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»Alles ist besser als die Schule zu schließen«

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Der Corona-Test gehört längst genauso zur Schulausstattung wie Stifte und Radiergummi. Symbolfoto: dpa © Red

In den Gießener Schulen sind die regelmäßigen Corona-Tests inzwischen zur Routine geworden. Dennoch gibt es bereits einige Ausfälle. Personelle Engpässe aber drohen noch nicht.

Gießen . Die Zahl der Corona-Erkrankten in Gießen wächst aktuell rasend schnell - Tendenz steigend. Die Sieben-Tage-Inzidenz in der Stadt lag bis zum Sonntagnachmittag bereits bei 1434. Die Entwicklung spiegelt sich auch in den Schulen wider. Dem Gesundheitsamt wurden beispielsweise für den Zeitraum zwischen dem 10. und 17. Januar 235 Fälle gemeldet: 71 in Grundschulen, 141 an weiterführenden Schulen, 20 an Berufsschulen und drei an Förderschulen. Darunter fallen Schüler ebenso wie Lehrer und sonstiges Schulpersonal.

Dreimal pro Woche (montags, mittwochs, freitags) wird in den Schulen getestet, in den Gebäuden gilt Maskenpflicht, auch während des Unterrichts. Wenn in einer Klasse ein positiver Fall auftaucht und dies durch einen PCR-Test bestätigt wird, müssen alle in der Klasse täglich getestet werden - und das zwei Wochen lang. Wer vollständig geimpft, genesen und eventuell geboostert ist, darf freiwillig einen Test machen. Soweit die Regel, doch wie gestaltet sich der Schulalltag konkret unter diesen Bedingungen? Der Anzeiger hat nachgefragt.

Enormer logistischer Aufwand

Mittlerweile sind die wiederkehrenden Tests zur Routine geworden: Die Lehrer holen die benötigten Mengen für diejenige Klasse ab, bei der sie die erste Stunde haben. Das sorgt längst nicht mehr für große Hektik. »In den dritten und vierten Klassen machen die Schüler das wie Zähneputzen«, betont Dr. Jan-H. Schneider, Rektor der Ludwig-Uhland-Schule. Lediglich die Jüngeren bräuchten ab und zu mal Hilfestellung. Widerstände oder lange Diskussionen gebe es so gut wie gar nicht mehr. Auch die Lehrkräfte und Schüler, die vollständig geimpft sind und keine Test machen müssten, tun dies trotzdem freiwillig, nur um auf der sicheren Seite zu sein. Der Eintrag im Testheft wird als offizieller Nachweis anerkannt und eröffnet auch den Weg zu 2G-Plus-Veranstaltungen.

»Alles ist besser als die Schule wieder zu schließen«, sagt Markus Koschuch, Leiter der Alexander-von-Humboldt-Schule. Gleichzeitig verweist er darauf, dass hinter den eigentlichen Testungen »ein nicht zu unterschätzender logistischer Aufwand steckt«. Fast wöchentlich müsse nachbestellt werden. Darum kümmere sich jede Schule selbst, das Schulverwaltungsamt habe dazu mit einem privaten Fachversand einen Liefervertrag geschlossen. Bislang sei dieser Vorgang ohne Probleme abgelaufen. Zudem sind die Tests zu lagern und an die Lehrer auszugeben. Der daraus resultierende Müll, der im Übrigen durch Corona deutlich angewachsen sei, müsse wiederum entsorgt werden.

Die Rechnung, wie viele Tests benötigt werden, ist einfach: Bei einer Einrichtung wie der Gesamtschule Gießen-Ost (GGO) mit rund 1500 Schülerinnen und Schülern sowie 130 Lehrern werden rund 5000 Test pro Woche gebraucht. Ist jemand infiziert, könnten es sogar noch mehr werden, weil dann das Stäbchen täglich in die Nase gesteckt werden muss. Alles wird genau dokumentiert, das kostet Zeit und muss zusätzlich zu den üblichen Aufgaben geschultert werden. In den Gießener Schulen wird diese Arbeit zwar als anstrengend empfunden, die Notwendigkeit aber nicht infrage gestellt.

Jede Schule hat auf ihre Weise mit der Pandemie zu kämpfen. Wie sich das in Zahlen ausdrückt, lässt sich allerdings nicht ermitteln, denn die dürfen nicht an Dritte weitergeleitet werden. »Wir dürfen die Informationen noch nicht einmal unseren Eltern, die danach fragen, herausgeben«, heißt es seitens der Schulleiter. Eins ist jedoch sicher: »Wir tun alles, um unsere Kollegen und Schüler zu schützen«, versichert GGO-Direktor Dr. Frank Reuber.

Noch keine personellen Engpässe

Das enorme Maß an Prävention habe jedenfalls dazu beigetragen, dass es gegenwärtig »keine höheren Ausfallquoten« gebe. »Keine der Klassen ist ein sogenannter Hotspot«, so Reuber. Und fügt hinzu: »Da sind wir schon sehr froh drüber. Die Arbeit zur Bekämpfung des Virus ist deutlich mehr geworden. Wir leisten obendrein ein gutes Stück Aufklärungsarbeit. Das machen wir aber gerne.« Sorgen bereitet ihm dennoch die Dynamik, mit der die Omikron-Variante um sich greift. Sollten dadurch gleich mehrere Mitglieder des Schulleitungsteams, des Sekretariats oder des Kollegiums ausfallen, sodass es personell eng werde, komme ein »Notfallplan« zum Einsatz. Noch sei dies glücklicherweise nicht der Fall.

»Nach den Weihnachtsferien konnten wir einen Anstieg von Erkrankungen feststellen«, bestätigt Dirk Hölscher, Direktor der Liebigschule. Die krankheitsbedingten Ausfälle in der Lehrerschaft bewegten sich allerdings noch im Rahmen und könnten gut kompensiert werden. Ebenso entspannt zeigt sich der Leiter der August-Hermann-Francke-Schule, Horst Brombach. »Wir sind gut vernetzt und können gegebenenfalls Vakanzen ersetzen.»

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