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Ärger über Kommunikation

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Nach der angekündigten Strompreiserhöhung durch die SWG ärgert sich manch ein Bestandskunde über seinen Versorger. © Pfeiffer

Nach angekündigter Preiserhöhung: SWG-Kunden werfen Versorger Intransparenz vor

Gießen . Nachdem die Strompreise an der Börse in bislang ungekannte Höhen geklettert waren, hat wohl kein Verbraucher erwartet, dass der monatliche Abschlag unverändert bleibt. Und trotzdem hat die Ankündigung der Stadtwerke Gießen (SWG), den Strompreis zum 1. April anzuheben, für Ärger unter unseren Lesern gesorgt. Allerdings nicht wegen der Erhöhung an sich - sondern wegen der Kommunikation seitens der SWG, die sie für »intransparent« halten.

Diese hatten sich bei der Vorstellung der neuen Preise nämlich ausschließlich auf die Grundversorgung bezogen. Hier gibt es eine vergleichsweise moderate Erhöhung um knapp drei Cent auf 32,92 Cent pro Kilowattstunde. Das entspricht einer Steigerung um 8,3 Prozent. In anderen Tarifen dagegen fällt die Erhöhung deutlich üppiger aus: Im Tarif »PowerPack Pur 19« etwa werden statt bislang 26,30 Cent pro Kilowattstunde ab April 35,30 Cent fällig. Ein Plus von 34,2 Prozent.

Ein Leser aus der Rabenau ärgert sich: 2019 sei er im Kundenzentrum der SWG gewesen, wo man ihm zu dem Tarif »PowerPack Pur 19« geraten habe, weil dieser für ihn günstiger sei. Nach der angekündigten Erhöhung stellte unser Leser fest, dass er künftig mehr bezahlen muss, als mit dem gleichen Verbrauch in der Grundversorgung. Bis zum 31. März kann er seinen Vertrag kündigen oder in einen anderen Tarif wechseln.

Wer sich auf der SWG-Website über die Tarife informieren möchte, findet »PowerPack Pur 19« und Co. allerdings überhaupt nicht mehr. Aufgrund der aktuellen Situation am Strommarkt biete man einige Tarife für Neukunden nicht mehr an, erklärte SWG-Pressesprecher Ulli Boos auf Anfrage. Privatkunden, die zu den Stadtwerken wechseln wollen, haben aktuell nur noch die Wahl zwischen der Grundversorgung und dem Tarif »Gießener Grünstrom Plus«.

Bestandskunden habe man laut Boos aber die Möglichkeit geben wollen, im alten Tarif zu bleiben - auch wenn das mit einer Erhöhung einher gehe. »Power-Pack Pur 19« etwa sei tatsächlich erstmals teurer als die Grundversorgung. Allerdings haben Bestandskunden in den nun aussortierten Tarifen den Vorteil einer einjährigen Preisgarantie.

Sollte der Strompreis also noch mal dramatisch steigen, kommen auf diese Kunden für mindestens zwölf Monate keine Preissteigerungen zu. Gleichzeitig sind sie aber auch für ein Jahr an die SWG gebunden. Die Grundversorgung hingegen kann ohne Mindestvertragslaufzeit mit einer zweiwöchigen Frist gekündigt werden. Dabei wäre aber - zumindest theoretisch - jederzeit eine Preisanpassung nach oben oder unten möglich.

Preissicherheit oder Grundtarif

»Wo die Reise hingeht, können wir derzeit nicht abschätzen«, sagte Unternehmenssprecher Boos mit Blick auf die explodierenden Strompreise. Bestandskunden müssten sich entscheiden, ob ihnen eine zwölfmonatige Preissicherheit den höheren Verbrauchspreis wert sei oder ob sie bis zum 31. März in die derzeit günstigere Grundversorgung wechseln wollen.

»Es lag nie in unserer Absicht, nicht transparent zu sein in der Kommunikation«, betonte Boos. Man habe sich bei der Ankündigung auf die Grundversorgung beschränkt, da diese den überwiegenden Anteil der Kunden betreffe: Rund zwei Drittel beziehen demnach ihren Strom über diesen Tarif. Alle Kunden würden jedoch postalisch über die neuen Preise informiert, also auch die Kunden, die einen anderen Vertrag haben.

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