1. Startseite
  2. Stadt Gießen

Aktivisten und Polizisten

Erstellt:

Gießen . Der Bau der Autobahn A49 von Homberg/Ohm über Stadtallendorf in Richtung Kassel ist ein höchst umstrittenes Bauprojekt. Die Bilder von Aktivisten, die den Dannenröder Forst besetzten, sorgten ebenso für landesweite Schlagzeilen wie der Prozess um die wegen gefährlicher Körperverletzung eines Polizisten angeklagte Aktivistin »Ella«, die sich vor Gericht konsequent weigerte, ihren Namen preiszugeben.

Der Dokumentarfilmer Maxi Buck hat die Geschehnisse um den Autobahnbau und den Prozess gegen »Ella« in seinem Film »49 Problems - and my Future is one« festgehalten, der gerade im Kino Traumstern in Lich läuft. Eigentlich wollte der 28-Jährige am Sonntag zur Matinee kommen, um mit den Zuschauern über den Film zu diskutieren, doch musste er krankheitsbedingt absagen. Stattdessen gaben das Ehepaar Christa und Wolfgang Seim Auskunft über den Stand des Baus. Die beiden engagieren sich seit 1990 gegen den Trassenbau der A49.

Forstrodung und Gerichtsprozess

Der Film umspannt einen Zeitraum von rund 15 Monaten, einschließlich der beiden Prozesse um die Umweltaktivistin »Ella« oder »UWP1, wie sie von der Polizei bezeichnet wurde. »Das war für mich das größte und intensivste Projekt dieser Dimension«, sagte der Filmemacher in einem Gespräch mit dieser Zeitung. Ganz im Sinne des klassischen Dokumentarfilmers bezieht Buck in seinen Film Stellung, gibt aber auch den Gegenpositionen Raum für ihre Argumente. Dazu hat er akribisch recherchiert und fügt ergänzend Zeitungsberichte oder TV-Beiträge der Hessenschau hinzu. Zu Wort kommt auch der Grüne hessische Verkehrsminister Tarek Al-Wasir, der sich - angesichts der Gesetzeslage - für den Bau der Autobahn ausspricht.

Buck widmet sich auch den Folgen des Autobahnbaus für die Region. »Mir war wichtig, die Geschichte des Protests zu dokumentieren und wie es nach der Rodung weiterging«, sagte er. Daher beschränkt er sich nicht nur auf die Räumungsaktionen im Wald, sondern räumt Bewohnern der Region auch viel Platz für ihre angesichts des Baus geäußerte Wut und Enttäuschung ein.

Die verstörenden Szenen von Polizeigewalt und jenem justiziablen Fußtritt von »Ella« in Richtung eines SEK-Beamten sind ebenso enthalten wie die Stellungnahme eines Polizisten, der selbst in der Gegend wohnt und früher täglich durch den - nun nicht mehr existierenden - Wald zu Arbeit gefahren ist. Er zeigt durchaus Verständnis für die Demonstranten, hat aber nun eine andere Rolle auszufüllen.

Bestandteil von Bucks Doku waren auch die beiden Prozesse um »Ella«, dazu zählen etwa Interviews mit ihren Unterstützern. »Ella« wurde im Berufungsprozess vor dem Landgericht Gießen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt. Im Nachgang gab sie doch ihre Identität preis, sodass sie anschließend das Gefängnis verlassen konnte. Die gerichtliche Aufarbeitung dieses Fußtritts ist noch nicht beendet, da ihre beiden Verteidigerinnen Revision gegen das Urteil eingelegt haben. In der anschließenden Diskussion im Traumstern zeigten sich einige der Aktivisten weiter standhaft. Man werde nicht aufgeben und sich jetzt um den Ausbau der B49 rund um Reiskirchen kümmern.

Fazit der Matinee: Ein guter Film, geeignet für jeden, der sich mit der Problematik eines Autobahnbaus und dem damit verbundenen Flächenfraß beschäftigen möchte. Zu sehen ist der Film noch am Donnerstag und Freitag, 8. und 9. Dezember, jeweils um 16.45 Uhr im Kino Traumstern in Lich. Geplant ist zudem, dass sich Maxi Buck am Freitag den Fragen der Zuschauer stellen wird.

Bei der nächsten Matinee im Licher Kino Traumstern wird am Sonntag, 11. Dezember, um 11.30 Uhr der Film »Belleville - Belle et Rebelle« vorgestellt. Zu Gast sind die Regisseurin Daniela Abke sowie mehrere Protagonisten der Dokumentation.

Der Film erzählt von dem legendären Pariser Stadtteil Belleville und seinen Bewohnern.

Anhand einer Straßenecke zeigt sich ein Quartier, das vielen Fremden ein Zuhause geworden ist. »Belleville« portraitiert sechs außergewöhnliche Bewohner, Joseph, Cafébesitzer und Chronist; Minelle, Sängerin und Akkordeonistin mit ansteckender Energie; Robert Bober, Regieassistent von Truffaut, Schriftsteller, Fotograf und Filmemacher. Riton la Manivelle, Bariton und Drehorgelspieler; Steven, schottischer Bistro- und Wandmaler. Und Lucio Urtubia, Maurer, Baske und Anarchist, von Interpol gesuchter Scheckfälscher, der heute ein Kulturzentrum leitet.

Regisseurin Daniela Abke wird am Sonntag begleitet von Restaurantbesitzer Joseph Pantaleo und den Musikern Riton La Manivelle und Minelle. Der Film ist zudem von 12. bis 14. Dezember täglich um 18.45 Uhr im Programm. (red)

Auch interessant