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Akzeptanz ist der Schlüssel

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Von: Felix Müller

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Vergangenes loslassen, die Gegenwart annehmen und den Humor nicht verlieren: Spiegel-Bestseller-Autor Biyon Kattilathu bei seinem Auftritt in Gießen. Foto: Müller © Müller

Lebe.Liebe.Lache!: Motivationstrainer und Bestseller-Autor Biyon Kattilathu war mit seinem aktuellen Programm in der Gießener Kongresshalle zu Gast.

Gießen. Lebe, Liebe und Lache - diese drei großen Worte standen am Mittwochabend bei Autor und Motivationstrainer Biyon Kattilathu’s gleichnamigem Programm in der Kongresshalle im Mittelpunkt. Mit Charme und Witz nahm der 38-Jährige das Publikum bei seiner Premieren-Show mit auf eine Reise in die Vergangenheit, sprach über »Akzeptanz-Muskel«, die aufgebaut werden müssen - und verteilte sogar Hausaufgaben.

Das Ziel des mehrfachen Spiegel-Bestseller-Autors war auf jeden Fall klar definiert: Den Zuschauern Mut machen und sie mit einem schönen Lebensgefühl in den Abend zu entlassen. Dabei ging der Motivationspsychologe und Diplom-Wirtschaftsingenieur den eher steinigen Weg, indem er nicht nur die angenehmen Seiten des Lebens aufzählte, sondern auch den Finger in die ein oder andere Wunde legte. Wie etwa beim Thema der »Vergangenheitsbewältigung«. »Jeder kennt es. Man steht auf und etwas Grauenvolles liegt neben einem. Nicht der Partner, nein die Vergangenheit,« witzelte Kattilathu zunächst noch. »Doch wenn ständig mit der Lupe auf die Vergangenheit geschaut wird, werden die schmerzhaften Erinnerungen nur größer.« Es sei schwer, Dinge und die Vergangenheit loszulassen. »Wir lachen nicht öfter über den gleichen Witz, allerdings weinen wir oftmals wegen der gleichen Sache.

Helfen kann da nur ein Blick in die »Lupe der Gegenwart«, um Situationen anzunehmen und ihnen positiv entgegenzutreten. Dabei verglich Kattilathu diese beiden Blickwinkel mit dem »Hineintreten in einen Dornenbusch«. »Entweder springt man direkt raus und flüchtet. Oder es wird Ruhe bewahrt, der Moment realisiert. Das kann zwar auch wehtun, aber wir nehmen die Sache an und versuchen das Beste daraus zu machen. Akzeptanz ist das Schlüsselwort.« Der Theorie folgte alsbald die Praxis, indem eine junge Frau aus dem Publikum auf die Bühne gebeten wurde, um in einem kleinen symbolischen Akt einen negativen Moment aus der Vergangenheit loszulassen.

Loslassen

Dafür erhielt sie von dem in Hagen geborenen Motivationskünstler einen Luftballon, der an einer langen Schnur befestigt war. Durch das Durchtrennen der Schnur sollte die Zuschauerin den »Ballast in Form des Luftballons loslassen«. Der Lohn für ihren Mut: Ein Buch vom Entertainer, viel Applaus und hoffentlich eine Sorge weniger. Es sei schließlich nicht einfach, »mit einer gewissen Leichtigkeit durch das Leben zugehen« - vorallem, wenn aus allen Richtungen negative Denkweisen auf einen einprasseln.

»Bis zu unserem 18. Lebensjahr hören wir 180 000 negative Suggestionen. Sätze wie, das schaffst du nicht. Viele Sätze, die in uns sind, Gefühle, die gespeichert sind, stammen gar nicht aus unserem Herzen, sondern wurden uns nur oft genug erzählt.« Bewährte Mittel gegen diese Stimmungsdämpfer seien Humor und Sarkasmus, der selbst vor dem Tod nicht Halt macht. Die Angst vor dem Sterben ist laut einer Studie nur die zweitgrößte Sorgen der Menschen. Die größten Bedenken und Schweißausbrüche entstehen beim Gedanken, eine Rede vor Publikum halten zu müssen. »Das heißt im Umkehrschluss, dass es demjenigen, der die Grabrede hält, schlechter geht, als dem, der im Sarg liegt,« stellte Biyon Kattilathu schmunzelnd fest.

Selbst dem Thema Grabsteine konnte der Kabarettist, der 2016 sogar einen Weltrekord im »Menschen umarmen« startete, bei dem dieser 111 Menschen in einer Minute umarmte, etwas Gutes abgewinnen. Denn das Entscheidende seien nicht die Geburts- und Todesdaten darauf, sondern der »unscheinbare Bindestrich dazwischen«, der unser Leben symbolisiert. Und diesen könne man jederzeit zum Positiven verändern. Tipps gab es vom Autor ebenfalls in Bezug auf falsche Denk- und Herangehensweisen. »Die Menschen sind oft in einem Tun, Haben, und Sein-Modus. Sprich, sie müssen etwas machen, um irgendetwas zu haben, um irgendwer zu sein. Ich tue etwas für einen Job, bekomme die Stelle und kann anschließend stolz auf mich sein.« Sein Rat: Das »Sein« an den Anfang stellen und den »Akzeptanz-Muskel« gut zu trainieren, um gewissen Widrigkeiten trotzen zu können.

Stärken könnten wir diesen zum Beispiel mit Empathie. »Mitgefühl ist vergleichbar mit Intelligenz. Entweder man hat es, oder man merkt gar nicht, das einem was fehlt.« Doch Wissen alleine ist nicht alles, denn »Wissen will sprechen, aber Weisheit möchte zuhören«. So gab Biyon Kattilathu den zahlreichen Zuschauern noch eine Hausaufgabe mit auf den Heimweg. »Wenn Ihr das nächste Mal ein Kompliment bekommt, habt ihr drei Antwortmöglichkeiten: Danke, vielen Dank, oder: Sag‹ das bitte nochmal.«

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