1. Startseite
  2. Stadt Gießen

Alle ziehen an einem Strang

Erstellt: Aktualisiert:

giloka_2211_familienklas_4c
Die (Mit-)Macher der »Familienklasse« halten Figuren aus dem Film »Alles steht Kopf« in Händen. Diese nutzen die Kinder zu Beginn der »Familienklasse«, um ihre Gefühle zu beschreiben. Foto: Volpe © Volpe

Erfolgsprojekt »Familienklasse« - Diese besondere Form des Unterrichts bildet eine Brücke zwischen Schule und Eltern, seit einem jahr an der Georg-Büchner-Schule in Gießen mit vollem Erfolg.

Gießen. An der Georg-Büchner-Schule ist vor einem Jahr der Dienstag zu einem ganz besonderen Tag geworden: Denn für sechs bis acht Kinder beginnt er jeweils mit einer Reflexion über ihre Gefühle. Danach wird gemeinsam mit einem Multifamilientrainer, einer Lehrkraft des regionalen Beratungs- und Förderzentrums und einem Elternteil an individuellen Zielen für den Unterricht gearbeitet. Egal, ob es bei den Mädchen und Jungs um Konzentrationsschwächen geht oder darum, das eigene Selbstbewusstsein zu stärken - stets gilt es, eine Brücke zu schlagen zwischen Schule und Elternhaus. Bisher ist diese neue Form der Unterrichtsgestaltung erfolgreich verlaufen. Und vor allem: Lehrstoff geht dabei nicht verloren.

Nun trafen sich die Kooperationspartner, Schuldezernentin Astrid Eibelshäuser sowie Vertreter*innen des Schulverwaltungsamtes und der Georg-Büchner-Schule, um sich über das Projekt »Familienklasse« auszutauschen und die positiven Entwicklungen hervorzuheben. Das Konzept besteht darin, eine Bildungspartnerschaft zwischen Schülern, Lehrenden und Eltern zu etablieren, damit mögliche Schwächen in den einzelnen Fächern früh erkannt und präventiv vorgebeugt werden kann. Dafür kommt jeden Dienstag für mindestens fünf Unterrichtsstunden ein Elternteil mit in die Schule und lernt gemeinsam mit dem Kind, Probleme zu bewältigen.

Kein Leistungsdruck

Mit einer geringen Gruppenstärke ist es den ausgebildeten Förderschullehrern und Pädagogen möglich, die individuellen Bedürfnisse in den Fokus zu rücken und somit den sozialen Zusammenhalt der Teilnehmenden zu festigen. Nachdem gemeinsam individuelle Ziele erarbeitet wurden, tragen die jeweiligen Klassenlehrer »Noten« für das Erreichen des speziellen Vorhabens ein. Eine Sechs schließe man dabei kategorisch aus, so die Fachlehrerin der Familienklasse an der GBS, Manuela Gerhardt. Leistungsdruck entstehe durch die Notenvergabe nicht, denn sie sei nur als Rückmeldung für die Eltern gedacht, jedoch nicht, um die Ziele der Kinder gegeneinander aufzuwiegen.

Sowohl das Land Hessen als auch die Stadt Gießen waren schon im Jahr 21/22 Förderpartner der beteiligten Gießener Schulen. Das Angebot sei ein riesiger Erfolg, erklärt die Schulleiterin der Georg-Büchner-Schule, Ivonne Köhler.

Neu ist das Projekt jedoch nicht, im Lahn-Dill-Kreis existiert es schon seit 2010. Die Tatsache, dass Schulen zu Ansprechpartnern und Lehrkräfte nahbarer werden, fördert das allgemeine soziale Miteinander.

Die Unsicherheit der Eltern sei schnell der Erleichterung gewichen. Man fühle sich seit dem ersten Augenblick wohl, berichtet Dilber Özgenc, die Mutter eines Kindes. Denn jeder werde positiv aufgenommen und nicht in eine Schublade gesteckt. Das sei extrem wichtig. Stadträtin Astrid Eibelshäuser bestätigt diese Aussage und betont, dass 91,5 Prozent der Teilnehmenden im letzten Jahr ihre Ziele erreichten. Fünf Mädchen und acht Jungen verließen die Klasse mit großem Erfolg. Selbstverständlich sei eine längere Betreuung durch den Multifamilientrainer möglich, falls weitere Probleme entstehen sollten. Dies sei jedoch noch nicht in Anspruch genommen worden. Den Erfolg tragen Eltern erfolgreicher Absolventen in die Schulgemeinde; nun sei eine Warteliste vonnöten, um allen Kindern die Möglichkeit der Teilnahme zu gewähren.

Weder Sprachprobleme noch Unzuverlässigkeit seien problematisch, teilt Marc Rauber, Leiter des regionalen sonderpädagogischen Beratungs- und Förderzentrums, mit. Ganz im Gegenteil: Es entstehe eine Atmosphäre des Miteinanders. Vom Lehrerkollegium bis hin zu den Kindern ziehe die gesamte Schulgemeinde an einem Strang. Dieser ganz besondere Tag an Gießens Grundschulen ist nicht nur Unterricht auf eine andere Art, er erlaubt den Austausch untereinander. Sei es durch Aktivitäten wie Eis essen gehen im Sommer oder ein gemeinsames Frühstück - keiner wird alleinegelassen.

An diesem ganz besonderen Tag begleiten Eltern ihre Kinder in die Schule und dürfen gemeinsam lernen, wie Familie geht. Sie alle werden zu Experten ihrer ganz persönlichen Situation.

Auch interessant