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Alexander Wright ist Bürgermeister

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Einst Konkurrenten, jetzt Kollegen: Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher (l.) gratuliert Alex Wright zur Wahl. © Wißner

28 von 53 Stadtverordneten stimmen für den Grünen-Politiker Alexander Wright als neuem Bürgermeister von Gießen. Allerdings gibt es beim ersten Wahlversuch eine Panne.

Gießen . Den Handschlag gab es nur mit Handschuh, aber die Corona-Maßnahme konnte die sichtliche Freude von Alexander Wright nicht trüben, als ihm Stadtverordnetenvorsteher Joachim Grußdorf die Ernennungsurkunde zum Bürgermeister der Stadt Gießen überreichte. Noch mehr freute sich der Grünen-Politiker über das Geschenk seines Fraktionskollegen Klaus-Dieter Grothe. Von dem bekam er nämlich statt der obligaten Blumen irisches Bier.

Auch wenn Wright keinen ernsthaften Herausforderer hatte - allerdings gleich zwei Mitbewerber von der Satirepartei »Die Partei« - war im Vorfeld angesichts der knappen Mehrheiten im Parlament und des schwelenden Dauerkonflikts zwischen Grünen und DKP in der Koalition nicht sicher, ob es am Ende für den 34-Jährigen reichen würde. Am Donnerstag war das Regierungslager zwar nicht vollzählig, da aber sowohl bei der CDU als auch bei der AfD Stadtverordnete fehlten, wurde Wright bereits im ersten Wahlgang mit 28 von 53 Stimmen gewählt.

Dieses erste Votum musste indes zweimal durchgeführt werden. Zwar hatte Grußdorf die Stadtverordneten ermahnt, »nur Kugelschreiber mit blauer Farbe« mit in die Wahlkabine zu nehmen, doch dass ein Teil der Stimmzettel gelocht war und der andere nicht, schien vorher offenbar niemandem aufgefallen zu sein.

Vor der Wahl hatte der Vorsitzende des Wahlausschusses, Frank Schmidt (SPD), mitgeteilt, dass neben Wright sowie Marco Rasch und Darwin Walter von »Die Partei« mit Mufid Fawaz Dawood Mahmood noch eine externe Bewerberin Bürgermeister*in werden wollte, der Ausschuss aber entschieden habe, nur Wright für die Wahl vorzuschlagen. Der habe als Einziger alle verlangten Voraussetzungen, unter anderem ein abgeschlossenes Hochschulstudium und langjährige Erfahrung in der Kommunalpolitik mitgebracht. In der Sitzung konnten die Stadtverordneten der »Partei» dann aber doch ihre Kandidaten zur Wahl stellen, weil »eine Wahl nur dann eine Wahl ist, wenn man eine Wahl hat«, so Walter. »Eine Wahl ist auch dann eine Wahl, wenn man mit Ja oder Nein stimmen kann«, fuhr dem Satire-Politiker SPD-Altmeister Gerhard Merz in die Parade. Damit hat er sicher recht, allerdings dürften auch sämtliche Autokraten dieser Welt gegen solch eine Wahl-Definition kaum Einwände haben. Bei der Abstimmung reichte es für Walter (4 Stimmen) und Rasch (3) dann immerhin zu einem Achtungserfolg. Der neue Bürgermeister zeigte sich in seiner kurzen Dankesrede am Beginn einer langen Parlamentssitzung (weitere Berichte folgen) jedenfalls tatendurstig: »Auf uns warten spannende Projekte, packen wir’s an.«

Die Standardfrage nach jedem gewonnenen Match: Wie fühlen Sie sich?

Natürlich gut und erleichtert.

Es war bereits im Vorfeld klar, dass die Wahl ein enges »Match« wird. Haben Sie befürchtet, dass Sie scheitern?

Mir war schon klar, dass das eine knappe Kiste werden würde. Wegen Omikron, wegen dem Wetter, Ali Al-Dailami hat es ja nicht mehr aus Berlin nach Gießen geschafft. Aber letzten Endes hat es gereicht - und nur das zählt.

Aber jenseits der ersten Freude: Vergnügungssteuerpflichtig wird Ihr neuer Job wohl nicht, oder?

Ich glaube, ich bin mir schon sehr bewusst, was auf mich zukommt. Letztlich geht es darum, Brücken zu schlagen zwischen den verschiedenen Interessen und Menschen. Ernstgemeinte Sorgen werde ich aufgreifen und damit auch in die Diskussion gehen. Ich werde argumentieren, ohne das Ziel aus den Augen zu verlieren.

Reizthema Verkehrsversuch: Wie wollen Sie zwischen den Fronten der Gegner auf der einen und Verkehrswendeaktivisten auf der anderen Seite vermitteln?

Es geht nicht darum, das Auto aus Gießen zu verbannen, aber Radfahrer müssen den Platz erhalten, um sich auch sicher in der Stadt bewegen zu können. Es ist möglich, auf dem Anlagenring Spuren für Radfahrer anzulegen. Das ist auch wichtig, denn derzeit stellt er eine große Barriere für die Gießener dar. Ich glaube auch nicht, dass es eine große Blockadehaltung gibt. Wir reden im Moment alle noch im leeren Raum. Wie stark der Widerstand wirklich ist, werden wir sehen, wenn konkrete Lösungen auf dem Tisch liegen. Das dauert noch, das ist auch frustrierend, aber wenn es Lösungen gibt, dann wird es auch spannend, dafür Mehrheiten zu gewinnen. Das ist meine Aufgabe und an der habe ich auch Spaß. (ib)

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