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Als »Mann mit der Trompete« bestens bekannt

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Anstoßen auf den 90.: Alfred Joswig. Foto: Wißner © Wißner

Alfred Joswig aus Gießen feierte am Sonntag seinen 90. Geburtstag. Die Petrusgemeinde ehrte den Jubilar, der auch schon vor Papst Paul VI. gespielt hat, mit einem Empfang.

Gießen (twi). Zu seinem 90. Geburtstag kehrte Alfred Joswig am Sonntag an seine alte Wirkungsstätte in der Petrusgemeinde zurück. Dort, wo er viele Jahre als Küster wirkte, wurde ihm zu Ehren nach dem Gottesdienst ein gebührender Empfang bereitet. Pfarrer Peter Ohl gratulierte für den im Urlaub weilenden Gemeindepfarrer Matthias Leschhorn. Zwar mag es in den vergangenen Jahren etwas ruhiger um den Jubilar geworden sein. Als »Mann mit der Trompete« ist er trotzdem in Gießen und weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt - vor allem durch seine Tätigkeit als Leiter der von ihm vor über fünf Jahrzehnten ins Leben gerufenen Turmbläser.

Die Turmbläser erfreuen Passantinnen und Passanten stets im Wonnemonat Mai sowie an allen Adventssamstagen in der Vorweihnachtszeit mit ihren Klängen hoch oben vom Stadtkirchenturm. Von 1979 bis Dezember 2013 koordinierte Alfred Joswig die Musikerinnen und Musiker, bis 2014 war er selbst noch aktiv. Insgesamt 31 Jahre leitete er zudem den Posaunenchor des Christlichen Vereins Junger Menschen (CVJM) in Gießen. Das bisherige Lebenswerk des engagierten Christen steht unter dem Psalmwort »Lobet den Herrn mit Posaunen«.

Im Petersdom gespielt

In Ostpreußen geboren, kam Alfred Joswig bereits im Alter von zehn Jahren mit dem Posaunenblasen in Berührung. Seine musikalische Ader hat er vom Vater in die Wiege gelegt bekommen, denn dieser leitete ebenfalls einen Posaunenchor. »So richtig im Chor habe ich erst mit 14 angefangen«, berichtet das Geburtstagskind. Nachdem er 1952 in Oranienburg erstmals einen Posaunenchor übernommen hatte, wurde diese Passion vier Jahre später auch zum »Sprungbrett« nach Gießen. Als Joswig auf Einladung von Dekan Trautwein 1955 die Stadt an der Lahn besuchte, reifte in ihm - unterstützt durch den damaligen CVJM-Leiter Ernst Klotz - der Gedanke, nach Gießen zu ziehen. Mit seiner Frau Ingrid siedelte er 1956 in die Universitätsstadt über, wo er die vakante Stelle des Posaunenchor-Leiters übernahm. Sein Geld verdiente sich der gelernte Bäckermeister in der amerikanischen Heeresbäckerei. Drei Jahre später wechselte Alfred Joswig jedoch seinen Beruf und wurde mit der Aufgabe des Küsters in der Pankratius-Kapelle in der Georg-Schlosser-Straße betraut.

Mit welcher Leidenschaft der Jubilar seine Tätigkeit als Posaunenchor-Leiter ausübte, beweist die Tatsache, dass er sich bei seiner Einstellung zusichern ließ, bei etwaigen Bläserchor-Einsätzen an Sonntagen als Küster vertreten zu werden. »Wir treten zwar auch bei weltlichen Anlässen auf, in erster Linie dient unsere Musik aber dem Lobe Gottes«, betont der 90-Jährige. In der Blütezeit des CVJM-Posaunenchors reiste der Chor für Konzerte zum Beispiel nach Ceylon, Lappland und viele andere Länder. Während einer Rom-Reise 1974 mit Audienz bei Papst Paul VI. wurde das größte Gotteshaus der Welt, der Petersdom, zur Bühne.

Unzähligen jungen Menschen hat Joswig ehrenamtlich das Trompetespielen beigebracht. Als Küster im Ruhestand erfreute er mit seiner Trompete ebenfalls die Menschen, half bei Bläsergruppen aus und war stets mit seinem Bläserkreis im Mai und im Advent auf dem Kirchenplatz zu hören. Anderen mit seiner Musik Vergnügen zu bereiten, war ihm ein besonderes Anliegen. In den vergangenen Jahren hat er aber auch immer häufiger bei Trauerfeiern mitgewirkt, um Freunde mit einem letzten musikalischen Gruß zu würdigen.

Für sein ehrenamtliches Engagement wurde Joswig 2009 mit dem Ehrenbrief des Landes Hessen ausgezeichnet. »Alfred Joswig und seine Trompete sind eins«, hatte der damalige Oberbürgermeister Heinz-Peter Haumann gesagt. Auch die goldene Ehrennadel des CVJM-Weltbundes ist ihm verliehen worden. Nun war es Stadtrat Johannes Zippel, der die Glückwünsche des Magistrats sowie Urkunden von Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher und Ministerpräsident Boris Rhein überreichte. Zum Kreis der Gratulanten gehörten ferner zwei Söhne und vier Enkel.

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