich moderne Bilder, die derzeit sehr gängig sind. Die Leute mögen Abstraktes« sagt der Künstler. Mit seinen Arbeiten habe er »ganze Villen eingerichtet, das hat großen Spaß gemacht.« Das Prinzip besteht dabei darin, die Räume von Anfang an auf die Kunst hin auszurichten, so dass alles zusammenpasst.

Dem aufmerksamen Besucher fallen einige ungewöhnlich kleine Arbeiten auf, die fast ein Schattendasein zwischen den großen und sehr großen Formaten im »Kunsthaus« führen. Ein Beispiel ist eine »Auenlandschaft«, ungefähr im DIN-A-5-Format. Unter teils gleißend hellem, bewölkten Himmel sucht sich ein Bach seinen Weg durch die Wiesen. Eine Arbeit, die sehr gut das unruhige Wetter einfängt und gleichzeitig das ruhige Fließen des Wasser zeigt. Leicht abstrahiert, sehr detailreich und enorm stimmungsvoll ist das ein Beispiel für die Methode »klein, aber fein«. Es ist nicht das einzige dieser Art, das sich hier entdecken lässt.

Zu Seharschs großformatigen Bildern gibt es auch einige Erläuterungen. Bei den aktuellen, in der Entwicklung befindlichen Arbeiten sind bis zu zehn Schichten übereinandergelegt. »Ich lasse aber immer wieder die unteren Schichten zum Vorschein kommen.« Dieses lasierende Malen sorge für einen »gewissen räumlichen Eindruck«, erläutert Seharsch.

Wenn der Licher von seiner Arbeit spricht, spürt man das Vergnügen, ja die nie versiegende Lust an der Arbeit. Er schwärmt förmlich davon: »Wenn ich den Schnee und die Eiskristalle male«, dann sei er ganz bei sich. Und Seharsch schätzt es, selbst vom Ergebnis an der Staffelei überrascht zu werden: »Bei der Nass-in-Nass-Malerei ist auch für mich nicht immer klar, was für ein Motiv dabei rauskommt.«

Seharsch geht stets aus einer eigenständigen kreativen Eingebung an ein Werk. Und die kann sich durchaus wochenlang entwickeln. Aber er sucht für seine Naturlandschaften auch reale Orte. Etwa »das Eis und den Ort, wo eine Moräne niederging - das muss ich erlebt haben. Wenn Sie das nicht gesehen haben, können Sie auch keinen Schnee malen.«

Das Kunsthaus Seharsch in Lich (Lessingstraße 3) ist auch an den nächsten beiden Adventssonntagen für Besucher geöffnet. Öffnungszeiten sind jeweils von 14 bis 19 Uhr. Allerdings nur mit vorheriger telefonischer Anmeldung und unter 2G-Regel.

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