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Alle suchen nach dem Igel

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Von: Rose-Rita Schäfer

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Sie erschafft Gute-Laune-Bilderwelten im 3D-Stil: die Gießener Künstlerin Silke Janas. Foto: Schäfer © Schäfer

Lich (rrs). Papierbahnen mit Farbverläufen bemalen, kleine Schnipsel abreißen und auf weißem Untergrund übereinander, verteilt oder in Gruppen aufkleben? Hört sich eigentlich einfach an. Doch die Collagen der 47-jährigen Gießenerin Silke Janas sind etwas ganz Besonderes. Wer jetzt den Dorf- und Kulturladen Eberstadt betritt, taucht ein in die fröhlich-bunte Welt der »Schnipselkunst-Silke«, die bis zum 22.

Dezember ihre Ausstellung »157 Hunde, 17 Katzen, ein hungriger Igel und noch ganz viele mehr« präsentiert.

Zu sehen sind Motive, die aus kleinen bunten Fitzelchen entstehen, denen die Künstlerin durch ein paar schwarze Federstriche mit viel Liebe ein Leben als Hund, Katze, Maus, Igel, Ente, Vogel oder Blume einhaucht. Die farbigen Mini-Tiere, über die gesamte Fläche der kleinformatigen Bilder verteilt, verbreiten sofort eine heitere, losgelöste Atmosphäre. Der Detailreichtum lässt bei jedem Blick etwas Neues entdecken, langweilig werden die hübschen Collagen den Betrachtern nie.

Seit 2014 betreibt die freischaffende Künstlerin, Illustratorin und Kunstpädagogin eine Malschule in Gießen, wo sie mittlerweile rund 80 Schüler anleitet. Für einen Workshop zum Tag der offenen Tür suchte sie zusammen mit ihrer damaligen Praktikantin Anna Wagner nach einfach umsetzbaren Techniken. So wurde die Idee mit den abgerissenen Papierstückchen geboren: »etwas ganz Neues dessen Erfinder wir sind«.

Zuerst legt Silke Janas dazu lange Papierbahnen aus, die sie mit Acryl- oder schön glänzenden Ölfarben großformatig bemalt. Dann reißt sie Schnipsel heraus, entweder völlig frei oder bewusst in Form von Körpern und Köpfen, die dann etwa einen Hund formen. Die Einzelteile werden nacheinander mit Klebestift auf dem Untergrund festgeklebt. Für Details wie Augen oder Öhrchen ist ein Zahnstocher im Einsatz. Eine wahre Sisyphusarbeit, die viel Geduld erfordert. Zum Schluss werden mit einem schwarzen, feinen Tuschestift Formen, Striche und Strukturen dazu gezeichnet.

Silke Janas erläutert: »Ich kann höchstens vier oder fünf Figuren am Stück entstehen lassen, dann schwindet die Konzentration.« So entstehen in präziser Feinarbeit einzigartige Gute-Laune-Bilderwelten im 3D-Stil, die aber auch als preiswertere Drucke zu haben sind. Außerdem bietet die Künstlerin Postkarten mit ihren unverwechselbaren Collagen zu verschiedenen Anlässen an.

Bei der Vernissage am Wochenende erinnerte sich Alexandra Renkawitz vom Verein Dorf- und Kulturladen, dass ihre Kinder »mit Janas Postkarten zählen gelernt haben, denn oft sind die Tiere, Blumen oder Törtchen darauf als Gruppen angeordnet, die gerade Anfängern den Einstieg in die Mathematik schmackhaft machen«. Besonderes Interesse beim Publikum fanden die kleinen dicken Rhönschafe, die boxenden Mäuse, aber auch die farbigen Enten oder Katzen. Und natürlich suchte jeder Besucher den hungrigen Igel unter den 157 Hunden und 17 Katzen. Als besondere Ehre schnipselte Janas vor Ort ein Originalbild ins Gästebuch des Dorfladens.

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