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"Als Blinder in Theresienstadt"

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Von: Heidrun Helwig

GIESSEN - (hh). Zu einer Lesung mit dem renommierten Historiker Wolfgang Benz zur Vorstellung seines Buches "Als Blinder in Theresienstadt. Der Münchner Schriftsteller Norbert Stern" laden die Arbeitsstelle Holocaustliteratur und das Literarische Zentrum Gießen (LZG) am Dienstag, 5. Dezember, ein. Der schmale Band ist in der Reihe Jüdische Miniaturen des Hentrich und Hentrich Verlags Berlin erschienen.

Norbert Stern wurde 1881 in Dettensee, einem Dorf am Neckar in Baden-Württemberg, geboren. Nach einer Karriere als Techniker widmete er sich immer mehr der Philosophie. Er promovierte und erweiterte sein Interessenfeld im Bereich Mode und Kultur. Im Ersten Weltkrieg erlitt Stern als Soldat eine schwere Augenverletzung, die erhebliche Sehstörungen zur Folge hatten und einige Jahre später zur vollständigen Erblindung führte. Als Schriftsteller und Privatgelehrter veröffentlichte er 1922 sein erstes Werk. Doch im Sinne der NS-Ideologie galt Stern ab 1933 als Jude und konnte seinen Beruf nicht weiter ausüben. Am 21. Juni 1942 wurde Norbert Stern dann von München in das Getto Theresienstadt deportiert, da er durch seinen Einsatz im Ersten Weltkrieg als 'privilegiert' galt. Trotz seiner Blindheit nahm er die Zeit sehr intensiv wahr und versuchte, die Erinnerungen in seinen Aufzeichnungen "Ein Blinder erlebt Theresienstadt" festzuhalten. Dieses Manuskript wurde jedoch nie veröffentlicht. Nach seiner Befreiung lebte Stern bis zu seinem Tod in München. Ein Teil seiner Aufzeichnungen konnte vor seiner Deportation gerettet werden, so dass er in den 1960er Jahren ein weiteres Werk mit dem Titel "Wer bist du, Mensch?" veröffentlichte.

Der emeritierte Professor Wolfgang Benz war bis 2011 Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung der TU Berlin. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr im KiZ (Kultur im Zentrum) an der Südanlage 3A (Kongresshalle). Der Eintritt ist frei. Foto: dpa

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